Klinikum Nürnberg hilft Flüchtlingen an der Deutschherrnwiese

10.9.2014, 06:00 Uhr
Zutritt verboten: Das gilt wenigstens für Brigitte Spachmüller, Adriane Yiannouris, Roland Zeh und Christoph Wittmann (von links) nicht, die den Flüchtlingen unbürokratisch helfen.

Zutritt verboten: Das gilt wenigstens für Brigitte Spachmüller, Adriane Yiannouris, Roland Zeh und Christoph Wittmann (von links) nicht, die den Flüchtlingen unbürokratisch helfen. © Michael Matejka

Wittmann sagte gestern bei einer Pressekonferenz vor dem Gelände, dass er von den Problemen gehört habe, die es bei der medizinischen Versorgung der Asylbewerber gebe. Gesundheitsamtschef Fred-Jürgen Beier hatte die Schwierigkeiten vergangene Woche deutlich benannt. Wittmann kontaktierte daher die für das Flüchtlingslager zuständige Regierung von Mittelfranken und begann ab Mitte vergangener Woche, ein Team aufzubauen, das sich bereiterklärt zu helfen. Über das Intranet des Klinikums und einen Facebook-Aufruf kamen tatsächlich 30 bis 50 Personen zusammen, die etwas für die Asylbewerber tun wollen. Seit Samstag sind Wittmann und seine Mitstreiter vor Ort, Medikamente bekommen sie von der Kugel-Apotheke in der Innenstadt geliefert.

Bisher, so Dr. Brigitte Spachmüller, seien keine schweren Erkrankungen vorgekommen. „Wir haben es mit Atemwegserkrankungen und Infektionen zu tun. Dann sind Frauen aus der Ukraine da, die unter Angststörungen leiden.“ Ein großes Problem seien Hautkrankheiten. Diese wären medizinisch leicht in den Griff zu bekommen, gäbe es nicht die schwierigen Rahmenbedingungen: „Es gibt hier keine Waschmaschinen, die Leute waschen ihre Wäsche unter der Dusche“, sagte Spachmüller. Zudem gebe es keine Möglichkeit, die Matratzen zu reinigen, ergänzte Wittmann. Unter diesen mangelhaften hygienischen Zuständen sei es kompliziert, gegen die Hauterkrankungen vorzugehen. Roland Zeh, Krankenpfleger in der Notaufnahme des Klinikums, beklagte zudem die nach wie vor fehlende psychosoziale Betreuung der Flüchtlinge. Nur zwei Sicherheitsleute, die sich in Schichten abwechselten, seien für die Flüchtlinge da.

Großes Problem: Verständigung

Krankenschwester Adriane Yannouris sagte, dass das größte Problem bei der ärztlichen Arbeit mit den Flüchtlingen die Verständigung sei. Viele sprächen kein Englisch. „Eine Frau zeigte immer auf ihren Bauch. Wir dachten zunächst, sie hätte eine Blasenentzündung. Am Ende waren es Nierensteine.“ Klinikums-Pressesprecher Peter Petrich kündigte an, dass man versuchen werde, über das Bildungszentrum weitere Dolmetscher zu gewinnen.

Aber es helfe freilich nicht, lauter Arabisch-Dolmetscher zu engagieren, wenn am Ende Menschen aus der Ukraine auf dem Zeltplatz stehen, sagte Wittmann. Der Chirurg zeigte sich diplomatisch, aber es klang doch durch, dass die defensive Informationspolitik der Regierung von Mittelfranken auch dem Ärzteteam zu schaffen macht. Es hapere an Auskünften, wie es mit dem Zeltlager weitergeht, ob noch weitere Flüchtlinge kommen und – wenn ja – aus welchen Ländern.

Nur noch 80 Flüchtlinge auf dem Platz

Am Dienstag durfte die Presse das Gelände abermals nicht betreten, Wittmann und seine Kollegen empfingen die Medien nicht in ihrem Versorgungszelt, sondern außerhalb des Sportparks. Auf dem stehen inzwischen drei Zelte, in denen Asylbewerber untergebracht werden können. Laut Wittmann befinden sich derzeit aber nur noch 80 Menschen auf dem Platz, vergangene Woche waren es noch 235. Zuletzt wurden mobile Duschen geliefert, berichtete Wittmann. Die Regierung hat der NZ schriftlich mitgeteilt, dass sie nach weiteren festen Unterkünften Ausschau halte, ein Abbau des Zeltlagers komme aber „derzeit nicht in Betracht“.

Spachmüller, die sich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit befindet, Wittmann und die anderen Teammitglieder helfen den Flüchtlingen ehrenamtlich. Schwierigere Fälle verweisen sie an benachbarte Arztpraxen, die das Gesundheitsamt für die Mitarbeit gewinnen konnte.

Was die Lebensbedingungen in den Zelten angehe, so hält Wittmann insbesondere die Abende für schwierig. „Wenn es dunkel wird, dann ist das schon trist hier.“ Falls nur einige Leute schnarchten, „kann man sich den Geräuschpegel in dem großen Zelt lebhaft vorstellen“. Immerhin sei für die Kinder Spielzeug vorhanden.

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