Ein Blick in das «Gedächtnis« der Stadt

Stadtarchiv-Mitarbeiter Thomas Dütsch (links) zeigt den interessierten Gästen alte Foto-Negative. Die umfangreichen Bestände sind topografisch, also nach den Adressen, geordnet.

Stadtarchiv-Mitarbeiter Thomas Dütsch (links) zeigt den interessierten Gästen alte Foto-Negative. Die umfangreichen Bestände sind topografisch, also nach den Adressen, geordnet. © Karlheinz Daut

Rita Sedlak kam mit ihrer Tochter in die Norishalle, um sich Tipps zur Familienforschung zu holen. Der Vater der Fürtherin stammt aus Danzig, ihr Ehemann aus Brünn in Tschechien - wie kann sie ihren Stammbaum vervollständigen? Rita Sedlak ist mit ihren eigenen Familien-Recherchen immerhin bereits bis ins 18.Jahrhundert gelangt, nun will sie den Rat der Fachleute einholen.

Lothar Knauer sucht dagegen nach historischen Ansichten der Altstadt. «Ich interessiere mich sehr für Stadtgeschichte«, erzählt der Hobbyforscher, der erstmals in den Büros des Stadtarchivs steht. Neben zahllosen Urkunden, einer umfassenden Bibliothek und Wachssiegeln kann man auch Nürnberg im Bild betrachten. Mitarbeiter Thomas Dütsch präsentiert die Ordner und Schübe mit historischen Foto-Negativen im Bild-, Film- und Tonarchiv. An einer Wand hängt die bislang älteste Aufnahme aus dem Jahr 1857: ein Salzpapierabzug der originalen «Adler«-Lok, die später verschrottet worden ist.

Als Erstes weist der Archiv-Beschäftigte auf die beiden wichtigsten Bestände hin: auf die umfangreichen Arbeiten der Fotografen Ferdinand Schmidt und August Friedrich Nagel. Schmidt war der bedeutendste Lichtbildner Nürnbergs im 19.Jahrhundert, er dokumentierte die vielen Facetten und die Entwicklung der Stadt zwischen 1860 bis zu seinem Tod im Jahr 1909. «Schmidts Aufnahmen kann man nicht toppen, das ist höchste Qualität«, staunt Dütsch. 2200 seiner Fotoplatten - meist im Format 24 x 30 Zentimeter besitzt das Stadtarchiv.

August Friedrich Nagel schließt zeitlich an Schmidt an: Er fotografierte ab 1905 bis in die 50er Jahre. Seine Stärke liegt darin, dass er den engen Radius weit um die Altstadt herum ausgedehnt hat. Nagel war mit dem Auto unterwegs und konnte viele Ansichten der Umgebung liefern. Etwa 18000 Fotoplatten lagern in der Norishalle.

Allerdings liegt der Archiv-Schwerpunkt in der Darstellung der engen Gässchen, mächtigen Kirchen und repräsentativen oder auch dürftigen Häuser der Altstadt. Ein großes Problem ist der Erhalt der umfangreichen Bestände. Korrosion macht den bis zu 130 Jahre altenNegativen zu schaffen. Wie kann man der Zerfall aufhalten oder zumindest bremsen? Die Archivare versuchen es mit einer Kältekammer: Dort sind die originalen Fotoplatten bei 13 Grad Temperatur und 48 Prozent Luftfeuchtigkeit einem konstant gleichen Raumklima ausgesetzt. «Wir lagern sie dort für die Ewigkeit«, meint Dütsch.

Interessierte können übrigens die fotografischen Blicke in die Vergangenheit Nürnbergs erwerben: Handabzüge in der Größe 13 x 18 Zentimeter kosten vier Euro, es gibt aber auch noch größere Formate. Die Fotografien sind fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gehalten. Dies galt früher als beständiger.