Der "Movember" naht: Das alles kann der Bart

21.10.2018, 18:27 Uhr
Der Ostbayerische Bart- und Schnauzerclub zeigt, wie vielfältig die Barthaarpracht sein kann.

Der Ostbayerische Bart- und Schnauzerclub zeigt, wie vielfältig die Barthaarpracht sein kann. © Athina Tsimplostefanaki

Der Bart erfreut sich gerade wieder größter Beliebtheit. Das gilt nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen, die die Haarpracht oft gerne am anderen Geschlecht sehen. Vor allem der Vollbart ist angesagt. Und auch der Schnauzer war eigentlich nie ganz weg. Nur mittlerweile haben ihn auch wieder mehr Anhänger der jüngeren Generation entdeckt. Dabei werden Bartliebhaber oft als sogenannte Hipster verschrien. Die Hauptsaison des Moustache ist seit Jahren der "Movember": eine Kombination aus den Begriffen Moustache (französisch für Schnauzer) und November. Für die Aktion lassen sich Männer auf der ganzen Welt Schnurrbärte wachsen, um auf die Krankheit Prostatakrebs aufmerksam zu machen und so Spenden zu sammeln. Seinen Lauf nahm das Fundraising-Projekt 2004 in Australien. 

Neben Voll- und Schnauzbart bietet die Barthaarpracht aber noch viele weitere Möglichkeiten, wie sie gezüchtet und gestylt werden kann. Der Ostbayerische Bart- und Schnauzerclub kann sie alle. Mit was sich seine Mitglieder zieren, kann fast schon als Kunstwerk durchgehen. Über kurz oder lang, blond oder weiß, natürlich oder extrovertiert, unterschiedlicher könnten die Bärte nicht sein. 

Was aber, wenn der Bart einfach nicht wachsen will? Dieses Problem kennen nicht nur Teenager. Auch Timothy Hambrick hat versucht, sich einen Vollbart wachsen zu lassen, wie er erzählt. Doch an den Seiten will das Haar einfach nicht dicht werden. Die Lösung: Der 32-Jährige trägt  Schnauzer. Genauer: einen „Englischen Schnurrbart“. Und mit dem hat er bei Meisterschaften sogar schon Preise abgeräumt. Aus Erfahrung aber weiß er, dass es kein verlässliches Mittel gibt, um den Bartwachstum anzuregen. 

"Bad-Beard-Day"

Der Englische Schnurrbart ist schmal gehalten, die Haare werden von der Oberlippenmitte beginnend, extrem lang und leicht geschwungen nach außen gezogen. So steht es in den offiziellen Richtlinien. Bei Meisterschaften kommt es auf jedes Haar, auf jeden Zentimeter an. Die Konkurrenz ist groß, die Jury streng. Es gibt normalerweise drei Kategorien: Schnurrbärte, Kinn- und Backenbärte und – natürlich – Vollbärte. Diese sind jeweils noch in sechs Unterkategorien eingeteilt.

Christian Feicht aus Grafing tritt ebenfalls regelmäßig bei Meisterschaften an. Der 31-Jährige hat an diesem Tag einen  "Bad-Beard-Day" erklärt er mit einem Augenzwinkern, und meint damit das männliche Pendant zum "Bad-Hair-Day". Also den Tag, wenn die Haare einfach nicht liegen wollen. Diesmal hat er etwa anderthalb Stunden für seine 21-Zentimeter-lange-Pracht gebraucht. Geht es um einen Titel, dauert es aber auch schon mal fünf Stunden. Das Wichtigste für den "Vollbart Freistil": zwei freie Hände zum Frisieren und Kreativität. Für ersteres hat er seinen Föhn eigens mit einem Rohr optimiert, wie er erzählt. "Da hat jeder so seine eigene Technik." Ein Drei-Tage-Bart käme für den Erzieher nicht infrage, das sei ja auch kein richtiger Bart. 

"Wahnsinn, was alles dahinter steckt"

Bei einem Bart-Wettbewerb am Samstag im Röthenbach-Center ist er jedoch nur Zuschauer. Hier sucht der Ostbayerische Bart- und Schnauzerclub, der in Amberg seinen Sitz hat, den "schönsten Bart der Metropolregion". Angemeldet waren 25 Teilnehmer, erklärt der Veranstalter, tatsächlich gekommen sind nur neun. Die fünfköpfige Jury bestand aus Experten, die im Einkaufszentrum arbeiten.

Unter den Teilnehmern ist auch Theodoros Bentikoglou aus Nürnberg. Der 29-Jährige ist aus Neugier dabei. Seit einem Jahr züchtet er nun seinen schwarzen Vollbart, die Freundin hat ihn dazu motiviert. Sie mag Männer mit Bärten einfach, erklärt sie lachend. Wie viel Arbeit hinter einem gepflegten Bart steckt, das hatte Bentikoglou anfangs nicht erwartet. "Wahnsinn, was da alles dahinter steckt." Auch hatte er Bedenken, was seine Kollegen von der neuen Gesichtsbehaarung halten würden, sagt der Informatiker, der nebenbei modelt. Zu Unrecht, wie sich schnell herausstellte: "Ich werde so akzeptiert, wie ich bin." Auch an Türstehern sei er bisher übrigens immer vorbeigekommen. Bei dem Wettbewerb schafft er es am Ende auf Platz vier. 

Auf das Treppchen auf Platz drei schafft es Mustafa Aktas: Seinen Vollbart mitsamt schulterlanger Mähne etwas weiter oben trägt der 25-Jährige seit zwei Jahren. Seitdem er Bart trage, sei er optisch ein komplett anderer Mensch. Und das bedürfe viel Arbeit, denn die Hautpartie und der Bart brauchen viel Feuchtigkeit: "Ich brauche schon ganz schön lange im Bad", gibt er zu. Waschen, schamponieren, föhnen,  cremen, kämmen, und und und. "Es ist einfach meine Leidenschaft!"

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