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Kritik unerwünscht: Bischöfe stoppen Fastenpredigtreihe

Stadtkirche Nürnberg sagt alle geplanten Veranstaltungen ab - 01.02.2013 18:44 Uhr

Kampf der Kirchenkritik: Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat zusammen mit seinem Bamberger Kollegen Ludwig Schick eine kirchenkritische "Fastenpredigtreihe" in Nürnberg gestoppt. © Archivfoto: Mühling


Auf Drängen der Bischöfe von Eichstätt und Bamberg, Gregor Maria Hanke und Ludwig Schick, hat die katholische Stadtkirche Nürnberg eine kirchenkritische Fastenpredigtreihe gestoppt. Anlass war nach Angaben von Bistumssprechern unter anderem eine für den 24. Februar geplante Fastenpredigt des früheren Generalvikars der Diözese Wien und Gründers der „Pfarrer-Initiative“, Helmut Schüller.

Der katholische Geistliche sollte zum Thema „Wir sind Gottes Volk! Haben Kirchen-Bürger Rechte?“ sprechen. Schüller hatte in den vergangenen Jahren wiederholt die Amtskirche herausgefordert. Im Jahr 2011 hatte er mit seinem europaweit verbreiteten „Aufruf zum Ungehorsam“ unter anderen die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt gefordert. Schüller ist Pfarrer im österreichischen Probstdorf.

Hält ebenfalls nichts von Kritik im Wortgottesdienst: der Bamberger Bischof Ludwig Schick. © dpa


Auf Vorbehalte stieß dem Vernehmen nach auch der geplante Auftritt der Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel. Sie sollte am 17. Februar in der Frauenkirche zum Thema „Unser Pfarrer ist eine Frau? Mehr als nur ein Traum?“ predigen. Auch die übrigen zwei Veranstaltungen seien abgesagt worden, teilte die Sprecherin der Stadtkirche, Elke Pilkenroth, am Freitag mit.

Kein Platz für persönliche Meinungen im Wortgottesdienst

Die vier Fastenpredigt-Veranstaltungen hatte die Stadtkirche unter das Motto „Kirche – Konzil – Konsequenzen“ gestellt. Dabei sollte unter anderem über notwendige Reformen in der Kirche rund 50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil diskutiert werden. Bei dem Konzil hatte sich die katholische Kirche in den 1960er Jahren umfassend erneuert. Ein Sprecher des Bistums Eichstätt bestätigte, dass beide Bischöfe die Stadtkirche aufgefordert hätten, die Fastenpredigtreihe in ihrer jetzigen Form abzusagen. Beide Oberhirten sähen in dem Begriff „Fastenpredigt“ einen Etikettenschwindel: „Ein Wortgottesdienst mit Predigt muss mit Aussagen zu Gottes Wort erfüllt sein.“

Für „politische Darstellungen von persönlichen Meinungen“ seien solche Gottesdienste ungeeignet. Dafür gebe es Seminare oder Diskussionsveranstaltungen, wo Positionen kritisch diskutiert werden könnten. Bei einem Gottesdienst sei dies nicht möglich. Die erzwungene Absage der Fastenpredigtreihe löste nach Angaben von Pilkenroth „Enttäuschung, Entsetzen und Wut“ bei katholischen Gläubigen in Nürnberg aus. „Ich bin vor allem über die Heftigkeit der Reaktion der Bischöfe überrascht“, sagte Pilkenroth.

Bis zuletzt habe man mit Vertretern der beiden Diözesen um einen Kompromiss gerungen. „Wir hatten beispielsweise zusätzlich zu dem Wortgottesdienst eine Diskussionsveranstaltung mit Herrn Schüller geplant.“ Aber auch das habe die Bischöfe nicht umgestimmt. Zudem seien in der Vergangenheit immer wieder unbequeme Prediger bei der Reihe aufgetreten.

Auch der Vorstand des Katholikenrats Nürnberg bedauerte am Freitag die Absage der Fastenpredigtreihe. In Zeiten, in denen deutschlandweit ein Gesprächsprozess zwischen Bischöfen und den übrigen Gläubigen laufe, sei der Druck der Bistumsleitungen in Bamberg und Eichstätt auf die Katholische Stadtkirche Nürnberg nicht nachvollziehbar, heißt es in einer Erklärung des Gremiums. „Zu einem funktionierenden Gesprächsprozess gehört auch, dass man kritische Stimmen aushält. Leider muss auch in diesem Fall von Zensur gesprochen werden“, fügte das aus 90 Delegierten bestehende Laiengremium. Die Nürnberger Katholiken gehören zu zwei Dritteln dem Erzbistum Bamberg und zu einem Drittel dem Bistum Eichstätt an. 

dpa

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