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Fall 15: Töchter glitten ins Drogenmilieu ab

"Habe gebettelt, dass sie nach Hause kommen" - 26.11.2019 08:44 Uhr

Flora M. (Name geändert) musste hilf- und ziemlich machtlos mitansehen, wie zwei ihrer Töchter auf die schiefe Bahn und mit dem Gesetz in Konflikt gerieten: Beide ließen, als sie in der Pubertät in falsche Kreise gerieten, die Schule schleifen, brachen die Ausbildung ab – und wurden vor allem drogenabhängig und, vermutlich unter Zwang, in Prostitution verstrickt.

"Ich bin oft hinter ihnen her gefahren, habe sie überall gesucht, habe gebettelt, dass sie nach Hause kommen, und wollte sie einfach nur schützen", erzählt die inzwischen 60-Jährige. Weder Locken noch Drohen habe geholfen. "Ich habe sie mit Liebe großgezogen, damit sie es besser haben, als es mir einst ergangen ist."

Töchter ignorierten behördliche Termine

Und weil sie stattdessen Polizeieinsätze und Gerichtstermine der Töchter miterleben musste, steigerte sie sich so in Schuldvorwürfe hinein, dass sie über körperliche Leiden hinaus auch seelisch krank wurde. Büßen musste sie ohnehin, gerade auch finanziell. Denn die Töchter ließen oft alles schleifen und liegen und ignorierten besonders behördliche Termine. Erst recht, als sie bereits volljährig waren, aber noch mit der Mutter in einer "Bedarfsgemeinschaft" lebten. Da reagierte das Jobcenter mit empfindlichen Sanktionen, die – auch emotional – die Frau mit Ende 50 härter trafen als die Heranwachsenden.

Da half nur ein harter Schnitt: Die jungen Frauen wurden vor die Tür gesetzt – und die Mutter fand über ihren Vermieter, eine verständnisvolle Genossenschaft, zum Glück eine neue, kleinere Bleibe. Nach hartem Ringen hatte sogar das Jobcenter ein Einsehen und übernahm die Kosten für den Umzug. Für vieles andere muss die geplagte Frau selbst aufkommen und jeden Cent umdrehen. Ihr größter Wunsch: ein Herd – nicht nur fürs Weihnachtsgebäck.

woh

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