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Horch amol: Den toxischen Geist verjagen

Architekt Thomas Glöckner und seine Überlegungen zum Reichsparteitagsgelände - 09.12.2020 15:57 Uhr

Glöckner³ Architekten haben einen Vorschlag für den Umgang der Tribüne: Sie wollen sie mit einem Glaskubus überbauen.

23.10.2020 © Foto: Glöckner³ Architekten GmbH


Der Inhaber des renommierten Architekturbüros Glöckner3 ist mit seinen Wettbewerbsentwürfen schon gut in der Welt herumgekommen. Beispielsweise beim Bau des Nationalen Hallenstadions in Peking, das für die Olympischen Spiele 2008 errichtet wurde und sich sein Büro gegen 800 Mitbewerber durchsetzen konnte. Auch der Neubau des Zentralstadions in Leipzig gehört zu den herausragenden Bauten seiner Karriere.

Horch amol: Den toxischen Geist verjagen

Die Auseinandersetzung mit dem Reichsparteitagsgelände hat bei Glöckner spätestens mit seiner planerischen Tätigkeit beim Bau Arena Nürnberger Versicherung begonnen. Die "Nachbarschaft" der Multifunktionshalle war für ihn "elementar". Nicht zuletzt, weil die Diskussionen schon damals sehr kontrovers geführt wurden. "Es ist ja kein einfacher Ort, um dort zu bauen", macht der Architekt im Podcast deutlich. Er findet es bedauerlich, dass nach der Umsetzung des Entwurfs von Günther Domenig für das Dokuzentrum vor 20 Jahren keine Weiterentwicklung des Konzepts für das gesamte Gelände stattgefunden hat.

Darin sieht Glöckner auch ein Manko in der Bewerbung für die Kulturhauptstadt. "Ich habe das Bid Book sehr genau durchgelesen und mein erstes Gefühl, das mich nach der Lektüre beschlichen hat, war, das wird nichts." Den Zuschlag nicht zu erhalten, findet er nicht als weiter tragisch. "Einen Wettbewerb nicht zu gewinnen, ist für uns Architekten normal", gibt er unumwunden zu. Was ihm gefehlt hat, ist die "Einbindung der europäischen Dimension". Weil ihm das zu unkonkret erschien, habe er sich hingesetzt und den "pragmatischen Imperativ" formuliert. Dabei geht es unter anderem um die Nutzung der Kongresshalle, die er gerne mit Kulturangeboten aus europäischen Gastländern gefüllt sehen würde. "So könnte man den toxischen Geist tatsächlich verjagen", ist sich Glöckner sicher.

"Wir haben dem Gelände etwas entgegenzusetzen"

Sein anderer Vorschlag, die Zeppelintribüne mit einem gläsernen Überbau zu versehen, soll das monströse Bauwerk in seiner Dimension relativieren. "Wir sind Demokraten, wir sind stark und wir haben dem Gelände etwas entgegenzusetzen." Diese Botschaft möchte Thomas Glöckner mit dem Entwurf zum Ausdruck bringen. "Ich stamme aus einer Generation, bei der das Thema weitgehend ausgeblendet war", ergänzt er und verweist auf das Norisringrennen, das für viele Kinder der erste Berührungspunkt zu dem geschichtsträchtigen Gelände war. Mit Blick auf seine und die heutige Jugend hält er an dieser Stelle ein "Institut für politische Bildung" an dieser Stelle für wichtiger denn je. "Mehr politische Bildung und mehr politisches Verständnis, das brauchen wir doch dringender denn je in Deutschland", so Glöckners Überzeugung.

Bleibt noch das Thema Stadtentwicklung, bei dem sich Thomas Glöckner eine "bessere Ausnutzung des Baugrunds" wünscht. Vertikale Gärten, Energieeffizienz, grüne Innenräume sind nur einige Schlagworte, die ihm einfallen, um für Häuser mit deutlich mehr Stockwerken zu plädieren, als dies heute der Fall ist. "Man muss nur nach Asien schauen, um zu sehen, wie kreativ die internationalen Architekten dort sind," wirft er einen Blick weit über den Tellerrand. Etwas "ausprobieren" gehört in der Welt der Architekten dazu. Und auch die ein oder andere steile These. Sei es beim Reichsparteitagsgelände oder wenn Thomas Glöckner sagt: "Eine autogerechte Stadt war lange Zeit ein Thema, das wir jetzt abschließen müssen. Innerhalb des Altstadtrings hat das Auto einfach keine Berechtigung mehr." Doch hören Sie selbst ...


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