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"Chaotische Verhältnisse": Klo-Ärger bei Rock im Park

Viele Rocker sind sauer, weil es angeblich zu wenige Toiletten und Duschen gibt - 07.06.2019 16:20 Uhr

Irgendwann muss das Bier ja wieder raus: Vor den Klos bei Rock im Park bildeten sich am Freitag ungewöhnlich lange Schlangen. © Eva Orttenburger


Der Boden ist ziemlich nass. Das soll bei Sanitäranlagen schon mal vorkommen. Hier fließt das Wasser aber so gar nicht, wo es soll. Während einige junge Frauen in der Mittagshitze gerne duschen würden, sind die Kabinen unweit der Kongresshalle erst einmal dicht. Dabei gäbe es reichlich Wasser. Das aber fließt aus den Kabinen auf die Straße hinaus.  

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Katrin, die schon am Donnerstag aus der Nähe von Karlsruhe angereist ist, ist sauer. Zehn Euro hat sie für Ihre Dusch-Flatrate gezahlt. Doch an Duschen war am Donnerstag nicht zu denken. In den vergangenen Jahren sei die Anlage unweit der Kongresshalle 24 Stunden offen gewesen. Diesmal wurden die Besucher auf 7 Uhr am nächsten Morgen vertröstet.

Als die Toiletten am Freitagmorgen dann endlich geöffnet wurden, ging bei den Duschen weiterhin nichts. Zahlreiche entnervte Besucher fragen sich, was dieses Jahr schief gelaufen ist. "In den letzten Jahren hat es doch super funktioniert", ist von vielen zu hören. 

Männer müssen eine halbe Stunde anstehen

Vor den Toiletten gibt es einen Anblick mit Seltenheitswert. Gerade auf Festivals ist man es gewöhnt, dass die Männer schnell ihr Geschäft verrichten, während Frauen meistens Schlange stehen müssen. "Hier musst du als Kerl eine halbe Stunde anstehen", ärgert sich der 25-jährige Marvin.

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Katrin rät derweil, auf jeden Fall Sonnencreme mitzunehmen, wenn man doch mal vorhat, die Toilette benutzen zu wollen. Vor allem, dass man sich an der Anlage kein Trinkwasser auffüllen kann, ärgert viele. Verständlich bei den hochsommerlichen Temperaturen am Freitag. Die Mitarbeiter an der Station können einem schon leid tun, können sie doch am wenigsten für die Misere, über die sich so viele Besucher - oftmals direkt bei ihnen - aufregen.


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Auf Facebook haben viele Festivalbesucher ihrem Unmut schon seit den frühen Morgenstunden freien Lauf gelassen. "Ein Shitstorm - im wahrsten Sinne des Wortes", wie Marvin sarkastisch anmerkt. "Erstes und letztes Mal Rock im Park. Die Orga war gestern unterirdisch", heißt es in einem der noch netteren Kommentare. Viele halten dem Veranstalter die steigenden Ticketpreise vor, während die Organisation zu wünschen übrig lasse. Dass der Veranstalter "mit Hochdruck" daran arbeite, die Probleme zu lösen, wie er auf Facebook immer wieder versichert, kommentieren manche User mit Galgenhumor: "Ich kann mir vorstellen, dass einige Festivalbesucher auch schon Hochdruck haben."

Der Veranstalter, der für eine offizielle Stellungnahme zunächst noch nicht zu erreichen war, zeigt am Freitagnachmittag Verständnis: "Wir verstehen euren Unmut total!", heißt es auf der Festival-Facebookseite. "Diese Situation frustriert uns genauso wie euch, da wir uns alle ein möglichst geiles Festival wünschen." Weiter heißt es, dass mit höchster Priorität und auch kurzfristiger externer Unterstützung daran gearbeitet werde.

Zu wenig Dixi-Klos auf Rock im Park

Auch Darja, Jonathan, Ronja und Christian aus Augsburg beklagen, dass auf ihrem Zelplatz viel zu wenige Dixi-Klos zur Verfügung stünden. In der Nacht hätten sie auch nicht die Toiletten in der Kongresshalle nutzen können. Angeblich habe eine Kasse gefehlt, hieß es, als ihnen der Zutritt verwehrt wurde. Am Freitagnachmittag sind die Toiletten offen. Allerdings fehle es an Klopapier und Seife, der Boden sei nass und dreckig, wie die Vier beklagen. 

Im vergangenem Jahr, so erzählen sie, hätte es ausreichend Kabinen gegeben, aktuell hätten sie nur drei mal zwei Sitztoiletten bei den Männern gezählt. Klar und ärgerlich zugleich also, dass man entsprechend Zeit einplanen muss. 

Zumindest Clemens aus Berlin macht einen frischen Eindruck. Gerade hat er sich eine Dusche gegönnt - eiskalt. "Das gehört auf einem Festival dazu", sagt der 28-Jährige. Genervt hat ihn allerdings die schlechte Organisation bei der Anreise. Das, was in der App angezeigt wurde, habe längst nicht immer der Realität entsprochen, so der Berliner, der relativ chaotische Zustände beim Einlass zu den Campingplätzen beschreibt.

Auch bei den Duschen gab es Probleme, mancherorts plätscherte das Wasser sogar nach draußen. © Johannes Handl


Er ist sich nicht sicher, ob noch überall ausreichend Fluchtwege zur Verfügung stehen, nachdem sich viel Besucher wahllos breitgemacht hätten, ohne dass Ordner für eine angemessene Verteilung gesorgt hätten. So musste er von Platz zu Platz tingeln und sich - zur Sicherheit - jedes Mal aufs Neue kontrollieren lassen. Jetzt, so frisch geduscht, will sich der Berliner den Spaß aber nicht verderben lassen.

Gleiches gilt für Verena und Lola, die in Nicht-Festival-Zeiten am Chiemsee zu Hause sind. Etwa 20 Dixi-Klos stünden auf dem Camping-Platz C8 zur Verfügung. Für alle, die dort zelten, wie die beiden betonen. Zwar hat ihr Bollerwagen schon beim Regen am Donnerstag den Geist aufgegeben, inzwischen haben sie aber für Ersatz gesorgt. Damit ziehen sie jetzt das Trinkwasser, das sie sich aus der Kongresshalle geholt haben, zurück zu ihrem Zeltplatz, bevor sie sich ins Getümmel vor den Bühnen stürzen wollen. 

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