Donnerstag, 29.10.2020

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Gemeinde in Nürnberg baut Sozialwohnungen über Pfarrsaal

St. Karl Borromäus möchte ein Zeichen setzen - 18.10.2020 16:37 Uhr

Die Baustelle ist fast fertig, nur mehr Restarbeiten stehen an: Die katholische Kirchengemeinde St. Karl Borromäus in Mögeldorf hat ein neues Pfarrzentrum im Erdgeschoss, darüber sind 14 Sozialwohnungen entstanden.

© Stefan Hippel/NNZ


Bambergs Erzbischof Ludwig Schick gab dem fünf Millionen Euro teuren Projekt nach einem feierlichen Gottesdienst seinen Segen. "Wir leben in einer Krisenzeit der Gesellschaft und auch der Kirche", sagte der Oberhirte und ermunterte die Gläubigen, "engagiert euch für das Gemeinwohl in eurer Stadt, im Land und auf der ganzen Welt."

"Mit den günstigen Wohnungen für sozial Schwächere wollten wir als Gemeinde ein Zeichen setzen", bekräftigt Josef Weber, Architekt und Mitglied der Kirchenverwaltung. Schließlich empfinden es die Katholiken im Nürnberger Osten nicht nur als Verpflichtung, das Evangelium von der Nächstenliebe zu hören, sondern auch etwas dafür zu tun.

Erzbischof Ludwig Schick (im grünen Ornat) segnet den Neubau des Mögeldorfer Pfarrzentrums: Es soll ein Mittelpunkt für die Gemeinde werden. Besonders gut findet der Geistliche, dass mit dem Neubau der Wohnungen zugleich an die Schwächeren der Gesellschaft gedacht wurde.

© Stefan Hippel/NNZ


Entstanden sind in dem Neubau an der Ostendstraße Apartments für Alleinstehende, für Familien mit und ohne Kinder - die Mischung aus Jung und Alt soll stimmen. Einzugstermin ist am 1. Januar 2021. Angesichts der starken Nachfrage hätte die Gemeinde gern noch mehr Wohnungen errichtet. Statt des vierstöckigen Gebäudes wäre noch eine fünfte Etage mit drei Wohnungen denkbar gewesen.

Stadt verhindert weitere Wohnungen

Doch die Stadt trat auf die Bremse: Nach dem Bebauungsplan sind nur vier Geschosse zugelassen. Für Architekt Weber ist das Argument der Höhe der Nachbarbebauung aber nicht stichhaltig: Die angrenzende Thusneldaschule ist deutlich höher und auch das Haus direkt gegenüber an der Ostendstraße ist größer. "Aber so bleibt noch etwas für die nächste Generation zu tun", meint der 51-Jährige.

Der Neubau entspricht den aktuellen ökologischen Anforderungen: Dreifach verglaste Fenster und eine massive Dämmung sorgen für einen niedrigeren Energieverbrauch. Grünflächen auf dem Dach können das Regenwasser speichern, etwas fürs Kleinklima tun und zugleich Feinstaub aus der Luft binden.

Ein besonderer Hingucker

Einen besonderen Hingucker hat der neue Pfarrsaal im Erdgeschoss: Die Signalfarben Orange und Rot lenken die Blicke der Passanten auf große Glasscheiben, die von nebeligem Weiß eingefasst sind. Die Münchner Künstlerin Sabine Straub hat sich von der Farbgebung in der Kirche inspirieren lassen. Dort tauchen nämlich Rot und Orange an den Wandmalereien auf. In der orange-roten Fensterfläche ist ein großes, weißes Kreuz zu erkennen - als klarer Hinweis auf eine christliche Gemeinde. Neben dem Saal gibt es weitere Räume für die verschiedenen Gruppen der Pfarrgemeinde und vor allem für die Jugend.

Übrigens: Die Katholiken packen schon zu Jahresbeginn 2021 das nächste Bauvorhaben an. Der alte Pfarrsaal wird abgerissen, bis 2023 sollen auf dem Grundstück dann sieben weitere Sozialwohnungen errichtet werden. Ebenfalls ein Beitrag, um der Wohnungsnot in Nürnberg entgegenzutreten - wie auch das im Bau befindliche "Seetor-Projekt" in unmittelbarer Nähe am Ring.

Das zweite Vorhaben der Gemeinde St. Karl beziffert die Kirchenverwaltung mit drei Millionen Euro. Einen bescheidenen Wunsch äußert Architekt Weber noch: "Es wäre schön, wenn die Straßenbahn-Haltestelle direkt vor unserer Haustür nicht nur Lechnerstraße heißen würde, sondern Lechnerstraße/St. Karl."

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