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Kritik an N-Ergie wegen neuer Fischtreppe in Hammer

Naturschutzbeirat nicht gefragt — Stadt fordert Überprüfung - 09.10.2013 08:14 Uhr

Am Rand des Wasserkraftwerks der N-Ergie bei Hammer wird eine Fischtreppe gebaut. Experten monieren mehrere Mängel. © Prill


Als „eine Billiglösung auf Kosten der Natur“ bezeichnet der Bund Naturschutz (BN) die Baumaßnahme am Wasserkraftwerk in Hammer. Die Fischtreppe soll Fischen helfen, die Staustufe des Wehrs flussaufwärts zu passieren. Ende September hat die N-Ergie mit den Bauarbeiten begonnen. Entstehen soll bis Ende 2013 eine rund 77 Meter lange Rinne mit 22 übereinanderliegenden Becken, über die ein Höhenunterschied von knapp drei Metern bewältigt wird.

Was die N-Ergie in einer Pressemitteilung als „ökologischen Beitrag für die Durchgängigkeit der Pegnitz“ bezeichnet, ist für den Bund Naturschutz eine „ökologisch unbrauchbare Variante“, die den Fischen eher schaden als nutzen würde. Hauptkritikpunkt des BN ist, dass nur eine Aufstiegs- und keine Abstiegshilfe geplant sei. Fische könnten so flussabwärts nur durch die rotierenden Turbinen gelangen.

Zudem sei die Anlage so positioniert, dass Fische sie nicht finden und somit auch nicht nutzen würden. „Das ist eher ein Hindernisparcours als eine Aufstiegshilfe“, bewertet Wolfgang Dötsch, Biologe beim BN, die Situation. Zudem bemängeln die Naturschützer, dass in die Aufstiegshilfe zu wenig Wasser eingeleitet wird.

Ablehnendes Gutachten

Auch Thomas Vordermeier, Fachberater für Fischerei Mittelfranken, der für das Umweltamt ein Gutachten zu der geplanten Fischtreppe erstellt hat, lehnte den Bau ab. Er sagt:. „Ich habe mich klipp und klar dagegen geäußert. So, wie die Treppe geplant ist, kann sie nicht funktionieren.“ Der Fachberater ist ebenfalls der Meinung, dass die Treppe an der falschen Stelle gebaut wird und Fische wie Barbe oder Nase, die lange Strecken zum Wandern benötigen, diese nicht finden werden.

Er spricht von „groben Fehlern“ bei der Planung. Wie der BN bemängelt Vordermeier die unzureichende Wasserzufuhr für die Aufstiegshilfe. Als Grund dafür vermuten beide einen kommerziellen Aspekt: Jeder Liter, der in die Fischhilfe fließt, fehle bei der Stromerzeugung. Seltsam mutet Vordermeier und dem BN an, dass der Nürnberger Naturschutzbeirat nicht offiziell beteiligt wurde. Das Gremium aus ehrenamtlichen Fachleuten aus den Bereichen Naturschutz, Biologie, Geologie, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft berät die Untere Naturschutzbehörde und bewertet Bauvorhaben und Projekte von grundsätzlicher Bedeutung für den Naturhaushalt.

Für die Anlage in Hammer wurde allerdings ohne Anhörung des Naturschutzbeirates eine Genehmigung zum vorzeitigen Bau erteilt. Laut Klaus Köppel, Leiter des Umweltamtes, habe dies lediglich mit dem Umstand zu tun, dass der Antrag der N-Ergie wegen der Urlaubszeit im Sommer nicht im Naturschutzbeirat behandelt werden konnte. Dies soll aber bei der nächsten Sitzung am 15.Oktober geschehen. Köppel betont: „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, eine abschließende Genehmigung wurde noch nicht erteilt.“

Entscheidend für das Plazet zum vorzeitigen Baubeginn sei der Umstand, dass das Vorhaben „das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtig“ und der Bau einer Fischtreppe generell eine Maßnahme sei, die in die richtige Richtung gehe, erklärt Köppel. Jetzt seien Detailfragen zu klären, wie die bemängelte unzureichende Wassermenge im Umlaufgerinne. Köppel: „Dies werden wir die N-Ergie zu prüfen bitten.“

Die N-Ergie sieht den Bau der Fischtreppe trotz aller Kritik als ökologische Verbesserung. Auf Anfrage des Stadtanzeigers heißt es in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen: „In dem uns vorliegenden Bescheid der Stadt Nürnberg wird bestätigt, dass die Anlage in jedem Fall eine Verbesserung zum Status quo darstelle und zu deutlich positiven Auswirkungen auf die Fischfauna führe.“

Die Stellungnahme des Fachbeirats für Fischerei würde dies nicht widerlegen. Auch wehrt man sich gegen den Vorwurf, die Anlage würde jetzt gebaut werden, weil eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bezüglich der Vergütung von Strom aus Wasserkraft ansteht. N-Ergie Pressesprecherin Melanie Söllch: „Es stimmt, dass es bis 2014 eine Frist für erhöhte EEG-Vergütungen gibt. Das ist für uns als wirtschaftlich denkendes Unternehmen durchaus ein Aspekt und nichts Verwerfliches. Es ist aber gar nicht sicher, dass wir diese Förderung bekommen, von daher war die Entscheidung, die Fischtreppe zu errichten nicht allein durch das EEG bestimmt.“

"Lösungen sind begrenzt"

Söllch signalisiert gleichzeitig Gesprächsbereitschaft der N-Ergie bezüglich Verbesserungsvorschlägen bei der Umsetzung. Man sei bereit, Anregungen zu prüfen. Gleichzeitig betont die Pressesprecherin aber, dass die Möglichkeiten für alternative Lösungen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten begrenzt seien.

Auf den Tisch kommen wird das Thema voraussichtlich bereits auf der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am 9.Oktober. Grünen-Stadträtin Christine Seer hat nach der massiven Kritik des BN einen Bericht zur Klärung des Genehmigungsverfahrens beantragt. Außerdem wollen die Grünen wissen, welche Nachbesserungen an der Fischtreppe möglich sind. 

MANUELA PRILL E-Mail

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