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Fall 13: Ex-Partner terrorisiert Mutter und Kinder

Familie ist hundert Kilometer weit weg gezogen und braucht Unterstützung - 23.11.2019 14:09 Uhr

Dass der Ex-Partner und Vater den Kindern auflauern könnte, ist für die Mutter ein Alptraum. © Foto: Jörg Lange/dpa


Aber sie sind doch mit Bedacht in ein etwas abgelegenes Dorf gezogen, um Ruhe zu finden – und Schutz vor Bedrohungen und Psychoterror. Deshalb gilt die Adresse von Janine R. (Name geändert) als unbedingt vertraulich. Denn sie fürchtet nichts mehr, als dass eines Tages ihr früherer Partner vor der Tür steht, sie und die Kinder aufs Neue bedrängt – und eine quälende Geschichte noch eine unheimliche Fortsetzung findet.

Gewalt, Drohungen, Bevormundung – die vierfache Mutter hat all das erlitten, bis sie die Reißleine zog und mit dem Beistand von Beratungsdiensten und auch der Polizei die Trennung durchsetzte. "Doch dann ging es mit permanenten Nachstellungen weiter, er lauerte den Kindern auf und versuchte, über sie Druck auf mich auszuüben", erzählt die 37-Jährige. "Ich konnte sie nicht mehr draußen spielen lassen. Am schlimmsten war, dass er sich immer wieder auch auf problematische Weise näherte."

Aufnahme im Frauenhaus

Weil der Ex-Mann (bisher) einer Haftstrafe entging, hatten auch die einschlägigen Hilfsorganisationen keinen anderen Rat für Janine R., als "möglichst weit weg zu gehen". Zermürbt und verzweifelt, lagerte die gelernte Fachverkäuferin eines Tages ihre Möbel ein, packte ein paar Sachen – und fand, ein paar Hundert Kilometer entfernt, Aufnahme im Nürnberger Frauenhaus.

"Den Kindern habe ich damals nur gesagt, dass wir für ein paar Tage wegfahren." Dass es nicht dabei bleiben sollte, ahnten diese spätestens, als sie sich, so gut es ging, zu fünft in einem Zimmer einrichten mussten – und in neue Schulen geschickt wurden. "Alle wollten sofort wieder nach Hause, zu den früheren Freunden, aber das ging natürlich nicht", erzählt die Mutter, "auf dem beengten Raum und ohne die vertrauten Habseligkeiten lagen häufig die Nerven blank. Ich wurde ständig krank und dachte oft, wir schaffen es nicht".

Ex-Freund auf den Fersen

Immerhin gelang es mit Unterstützung der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen (die auch den Kontakt zu "Freude für alle" vermittelten), für die Klientin eine neue Bleibe zu finden – weitab von der Großstadt, wo also auch die Wohnungsnot nicht so drückend ist. Endlich konnte sie auch ihre Möbel holen lassen – das Jobcenter übernahm zum Glück sogar die Transportkosten. Denn die 37-Jährige hat bis heute keinen Führerschein. An ihrem früheren Ort hatte sie alle Wege zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen können, ein Auto konnte sie sich auch nicht leisten.

Nun ist die Nachbarschaft eingeweiht – und warnt, falls beispielsweise ein Auto aus der Herkunftsregion der Mutter auftauchen sollte. Die muss das umso mehr fürchten, als ihr "Ex" über seine Anwälte schon grobe Hinweise erhalten hat: Über die Gerichtspost erfuhr er beim Streit um das Umgangsrecht, welches Jugendamt zuständig ist. Und auf den Ort konnte er schließen, weil die dortige Sachbearbeiterin speziell für eine (Groß-)Gemeinde zuständig ist.

Die Weihnachtsaktion will Janine R. jetzt wenigstens zu einem Führerschein verhelfen. Wegen der spärlichen Busverbindungen ist sie derzeit meist auf freundliche Nachbarn angewiesen, die sie mit den Kindern beispielsweise zum Arzt bringen. Aber erst, wenn sie sich selbst ans Steuer setzen kann, werden auch Unternehmungen wie Schwimmbadbesuche oder Aktivitäten der Kinder im Sportverein möglich.

Die "Freude für alle"-Spendenkonten:

Spk. Nbg.: DE63 7605 0101 0001 1011 11
Spk. Fürth: DE96 7625 0000 0000 2777 72
Spk. Erl.: DE28 7635 0000 0000 0639 99
Postb. Nbg.: DE83 7601 0085 0400 0948 54.

Für zweckgebundene Spenden genügt die Angabe der Fallnummer (keine Namen!). Alle Spendernamen werden veröffentlicht (außer bei dem Vermerk "anonym").

Wolfgang Heilig-Achneck

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