Feuergefahr: Fassade an Nürnberger Hochhäusern muss weg

18.10.2018, 05:39 Uhr
An fünf Hochhäusern in Neuselsbrunn muss die Fassadendämmung wegen Brandgefahr entfernt werden. Laut eines Gutachtens befinden sich dort brennbare Materialien.

An fünf Hochhäusern in Neuselsbrunn muss die Fassadendämmung wegen Brandgefahr entfernt werden. Laut eines Gutachtens befinden sich dort brennbare Materialien. © Roland Fengler

Die Bauordnungsbehörde der Stadt Nürnberg hat im Zuge einer Brandschutzbegehung die VIT informiert, dass in der Fassadendämmung der fünf Hochhäuser in Neuselsbrunn unter Umständen brennbare Stoffe sein könnten. Bei den Bauten handelt es sich um die Häuser mit den Nummern 7, 31, 32, 53 und 54, in denen sich insgesamt 390 Wohnungen befinden. Sie sind überwiegend in privater Hand. Seit 2000 verwaltet die Vonovia die Wohnungen. Dem Unternehmen selbst gehören heute lediglich 46 Wohnungen.

Den Hinweisen der Bauordnungsbehörde ist die VIT nachgegangen. "Aus einem ersten Prüfbericht, der von einem unabhängigen Prüfinstitut für Materialprüfung erarbeitet und von einem Prüfsachverständigen bewertet wurde, geht hervor, dass tatsächlich brennbare Materialien verbaut wurden", erläutert Bettina Benner. "Die Materialien wurden im Jahr 1995 im damaligen Auftrag der Deutschbau, einem ehemals bundeseigenen Unternehmen, im Rahmen von energetischen Maßnahmen verbaut", so die VIT-Pressesprecherin.

Unverdächtiges Aussehen

Die Bauordnungbehörde veranlasste, dass bis zum 19. Oktober 2018 ein Brandschutzverhütungskonzept seitens der Wohnungseigentümergemeinschaft vorliegen muss, bis zum 20. Dezember 2018 müssen die Fassadendämmungen der Häuser entfernt sein. Die Sanierungsarbeiten an zwei Häusern mit fünfzehn und drei Häuser mit zwanzig Stockwerken starten bereits am Montag, dem 22. Oktober. Der Baurefernt der Stadt Nürnberg, Daniel Ulrich, lobte das schnelle Vorgehen von der Vonovia. Die Firma hat den Handlungsbedarf "sofort erkannt". Auch wenn die Fassadendämmung von außen unverdächtigt aussieht: "Sie muss weg", sagt Ulrich.

Es sei schon immer verboten gewesen, an den Hochhäusern Dämmungen aus brennbaren Materialien anzubringen. Aber "in der Hochzeit der Deregulierung in den 1990ern", wie der Baureferent es nennt, haben einige diese gesetzliche Regelung nicht ernst genommen. In Nürnberg gibt es insgesamt 110 Hochhäuser. Die Bauordnungsbehörde hat zuerst vor geraumer Zeit die Verantwortlichen bei den Hochhäusern gebeten, die Fassaden auf Brandschutz zu überprüfen. Doch nur auf Freiwilligkeit will das Baureferat inzwischen nicht mehr setzen: Die Verantwortlichen müssen der Behörde ein Gutachten vorlegen, ob von den Fassadendämmungen der Häuser eine Brandgefahr ausgeht oder nicht. Und gegebenenfalls handeln, wie es gerade im Fall von Neuselsbrunn ist.

Mitarbeiter vor Ort

Der abschließende Bericht, wie gefährlich die Fassaden bei den betroffenen fünf Häusern tatsächlich sind, werde am Freitag erwartet, berichtet Ulrich. In den Häusern wurden teilweise unterschiedliche Materialien verbaut. Danach wird entschieden, welche Maßnahmen an welchen Häusern zuerst unternommen werden, erläutert Ulrich. "Die Sicherheit der Bewohner wird schnell gegeben sein", so der Baureferent.

Schon jetzt hat die Vonovia die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, betont Bettina Benner: "Die Gesundheit unserer Mieterinnen und Mieter sowie die Gesundheit der Bewohner in den von uns verwalteten Wohnungen, hat für uns oberste Priorität. Wir haben sofort alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen und einen Sicherheitsdienst eingerichtet, der mit zwei Mitarbeitern rund um die Uhr vor Ort ist. Außerdem werden durch eine Fachfirma Rauchwarnmelder in allen Allgemeinbereichen angebracht. "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind jederzeit für die Bewohner und auch Sicherheitskräfte ansprechbar", stellt Benner klar.

Wenig Dämmung, mehr heizen

Bis Ende Dezember sollen die Vorsichtsmaßnahmen in Neuselsbrunn abgeschlossen sein. "Sobald die Fassadendämmungen weg sind, sind wir zufrieden", sagt Ulrich. Die Bewohner müssten dann mehr für die Heizung zahlen, aber ohne Dämmung halte das Haus schon aus, sagt Ulrich. Der Brandschutz hat eine höhere Priorität. Zu der Angelegenheit in Neuselsbrunn wollte sich die Berufsfeuerwehr der Stadt Nürnberg gegenüber der Nürnberger Zeitung nicht äußern, weil der Fall der Bauordnungsbehörde obliegt. Nur so viel: "Wir sind beratend tätig", so der Feuerwehr-Pressesprecher Thomas Schertel. Grundsätzlich nimmt die Feuerwehr neben der betrieblichen Feuerschau auch die Feuerschau bei Hochhäusern in Nürnberg vor.

Diese Untersuchungen sind jedoch rein organisatorischer Natur, erläutert Schertel. Fällt den Feuerwehr-Experten jedoch etwas auf, melden sie es an die Behörde weiter, die für den baulichen Brandschutz verantwortlich ist.

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