In Gedenken an Bombennacht: Führungen durch Bunker

29.12.2017, 05:57 Uhr
Horst Arnold, Erster Vorsitzender des Fördervereins Nürnberger Felsengänge e.V., bei der Führung durch den Bunker unter dem Hauptbahnhof.

Horst Arnold, Erster Vorsitzender des Fördervereins Nürnberger Felsengänge e.V., bei der Führung durch den Bunker unter dem Hauptbahnhof. © Roland Fengler

Um den Jahreswechsel 1944/45 hatte der Winter mit Schnee und Kälte die Stadt fest im Griff. Alles lag im Dunkeln, der Himmel aber war sternenklar. Jäh wurden die noch in der Stadt Verbliebenen am 2. Januar am frühen Abend von einem Luftalarm in die Schutzräume gerufen. Die Bürger waren damit durchaus vertraut und suchten Zuflucht entweder in den privaten Kellern oder in den vielen öffentlichen Hoch- und Tiefbunkern sowie den Felsenkellern. Ein Bunker im Hauptbahnhof bot rund 300 Personen Platz.

An jenem Abend wurde die Stadt so massiv von alliierten Fliegerverbänden angegriffen wie nie zuvor. Binnen einer Stunde starben etwa 1800 Menschen. Feuerwehrkräfte, die aus ganz Nordbayern herbeibeordert wurden, kämpften noch eine Woche später gegen die letzten Flammen. Der Förderverein erinnert unter anderem mit Fotos und Filmen, die bei den Führungen gezeigt werden, an diese furchtbaren Geschehnisse.

Umrüstung für Kalten Krieg

Allerdings ist der Hauptbahnhofbunker nicht mehr jener aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Zuge des U-Bahn-Baus wurde der überkommene Schutzbau Mitte der 1970er-Jahre durch eine neue, vergleichsweise großzügig bemessene Konstruktion ersetzt: Mitten im Kalten Krieg sollte es auch darum gehen, für einen möglichen Atomschlag gerüstet zu sein: Der Bahnhofsbunker war für knapp 2450 Personen ausgelegt, die dort im Notfall 14 ausharren können sollten.

Genau so lange reichte der Treibstoffvorrat für das Dieselaggregat zur Stromversorgung und damit auch zum Betrieb von Lüftung und Wasserpumpen. "Dass die Strahlendosis auch nach zwei Wochen noch tödlich wäre und ein Leben außerhalb des Bunkers kaum möglich, wurde mehr oder weniger verdrängt", meint Ralf Arnold, der Vorsitzende des Fördervereins. Und das Fassungsvermögen aller verfügbaren Bunker zusammen reichte nicht mal für vier Prozent der Bevölkerung.

Offiziell wurden sämtliche Zivilschutzbunker schon vor Jahren aufgegeben und geräumt. Nur im Hauptbahnhofbunker ist der größte Teil der Einrichtung und Ausstattung noch erhalten geblieben: Von den Liegen über die spartanischen Sanitärräume bis zum Büro des Bunkerwarts ist all das bei den ausgedehnten Rundgängen durch Nürnbergs größte Luftschutzanlage zu besichtigen. Auch die Lüftung ist noch in Betrieb, weil über die Anlage auch die angrenzende Bahnhofsmission versorgt wird.

Eine Gegenüberstellung des Luftschutzes im Zweiten Weltkrieg und des Zivilschutzes in der Zeit des Kalten Krieges informiert über Gemeinsamkeiten und Gegensätze.

Vom 2. bis 7. Januar starten die Führungen täglich ab 10 Uhr im 30-Minuten-Takt, die letzte Führung beginnt dann jeweils um 17 Uhr. Vom 12. bis 14. Januar finden ebenfalls alle 30 Minuten Führungen von 10 bis 17 Uhr statt. Bei großer Nachfrage können zusätzliche Führungen eingeschoben werden.

Tickets zum Einheitspreis von sieben Euro (keine Ermäßigungen) sind im Vorverkauf in den beiden Tourist-Informationen im Glasbau am Königstor und am Hauptmarkt sowie im Museumsladen gegenüber vom Albrecht-Dürer-Haus (Albrecht-Dürer-Straße 30) erhältlich, außerdem Online unter felsengaenge-nuernberg.de. Verfügbare Plätze werden während der Führungszeiten aber auch an einer Kasse am Bunkereingang gleich neben dem Aufgang von der Passage in die Bahnhofshalle vergeben.

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