Der ganze Stolz der VAG: Das ist Nürnbergs neue U-Bahn

30.11.2018, 06:00 Uhr
Der erste Zug der neuen Nürnberger U-Bahn kurz vor seiner Fertigstellung bei Siemens in Wien

Der erste Zug der neuen Nürnberger U-Bahn kurz vor seiner Fertigstellung bei Siemens in Wien © Toma

Einfach ist es nicht gerade, eine U-Bahn zu bauen. Satte 3000 Seiten umfasst die detaillierte technische Beschreibung der neuen Nürnberger U-Bahnen mit der Modellbezeichnung "G1". Das steht für "Gliederzug 1". Für die Fahrgäste bedeutet das, dass sie sich durch den kompletten Zug frei bewegen können. So, wie es in U2 und U3 heute schon möglich ist. Im Dezember 2015 wurde der Vertrag über die neuen Züge zwischen Siemens und der VAG geschlossen. Aktuell verlassen die ersten fertigen Fahrzeuge das Werk von Siemens Mobility in Wien-Simmering.

Im Vertrag waren zunächst 21 Fahrzeuge vorgesehen, doch noch bevor der erste Zug nach Nürnberg ausgeliefert wurde, hat das Verkehrsunternehmen von einer Vertragsoption Gebrauch gemacht und sechs weitere U-Bahnen bestellt. "Die Fahrgastzahlen steigen deutlich und es ist einfach günstiger, jetzt nachzuordern anstatt in ein paar Jahren wieder den ganzen Planungs- und Herstellungsprozess von vorne zu beginnen", kommentiert Tim Dahlmann-Resing die Entscheidung. Er ist im Vorstand der VAG für Technik und Marketing zuständig. Die Kosten für die insgesamt 27 Fahrzeuge belaufen sich auf rund 214 Millionen Euro, etwa 35 Millionen davon bezahlt der Freistaat.

Hell und sicher soll es sein

Stolz referiert das Vorstandsmitglied über die Vorzüge der "G1". So ist die neue U-Bahn, die auf der Linie der U1 eingesetzt wird, natürlich barrierefrei. Dazu sind die Türen zehn Zentimeter breiter, was Rollstuhlfahrern den Einstieg erleichtert, aber auch ganz generell für einen zügigeren Fahrgastwechsel an den Stationen sorgen soll.

Fahrgäste, die mit Kinderwagen oder Rollator unterwegs sind, können Dank der Spaltüberbrückung mühelos ein- und aussteigen. "Diese Technik wäre nicht zwingend erforderlich gewesen, aber sie hat sich bewährt." Viele der Modelle die als U2 und U3 verkehren, verfügen schon über diese ausfahrbaren Bretter, die den Spalt zwischen Bahnsteig und Waggon überbrücken.

Der Innenraum der Waggons soll dem veränderten Sicherheitsgefühl der Bevölkerung Rechnung tragen. Helles LED-Licht sorgt für eine gute Ausleuchtung, außerdem sind zahlreiche Kameras installiert. In seinem Führerstand kann der Fahrer so brenzlige Situationen erkennen. Zumindest vorerst wird der neue "G1“ noch von menschlicher Hand bedient. Allerdings ist der Führerstand rückbaubar, so dass die U-Bahn in Zukunft auch autonom fahren könnte.

Sorglos surfen in der U-Bahn

Schon ab dem ersten Tag dagegen sollen die Fahrgäste in den U-Bahnen kostenloses W-LAN nutzen können. Nervige Verbindungsprobleme im U-Bahn-Tunnel sollten dann der Vergangenheit angehören. Um an heißen Sommertagen oder im kalten Winter die Temperatur in den Waggons erträglich zu halten, verfügt der "G1" über eine "Fahrgastraumtemperierung". Will heißen, Extremtemperaturen werden abgemildert, eine echte Klimaanlage ist das System aber nicht.

An den Außenseiten der Türen sind LED-Leuchtstreifen angebracht. Blinken sie grün, öffnen sich die Türen, blinken sie rot, schließt sich der Waggon. "Wir hoffen auch, dass sich durch die deutliche Markierung weniger Fahrgäste im letzten Moment in die U-Bahn drängen", sagt Tim Dahlmann-Resing. Das führe immer wieder zu Unfällen und ärgerlichen Verzögerungen für alle Fahrgäste.

Harte Tests fordern das Material

Neu sind auch die verbreiterten Durchgänge zwischen den Sitzreihen. In einigen Waggons sind die – überraschend bequemen – Sitze sogar nur längs an der Seite mit Blickrichtung ins Wageninnere angebracht. So können in den neuen U-Bahnen mehr Fahrgäste befördert werden, ohne dass die Zahl der Sitzplätze deutlich sinkt. Außerdem erhoffen sich die Konstrukteure durch die offene Gestaltung, mehr Personen Richtung Waggonmitte zu locken. Bislang stehen viele Fahrgäste oft recht ungünstig direkt vor den Türen. 

Die komplexe Technik der U-Bahn muss auch unter harten Bedingungen funktionieren. In einer Klimakammer werden Schneestürme ebenso simuliert wie heiße Sommertage. Nun folgen noch umfangreiche Test auf einem Siemens-Prüfgelände in Nordrhein-Westfalen. Im Frühjahr 2019 will das Unternehmen dann den ersten Zug an die VAG ausliefern, im Herbst dürfen erstmals Fahrgäste in den neuen "G1" steigen. Bis 2021 wird es dauern, bis alle Fahrzeuge auf Nürnberger Gleisen stehen. 

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