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Großprojekt im Tiergarten soll Klimawandel verdeutlichen

Asiatische Pflanzen und Tiere werden in der Mittelspange angesiedelt - 07.12.2019 05:52 Uhr

Die neue Zone im Tiergarten soll asiatische Tiere und Pflanzen in den Reichswald eingliedern. © dpa


Der Klimawandel wird den Wald verändern. Einen Vorgeschmack darauf, wie er in einigen Jahrzehnten aussehen wird, gibt das Tiergarten-Projekt, das derzeit unter dem Arbeitstitel "Zeit zeigen – zwischen dem Reichswald von morgen und Tieren von gestern" geplant wird. "Wir werden in der Mittelspange des Tiergartens zunächst Pflanzenarten aus Asien anpflanzen", erklärt Dag Encke.

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Bei seiner Eröffnung 1912 lag das Tiergarten-Areal noch in der Nähe des Dutzendteichs. 883 Tiere 193 verschiedener Arten beherbergte der Tiergarten damals - heute sind es über 3000 Tiere fast 300 unterschiedlicher Arten. Hier gibt's die schönsten Bilder aus über 100 Jahren Zoo-Geschichte!


"Sie werden sich zwischen die Bäume des Reichswaldes einfügen. Es wird ein skurriler Anblick sein", so Encke. Das ist durchaus gewollt. "Wir werden uns daran gewöhnen müssen." Die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, werde es in Zukunft erforderlich machen, mit anderen Sorten zu experimentieren, da unsere bisher heimischen Pflanzen und Bäume unter den klimatischen Veränderungen leiden. Der Tiergarten will den Reichswald auf etwa zwei Hektar verfremden, um die mit dem Klimawandel verbundenen Veränderungen begreifbar zu machen.

Invasivarten sollen vermieden werden

In das Projekt maßgeblich mit eingebunden ist auch Jörg Beckmann, der seit September dieses Jahres stellvertretender zoologischer Leiter sowie Kurator für Botanik und Landschaftsgestaltung im Tiergarten ist. Er sei derzeit schon dabei, zum Beispiel passende Rhododendren für die Mittelspange – also ungefähr der Bereich zwischen Nashorn-Gehege und Delfinarium – zu suchen.

Die Hamamelis blüht bereits im Januar und soll damit die Flora des neuen Abschnitts bereichern. © F.: Giulia Iannicelli


"Eine Leitpflanze wird die Paulownie sein. Sie ist auch als Blauglockenbaum bekannt", sagt Encke. Das Besondere an dieser Pflanze ist, dass sie zuerst kräftig blüht und erst nach dem Verblühen die Laubblätter hervorbringt. Gleiches gilt für Magnolien, auch sie sollen im Tiergarten angesiedelt werden. Hinzu kommen Azaleen oder die Zaubernuss (Hamamelis), die schon im Januar blüht.

Man werde exotische Pflanzen auswählen, die hier wachsen können. Allerdings werden die Projektverantwortlichen darauf achten, dass man keine Invasivarten aussucht, die sich unkontrolliert ausbreiten und ganze Pflanzengesellschaften in deren Lebensraum verdrängen – ein Phänomen, das man zum Beispiel seit einigen Jahren beim Indischen Springkraut beobachten kann.

Erst nach dem Verblühen bringt die Paulownie Laubblätter zum Vorschein. © F.: Giulia Iannicelli


Das Projekt ist langfristig auf ein paar Jahre angelegt, eine Kostenschätzung gibt es noch nicht. Wenn die
ersten Pflanzen angesät oder angepflanzt sind, sollen Tiere aus dem asiatischen Raum folgen, die vom Aussterben bedroht sind. "Wir hoffen, unter anderem noch mehr Kropfgazellen für dieses Gebiet zu bekommen. Die sind inzwischen aber sehr selten", so Encke. Die Schabrackentapire sowie die Hirscheber sollen ebenso in der Mittelspange leben wie die Takine, die schon jetzt dort sind. Außerdem wünscht sich Encke Tiefland-Anoas, eine Rinderart.

Das Ganze ist ein Zusammenspiel aus asiatischen Pflanzen und Tieren. "Denn kein Tier kann ohne die seinem Lebensraum entsprechende Vegetation leben."

Claudia Urbasek

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