Neue Anlaufstelle

Chaos im Einwohneramt: Wie Nürnberger schneller an ihren Pass kommen sollen

Foto: Eduard Weigert Datum: 9.11.16..Mitarbeiterportrait....Silke Roennefahrt
Silke Roennefahrt

Lokalredaktion

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23.6.2022, 13:55 Uhr
Neue Anlaufstelle für Passanträge und Co.: in einer ehemaligen Sparkassenfiliale hat die Stadt Nürnberg ein "Pop-up-Bürgeramt" eingerichtet.

© Roland Fengler, NNZ Neue Anlaufstelle für Passanträge und Co.: in einer ehemaligen Sparkassenfiliale hat die Stadt Nürnberg ein "Pop-up-Bürgeramt" eingerichtet.

Martin Vogel braucht dringend einen neuen Personalausweis. Über Monate hinweg habe er sich immer wieder vergeblich um einen Termin bemüht, sagt der Landwirt aus Katzwang. Eine E-Mail an die Adresse der Stadt sei lediglich mit dem Hinweis auf die vorhandenen Standorte beantwortet worden. "Da hat überhaupt nichts funktioniert", sagt der Landwirt. "Das ist doch kein Zustand." Vor wenigen Tagen war seine Terminsuche dann überraschend und kurzfristig erfolgreich. Jetzt steht der 53-Jährige im neuen Pop-up-Center der Stadt Nürnberg in der Pillenreuther Straße und registriert sich am Anmeldeterminal. Wenige Minuten später sitzt er am Schreibtisch der Sachbearbeiterin und stellt den Antrag.

So soll es jetzt häufiger laufen: Rund 1000 neue Termine pro Woche will die Stadt Nürnberg in der neuen Anlaufstelle in einer ehemaligen Sparkassenfiliale zur Verfügung stellen und damit endlich eine Situation verbessern, die seit Monaten für negative Schlagzeilen sorgt. Bislang glich die Suche nach einem Termin im Einwohneramt einem Glücksspiel. Freie Termine waren über Wochen im Voraus ausgebucht, was an Zusatzterminen kurzfristig am Morgen vergeben wurde, war oft binnen Minuten weg. Auf die Kritik an den Zuständen reagierte die Stadt mit einem offenen Angebot: Die Bürger konnten auch ohne Termin in die Äußere Laufer Gasse kommen, mit dem Ergebnis, dass die Menschen stundenlang vor den Türen des Einwohneramtes ausharrten.

Doch das, sagt Stadtrechtsdirektor Olaf Kuch, sei jetzt nicht mehr nötig. "Wer vor 12.30 Uhr kommt, wird drangenommen. Die Leute müssen wirklich nicht mehr morgens um 7 Uhr vor dem Haus stehen." Lange Wartezeiten sind aber natürlich möglich, deshalb setzt die Stadt auch weiterhin auf die digitale Terminvereinbarung. Allerdings gibt es keine langfristigen Termine mehr, in der Regel werden die freien Plätze 14 Tage im Voraus freigeschaltet. Noch immer sind diese Termine im Nu vergriffen - am Donnerstag Vormittag gab es kein einziges Angebot, mittags waren einige Plätze zu haben, am Nachmittag hieß es dann wieder in allen Anlaufstellen "Kein freier Termin verfügbar". Kuch ist dennoch zuversichtlich, dass sich die Lage jetzt entspannt, schließlich werden täglich neue Kapazitäten frei. "Wenn man immer wieder reinschaut, wird man ein Angebot bekommen."

Neben den Auswirkungen der Pandemie sind laut Stadt auch Personalnöte für die aktuellen Probleme verantwortlich. Es sei sehr schwer, neue Mitarbeiter zu finden, die dann zudem auch noch geschult werden müssten, sagt Kuch. "Auch im öffentlichen Dienst spüren wir den Fachkräftemangel." Von den im Februar ausgeschriebenen Stellen habe das Einwohneramt noch immer nicht alle besetzen können. Dennoch wurde das Personal laut Stadt in den vergangenen Monaten kräftig aufgestockt, von zunächst rund 50 auf jetzt knapp 80 Mitarbeiter, hinzu kommen weitere zehn Beschäftigte in den Bürgerämtern.

Mit dezentralen Anlaufstellen wolle man die Situation langfristig verbessern, sagt Oberbürgermeister Marcus König. "Wir müssen jetzt ein breites Angebot machen." Neben den schon länger vorhandenen Angeboten in einigen Sparkassenfilialen soll dazu jetzt das Pop-up-Bürgeramt in der Pillenreuther Straße beitragen. Es solle auf jeden Fall so lange erhalten bleiben, bis 2024 oder 2025 die bereits geplante Außenstelle im ehemaligen Quellekomplex "The Q" in der Fürther Straße öffnen kann. Ein weiteres Amt soll ins neue "Schocken-Carré" am Aufseßplatz einziehen. Auch das Angebot in den Sparkassen solle ausgebaut werden, ergänzt Kuch. "Allerdings brauchen wir dafür auch die Mitarbeiter."

Führerscheintausch: Nicht bis Herbst warten

Dem häufig geäußerten Wunsch, Personalausweise und Reisepässe digital beantragen zu können, kann Kuch auch künftig nicht nachkommen. "Das geht in ganz Deutschland nicht", betont der Stadtrechtsdirektor. Den vorgeschriebenen Umtausch älterer Führerscheine kann man dagegen auch online erledigen. Zuständig dafür ist das Ordnungsamt in der Hirschelgasse. Wer lieber vor Ort den Antrag stellen möchte, sollte rechtzeitig kommen, rät Kuch. "Wir haben eigentlich genügend Kapazitäten. Wenn aber alle erst im Herbst kommen, könnte es eng werden."

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