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Die Straßenbahn frisst den ganzen Verdienst

Unerfreuliche Bilanz: Städtische Werke 1969 erstmals in den roten Zahlen
- 13.08.2020 07:00 Uhr

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Für 1969 steht dem Überschuß von fast 24 Millionen DM, den die kerngesunde Tochter Energie- und Wasserversorgung AG (EWAG) erzielte, ein Verlust von knapp 24,3 Millionen DM der dahinsiechenden Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG) gegenüber.

Werden zu dem Fehlbetrag von 332 000 DM die Aufwendungen der Städtischen Werke (1,3 Millionen DM) dazugeschlagen und von der Summe der Überschuß der Fränkischen Energiegesellschaft (FEG) von über 1,45 Millionen DM abgezogen, bleibt ein Bilanzverlust von 213 000 DM. 1968 hatte an gleicher Stelle noch ein Überschuß von 186 000 DM zu Buch gestanden.

Im Zeichen wirtschaftlichen Aufschwungs hat – wie Generaldirektor Professor Dr.-Ing. habil. Josef Ipfelkofer gestern berichtete – die EWAG mehr Energie denn je an den Abnehmer gebracht. 815,6 Mill. Kilowattstunden Strom, 208,3 Mill. Kubikmeter Gas, 37,6 Mill. Kubikmeter Wasser, dazu 259 832 Giga-Kalorien Fernwärme und 294 755 Tonnen Koks sind Zahlen, die sich sehen lassen können.

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Der Zuwachs lag dabei zum Teil erheblich über dem Ergebnis des Jahres 1968, in dem die EWAG 17,4 Millionen DM – 6,5 Millionen weniger als im vergangenen. Jahr – an die Städtischen Werke abführte. Aber so sehr die Kunden aus der Großstadt und der Umgebung auch Nachtstrom, Heizgas und Fernwärme verbrauchten, so sehr sie auch im Wasser pantschten: mehr als die EWAG-Gewinne stiegen die VAG-Verluste, so daß der Generaldirektor die Lage mit Fug und Recht als besorgniserregend bezeichnete.

Zwar kletterten erstmals nach langen Jahren wieder mehr Fahrgäste in die Straßenbahnen und die Omnibusse. Aber die Zunahme um 6,7 Prozent auf 112,5 Millionen Passagiere half nicht viel, weil der Nettoumsatzerlös nur um 2,9 Prozent (1,3 Millionen DM) wuchs. „Einnahmeausfälle durch die Rentnerfahrkarten“, erklärte Vorstandsmitglied Fritz Vogel diese Erscheinung.

Dazu tunken die Personalausgaben die VAG in die rote Tinte. Trotz der Rationalisierung durch schaffnerlosen und Einmann-Betrieb zahlte die Gesellschaft ihrer auf 2306 Köpfe reduzierten Belegschaft über 59,6 Millionen DM Löhne und Gehälter, Das sind rund 7,7 Millionen DM mehr als der Nettoumsatzerlös von 46,97 Millionen DM.

Was die Investitionen angeht, so steckte die EWAG im vergangenen Jahr 23 Millionen DM in die Stromversorgung. 8,4 Millionen DM gab sie für den Ausbau der Wasserversorgung, 7,1 Millionen DM für die Erzeugung von Fernwärme und die Verteilung sowie weitere 7,7 Millionen DM für die Gasversorgung aus, zu der auch der unterirdische Speicher bei Eschenfelden zählt. 38 Millionen Kubikmeter Gas wurden 1969 über die 56,5 Kilometer lange Leitung in das Reservoir gepreßt

Die Geschäftsaussichten bei der EWAG sind auch künftig günstig. Die Absatzzahlen klettern weiter. „Wir nehmen an, daß auch heuer die erkennbaren Mehraufwendungen aufgefangen werden können, so daß keine Verschlechterung des Ergebnisses befürchtet werden muß“, stellte Dr. Ipfelkofer fest und versicherte, daß sich in diesem Jahr an den Tarifen nichts ändern werde. Allerdings: Wie es 1971 aussieht, kann man heute noch nicht sagen“, ergänzte der Generaldirektor.

NN

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