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City-Point wird abgerissen - doch es gibt viele offene Fragen

Verkäufer im Nürnberger Einkaufszentrum blicken in ungewisse Zukunft - 18.07.2018 06:04 Uhr

Noch tummeln sich im City-Point Besucher. Nachdem der Abriss bekannt wurde, sind nun nur noch einzelne Läden verblieben. © Rurik Schnackig


"Die Situation ist katastrophal!", erzählt Claudia Kinle vom Schmuckgeschäft Bijou Brigitte. "Jeden Tag ist ein anderer Laden weg." Die kleine Verkaufsfläche an der Ecke im Erdgeschoss ist umgeben von leerstehenden Läden. Während die Verkäuferin das erklärt, blickt sie auf die verstaubten Glastüren vom Geschäft gegenüber, die wohl nie wieder öffnen werden. Von den einst etwa 55 Läden auf fünf Etagen ist nur noch etwa ein Dutzend übrig geblieben. Wie viel Zeit dem Schmuck-Geschäft noch bleibt, kann Kinle nicht sagen.

Eine Umfrage der Nürnberger Zeitung ergibt, dass das kaum jemand der verbliebenen Verkäufer weiß. Kinle moniert: "Keiner weiß etwas Konkretes, was aus dem City-Point wird." Und die verbliebenen Beschäftigten sollen sich dann am besten von heute auf morgen eine neue Arbeit suchen, sagt sie aufgebracht. Die 60-Jährige, die seit Beginn in der Filiale im City-Point arbeitet, weiß nur, dass erste Pläne des neuen Projektentwicklers unter anderem ein Hotel vorsehen. Dafür hat sie kein Verständnis, Hotels gebe es in Nürnberg schon genug. Der Abriss des City-Points könnte schon Ende 2019 erfolgen und 2020 mit dem Neubau begonnen werden. Der Projektentwickler war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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Der City-Point bedeutet für sie mehr Hobby als Arbeit. "Hier war immer mein Zuhause!" Stattdessen sei es hier nun wie in einem Totenhaus. "Wenn ich das Gebäude jetzt betrete, bekomme ich Depressionen."

"Ich befürchte erst gegen Ende des Jahres"

Die Zeichen im Einkaufszentrum stehen auf Abriss. Wo vor kurzem noch der Duft von asiatischem Essen aus einem Schnell-Restaurant in der Luft hing, hängen nur noch grüne Planen. In der Passage, in der sich einst zur Mittagszeit Geschäftsleute und Einkaufsbummler tummelten, herrscht nur noch Stille und Leere. Die meisten Schaufenster sind mit Plakaten abgedeckt, die verhüllen, was das Innenleben einst bot. An mancher Stelle kann immerhin auf die nächstgelegene Filiale verwiesen werden. So ist ein Shop für Fanartikel etwa an einem größeren Standort direkt gegenüber an der Breiten Gasse untergekommen. Ein Glücksfall, der nicht jedem vergönnt ist.

Auch Claudia Kinle hat die Gewissheit, dass sie in der Bijou-Brigitte-Filiale neben dem City-Point weiterarbeiten kann. Weiß sie denn schon, wann das sein wird, wann "ihre" Filiale genau geschlossen wird? "Ich befürchte, erst gegen Ende des Jahres." Das bedeute für sie noch länger Arbeiten vor dieser trostlosen Kulisse - und das bei immer weniger Kunden.

Auch das Foto-Studio Studioline im Obergeschoss hält sich weiterhin. Leiterin Agnes macht sich keine Sorgen um ihre Zukunft. Die Zentrale hat ihr und ihren Mitarbeitern zugesichert, dass sie in anderen Filialen in der Nähe unterkommen werden. Aber komisch sei es schon, wenn ein Laden nach dem anderen zumache. Zumindest eine gute Sache habe die Schließung: der Ausverkauf!

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Die wenigen noch bestehenden Bekleidungsgeschäfte versuchen mit roten, auffälligen "Sale"-Schildern, letzte Kunden einzufangen. "Total-Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe" steht da, was sich Schnäppchenjäger nicht entgehen lassen. Mancherorts sind die Regale schon fast leer gekauft, woanders hingegen hängen in den Schaufenstern wie gewohnt Bikinis, Hosen und Shirts. Die Angebote - von denen auch viele dem Sommerschlussverkauf geschuldet sind - locken noch recht viele Kunden in die recht leeren Hallen des Komplexes.

"Aber wir machen einfach weiter" 

Eine Mitarbeiterin einer dieser Modegeschäfte ärgert sich darüber, dass ihnen niemand Auskunft darüber geben kann, wie lange es noch weitergeht mit dem Geschäft - und mit dem City-Point insgesamt. Selbst über die Abriss-Pläne hat sie damals aus der Presse erfahren. Immerhin hätten einige Läden noch Mietverträge, die über Jahre laufen. Viele Kunden fragen auch, was aus dem Laden wird. Eine Antwort geben könne sie nicht. Das betrifft auch ihre persönliche Zukunft. "Die Situation ist nicht schön." Der Laden sei wie ihr Baby. Einer ihrer Kollegen meint, dass ihnen vielleicht nur noch der Gang zum Arbeitsamt bliebe. Die Unsicherheit sei vor allem für die Angestellten mit Kindern schlimm. Seit Monaten warten sie auf Informationen.

Auch der kleine Brezen-Stand gegenüber des Zentrums an der Pfannenschmiedsgasse macht weiter: "Wir haben nichts mitbekommen, wurden nicht informiert", erklärt die Verkäuferin. "Aber wir machen einfach weiter", sagt sie und lacht zuversichtlich.

Meike Kreil

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