Die Macherinnen der Arbeiterwohlfahrt

11.10.2020, 17:32 Uhr
Isabel Krieger (rechts), die die Schau konzipiert hat, und Brigitte Protschka bei der Eröffnung auf dem Hauptmarkt. Aktuell ist die Ausstellung "Macherinnen. Helferinnen. Frauen und die Awo" nur digital zu sehen.

© Michael Matejka Isabel Krieger (rechts), die die Schau konzipiert hat, und Brigitte Protschka bei der Eröffnung auf dem Hauptmarkt. Aktuell ist die Ausstellung "Macherinnen. Helferinnen. Frauen und die Awo" nur digital zu sehen.

Die in der Schau porträtierten Frauen stünden stellvertretend für „viele Tausend andere“, die die Arbeit des Verbands geprägt und sich um die Gesellschaft verdient gemacht hätten, sagt die Journalistin Isabel Krieger – zum Beispiel, in dem sie sich in Kindertagesstätten, in der Pflege, in Frauenhäusern oder im Bereich Integration engagierten.
Krieger hat die Schau konzipiert, in der etwa an die gebürtige Nürnbergerin Rosa Mihalka (1909–1998) erinnert wird, die maßgeblich dafür sorgte, dass der Awo-Ortsverein Wolkersdorf-Diepersdorf in den 1960er und 70er Jahren führend in Sachen Mutter- und Kindererholung wurde. Oder an Gunda Fuchs (1912–2003), nach der jener 1927 eröffnete Kindergarten in Ziegelstein benannt ist, um dessen Wiederaufbau sich Fuchs nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte.

Zeitlose Grundhaltung


Die heutige Leiterin der Einrichtung, Barbara Langzeuner, ist aber ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, denn der Blick richtet sich nicht nur auf die Awo-Pionierinnen, sondern auch auf die Macherinnen der Gegenwart. „Unsere Grundhaltung den Kindern gegenüber ist zeitlos“, schreibt Langzeuner in ihrem Beitrag für die Schau, denn schon Gunda Fuchs habe den Kleinen den Freiraum geben wollen, sich zu mündigen Bürgern zu entwickeln.
Viele dieser Macherinnen hätten nie die große Öffentlichkeit gesucht, bewirkten aber in der zweiten Reihe viel Gutes, sagt Krieger. „Wir wollten ihnen ein Gesicht geben.“ Eine Frau wie die 73-jährige Heidi Übler zum Beispiel, die anlässlich des 100. Jubiläums der Awo die Aktion „Schals gegen soziale Kälte“ initiierte. Übler, die sich ehrenamtlich als Vorstandsmitglied im Ortsverein Zirndorf-Weiherhof der Awo engagiert, berichtet, dass man mit den Erlösen für die Schals die Fürther Tafel unterstützt habe.

An der Spitze stehen meist Männer


Auf den 40 Tafeln sind auch Hinweise zur Geschlechtergerechtigkeit zu finden, und die Awo setzt sich dort durchaus kritisch mit ihren eigenen Strukturen auseinander: So sind zwar die Frauen in den bayerischen Ortsvereinen bei den Ehrenamtlichen ohne Vorstandsfunktion mit 66 Prozent in der Überzahl, die ersten Vorsitzenden aber sind zu 55 Prozent Männer.
Brigitte Protschka vom Bezirksverband Schwaben der Awo argumentiert, dass auch gesamtgesellschaftlich eine bedenkliche Entwicklung im Gange sei und die Quote der Frauen in Führungspositionen eher zurückgehe. Oberbürgermeister Marcus König (CSU), der die Ausstellung gemeinsam mit dem bayerischen Awo-Landesvorsitzenden Thomas Beyer auf dem Hauptmarkt eröffnete, hält mit dem Beispiel Nürnberg dagegen – in der Stadtspitze sei die Zahl der Frauen stark gestiegen.

Awo mit paritätischer Doppelspitze


An der Awo-Landesspitze wiederum will man künftig mit einer paritätisch besetzten Doppelspitze agieren. Beyer, seit 2004 Chef des Wohlfahrtsverbandes im Freistaat, wird nach vier Amtsperioden nicht mehr kandidieren. Wegen der Corona-Krise musste die für September 2020 geplante Landeskonferenz mit Neuwahlen aber ins Jahr 2021 verschoben werden.
Die Ausstellung sollte eigentlich die der Landeskonferenz vorausgehenden Bezirkskonferenzen begleiten, die aber auch nicht stattfinden konnten. Nach ihrer Eröffnung auf dem Hauptmarkt am Freitag ist sie derzeit nur im Internet auf der Seite des Landesverbandes zu sehen: www.awo-bayern.de

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