Gesundheitsamt in der Kritik

Horch amol: Referentin beklagt jahrzehntelange Versäumnisse

7.7.2021, 17:24 Uhr

Eigentlich ist Britta Walthelm in der Umweltpolitik zu Hause. Dieses Feld beackerte sie schon als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Nürnberger Stadtrat in der vergangenen Legislaturperiode. Seit 1. Mai 2020 ist die Politikwissenschaftlerin Referentin für Umwelt und Gesundheit - und letzterer Bereich bestimmte bislang ihre Amtszeit.

"Wir waren im Gesundheitsamt nicht auf die Pandemie vorbereitet", gibt die 40-Jährige unumwunden zu. So sei es aber vielen Gesundheitsämtern in der ganzen Republik gegangen, diese Einordnung ist Walthelm wichtig. "Hier müssen jahrzehntelange Versäumnisse aufgearbeitet werden", so ihre Feststellung. Allerdings sei ihre Pressemitteilung mit dem Verweis auf die Probleme auch in anderen Städten und Landkreisen ein Fehler gewesen. "So etwas werde ich nie und nimmer nochmals machen", sagt Walthelm. Eine persönliche Entschuldigung bei den betroffenen Bürgermeistern und Landräten sei unverzüglich erfolgt, aber auch hier sei es ihr um eine "Einordnung" gegangen, wenngleich es verkehrt gewesen war, "mit dem Finger auf andere zu zeigen".

Die Kritik an ihren Aussagen hat letztlich sogar OB Marcus König auf den Plan treten lassen. Walthelm ficht das nicht an. "Wir haben gesehen, dass die Gesamtstruktur im Gesundheitsamt nicht passt", so die Referentin und darauf mit einer Umstrukturierung reagiert. Dass es nun eine Doppelspitze gibt, sei nicht zuletzt den geänderten Arbeitsweisen geschuldet. Inmitten der Pandemie wurde von "einer Manufaktur auf Fließbandbetrieb" umgestellt, macht Walthelm deutlich. Beim Thema Digitalisierung zeigt sie sich glücklich darüber, dass nun endlich die vom Helmholtz-Zentrum schon 2014 entwickelte Software "SORMAS" - mit deren Hilfe Maßnahmen zur Epidemiebekämpfung gemanagt werden können - in Nürnberg zum Einsatz kommt. Der Probebetrieb läuft seit einer Woche, Walthelm geht davon aus, dass man im Falle von im Herbst steigenden Corona-Zahlen, "besser vorbereitet ist".

Den Vorwurf, dass es in Nürnberg zu lange gedauert habe, bis die Corona-Zahlen aus den einzelnen Stadtteilen veröffentlicht wurden, will die Referentin so nicht stehen lassen. Ihr Wunsch ist auch hier die "richtige Einordnung". Zu Beginn waren die meisten Erkrankungen in Pflegeheimen zu verzeichnen, weshalb der die Zahlen nicht die Situation in einem bestimmten Stadtvierteln widergespiegelt hätten. Nachdem sich das Infektionsgeschehen verlagert habe, sind die Daten aus den einzelnen Stadtteilen nun "wichtiger geworden". Aufklärungsarbeit und verstärkte Impfangebote in Bereichen mit höheren Infektionszahlen seien dort am Laufen. Und Britta Walthelm zieht einen Vergleich zur derzeit laufenden Tour de France: "Wir waren nicht unter den Top-Fahrern, aber im Verfolger-Feld".

Die Nase vorn haben, will der OB und die Stadtverwaltung aber bei der Landesgartenschau 2030. "Ganz am Anfang war auch ich skeptisch", sagt Walthelm. Wenn man jedoch den Burggraben als "Nucleus" sieht, der auf die Stadtteilplätze als "Satelliten" ausstrahlt, dann würde dies das Grün in der Stadt voranbringen und entspräche damit ganz ihrer Vorstellung von einer Politik, die Klimaschutz erst nimmt.

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