Kundgebung am Schmausenbuckturm

"Der Reichswald wird missbraucht": Umweltschützer kritisieren Standortsuche für ICE-Werk

Johannes Handl
Johannes Handl

Lokalredaktion

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17.7.2022, 18:20 Uhr
Rund 120 Teilnehmer versammelten sich unweit des Schmausenbuckturms zur Kundgebung „Rettet den Reichswald“.
 

© Stefan Hippel, NNZ Rund 120 Teilnehmer versammelten sich unweit des Schmausenbuckturms zur Kundgebung „Rettet den Reichswald“.  

Eine kleine Sommerpause müsse erlaubt sein. Für die Zeit danach kündigt Barbara Dorfner bei der Kundgebung „Rettet den Reichswald“, zu der das gleichnamige Bündnis unter Federführung des Bund Naturschutz (BN) aufgerufen hat, einen „heißen Herbst“ an. Die Sprecherin der Bürgerinitiative Röthenbach bei St. Wolfgang, die Teil des Bündnisses ist, möchte mit ihren Mitstreitern so lange weiterkämpfen, bis feststeht, dass das geplante ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn nicht im Reichswald gebaut wird.

Derzeit befinden sich drei Standorte im Raumordnungsverfahren: die ehemalige Heeresmunitionsanstalt (Muna) Feucht, der Bereich südlich der Muna sowie der Standort Allersberg/Pyrbaum/Roth. Dass keiner dieser drei infrage komme, betont auch Richard Mergner. Der BN, dessen Landesvorsitzender er ist, stehe zur Verkehrswende und stelle den Bedarf für ein ICE-Werk in Süddeutschland nicht infrage. Im Reichswald habe das Werk allerdings nichts verloren, stellt Mergner vor rund 120 Teilnehmern der Kundgebung, die pandemiebedingt erneut das Reichswaldfest ersetzt, klar.

„Wir akzeptieren nicht, dass dieses Projekt im Bannwald realisiert werden soll“, unterstreicht auch Hubert Weiger. „Immer wieder wird der Reichswald als billige Flächenreserve missbraucht. Damit muss endlich Schluss sein. Gerade angesichts der Klimakrise ist der Reichswald unverzichtbarer denn je“, legt der Ehrenvorsitzende des BN nach.

Suche soll weitergehen

Auch wenn die Deutsche Bahn AG und die Bayernhafen GmbH &Co. KG einer vom BN ins Spiel gebrachten Alternative am Nürnberg Hafen eine Absage erteilt haben, halten nicht nur Weiger und Mergner am Hafengelände als potenziellem Standort für ein ICE-Instandhaltungswerk fest.

Auch Julia Dade, Mitglied im Bundesvorstand der Bund Jugend, appelliert in diesem Zusammenhang an die Politik, nicht immer auf „die einfachste, sondern auf die umweltverträglichste Lösung“ zu setzen. Der Schutz des Reichswalds sei eine Daueraufgabe, „weil viele EntscheiderInnen in Politik und Wirtschaft immer noch nicht zu verstehen scheinen, wie zentral wichtig der Reichswald für die Stadt Nürnberg und Wälder allgemein für ein gutes Leben in Deutschland sind“.

Julia Dade kann sich gut daran erinnern, wie sie als Kind beim Reichswaldfest war. Heute ist die 24-Jährige Mitglied im Bundesvorstand der Bund Jugend und kämpft dafür, dass der Reichswald erhalten bleibt.

Julia Dade kann sich gut daran erinnern, wie sie als Kind beim Reichswaldfest war. Heute ist die 24-Jährige Mitglied im Bundesvorstand der Bund Jugend und kämpft dafür, dass der Reichswald erhalten bleibt. © Stefan Hippel, NNZ

Für Dade sind Wälder Erholungsort und Lebensraum. Sie sichern die Trinkwasserversorgung, verbessern die Luftqualität und bieten Kühlung in immer heißer werdenden Sommern. Indem sie CO2 in Holz und Boden einspeichern, tragen sie laut der Umweltschützerin aktiv zum Klimaschutz bei. Folglich spricht sich Dade nicht nur gegen ein ICE-Werk im Reichswald, sondern generell gegen jegliche Vorhaben aus, die zur Folge haben, dass wichtiger Bannwald gerodet werden muss.

"Eine Mammutaufgabe"

Ausgleichspflanzungen, die in so einem Fall vorgenommen werden, stimmen sie nicht milde: „Aufforstung ist eine Mammutaufgabe.“ Es dauere Jahrzehnte, bis die neu gepflanzten Bäume die gleiche Wirkung erzielen könnten wie bereits vorhandene.

Der BN und seine Mitstreiter hätten zahlreiche Erfolge vorzuweisen. Mit Blick auf eine „Torpedierung der regionalen Energiewende“, „Straßenbauorgien“, Sandabbau und Ähnliches zieht Richard Mergner jedoch ein bitteres Fazit: „Der Reichswald ist derzeit durch zahlreiche Eingriffsprojekte bedroht wie seit den 1970er Jahren nicht mehr.“ In Zeiten des Klimawandels müsse daher alles dafür getan werden, um ihn als grüne Lunge für den Ballungsraum zu erhalten.

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