Neues Zuhause

Exklusiver Blick ins Tafelhof-Palais: So arbeitet die Post

16.6.2021, 05:33 Uhr
Wenn die Zusteller in den Stützpunkt im Tafelhof-Palais kommen, gehen sie zunächst ans Vorverteilfach. Dort finden sie bereits großformatige Briefsendungen, die eine Mitarbeiterin ab sechs Uhr morgens in die jeweiligen Fächer gelegt hat.
 

Wenn die Zusteller in den Stützpunkt im Tafelhof-Palais kommen, gehen sie zunächst ans Vorverteilfach. Dort finden sie bereits großformatige Briefsendungen, die eine Mitarbeiterin ab sechs Uhr morgens in die jeweiligen Fächer gelegt hat.   © Stefan Hippel, NNZ

Viel Platz bleibt den Autofahrern nicht, die ins Parkhaus am Nürnberger Hauptbahnhof fahren wollen. Ein Lastwagen versperrt an diesem hektischen Morgen einen Teil der Zufahrt. Ein Gabelstapler macht sich gerade daran, Steinplatten von der Ladefläche des Lkw zu heben, mit denen die Bauarbeiten fortgesetzt werden sollen. Die Zusteller der Post, die mehr als drei Jahre lang in provisorischen Containern am Bahnhofsvorplatz untergebracht waren, bekommen von solchen Szenen kaum noch etwas mit. Vor wenigen Wochen haben sie endlich ihre neuen Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Tafelhof-Palais beziehen dürfen.

"Am Ende haben wir dem Umzug entgegengefiebert", sagt Standortleiter René Stenzel. Ihm ist anzusehen, wie glücklich er mit seinem neuen Arbeitsplatz ist, der erwartungsgemäß deutlich mehr Komfort bietet. Die Abläufe im neuen Zustellbetrieb, betont er, hätten sich längst eingespielt, auch wenn an der einen oder anderen Stelle noch nachgebessert werden soll, wie der Teamleiter ankündigt.

Die einzelnen Schritte sind genau getaktet: In der Mitte des "Zustellersaals" befindet sich das Vorverteilfach. Bereits um 6 Uhr beginnt die erste Mitarbeiterin damit, dort großformatige Briefsendungen - das sogenannte Langholz - einzuordnen. Wenn später die Zustellerinnen und Zusteller ihre Arbeit aufnehmen, können sie direkt zugreifen. Jeder von ihnen hat einen eigenen Verteilspind, in dem sämtliche Straßen und Hausnummern der entsprechenden Route in einzelne Fächer unterteilt sind. Bevor die Tour beginnt, sortieren die Zusteller dort alle Briefe fein säuberlich ein. Klar, niemand will noch einmal umdrehen müssen, weil vielleicht ein Brief durchgerutscht ist, den man schon drei Straßen vorher hätte einwerfen müssen.

Verschiedene Herausforderungen

Unterwegs werden die Verbundzusteller von Fahrern unterstützt, die ihnen weitere Sendungen an festgelegten Orten hinterlassen. So müssen sie nicht selbst erst wieder zurück in den Stützpunkt. Die elf Zustellbezirke stellen die insgesamt etwa 20 Postboten vor verschiedene Herausforderungen. Während manche Zusteller erst mit der Straßenbahn zu ihrem Startpunkt fahren, ist Stenzel für die Altstadt zuständig. Er kann sich also direkt zu Fuß auf den Weg machen. Da es dort mitunter ganz schön bergauf geht, schiebt Stenzel - wie viele Kollegen - einen bis zu sechs Kilometer pro Stunde schnellen Elektrotrolley vor sich her, auf dem er seine Briefe und Pakete routiniert gestapelt hat.


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"Die Arbeit ist ein hartes Brot", räumt Heiko Kist ein. Der Sachbearbeiter in der Zustellstützpunktleitung weiß genau, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten. Bei Wind und Wetter geht es nach draußen. Gut 1000 Sendungen dürften es heute jeweils sein. Je nach Bezirk sind es aber auch mal 1300 oder 1800 Exemplare. Wie viele der bis zu 31,5 Kilo schweren Pakete die Verbundzusteller zustellen müssen, variiert Tag zu Tag. René Stenzel ist trotz der Strapazen anzumerken, dass er den für ihn richtigen Beruf ergriffen hat. Nach dem aufwändigen Umzug ins Tafelhof-Palais hofft der 47-Jährige, dass der neue Standort viele Jahre bestehen bleibt.

Die Postkunden bekommen den Arbeitsbereich der Zusteller natürlich nicht zu sehen. Vorbei an der Postbank, können sie lediglich ihre Schließfächer aufsuchen. 687 gibt es im Erdgeschoss des Tafelhof-Palais insgesamt. Direkt am Eingang sticht ein Relief ins Auge. Zu sehen ist ein Postreiter und der Schriftzug "Der Bot ist Lob und Ehre wert, der bald bestellt, was man begehrt". Die Zeilen stammen aus einer spätmittelalterlichen Moralsatire namens "Das Narrenschiff". Laut Nikolaus Bencker von der Unteren Denkmalschutzbehörde war der Dichter Sebastian Brant, der von 1457 bis 1521 lebte.


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Den Verzierungen nach zu urteilen dürfte der Postillon etwa um 1900, vielleicht auch etwas früher entstanden sein, wie Bencker erklärt: "Dafür spricht auch die recht 'versteckte' Anbringung in der ehemaligen Durchfahrt in den Innenhof. Möglicherweise stammt er von einem Vorgängerbau." Die Postleute hatten sich wohl schon damals mit dieser sehr schönen Plastik identifiziert, schätzt der Denkmalschützer, "deshalb ist es sehr erfreulich, wenn das Kunstwerk auch im neuen Domizil einen würdigen Platz bekommen hat".

Die Container weichen

Während die Zusteller längst umgezogen sind, bewiesen die Container vor dem Hauptbahnhof eine gewisse Hartnäckigkeit. Sie blieben vorerst unbehelligt stehen. Seit Montag nun laufen die Abbauarbeiten. Am Donnerstag sollen die Boxen dann verschwunden sein, wie André Winkel erklärt. Der Pressesprecher des Servicebetriebs öffentlicher Raum (Sör) weist darauf hin, dass ab dem 25. Juni noch zwei Wochen lang ein Betonfundament entfernt werden muss. Eine Lastenverteilplatte war nötig, damit die schweren Container überhaupt oberhalb des U-Bahn-Bereichs aufgestellt werden konnten.

Wenn schließlich alle Arbeiten erledigt sind, soll hier, wo viele Jahre lang die inzwischen an den westlichen Bereich des Bahnhofsvorplatzes abgewanderten Taxis auf Kundschaft warteten, eine Haltefläche für Kurzzeitparker entstehen. Die Zone, in der Autofahrer Reisende aussteigen lassen oder abholen, wird den schönen Namen "Kiss&Ride" tragen.

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