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Luftig-süße Tradition: Kein Volksfest ohne Zuckerwatte

Ausgerechnet ein Zahnarzt hat die klebrige Leckerei erfunden - 05.04.2018 08:57 Uhr

Gabriele Müller verkauft auf dem Nürnberger Frühlings-Volksfest Zuckerwatte. © Lena Paul


Lorenz und Gabriele Müller verkaufen die watteweiche Leckerei dieser Tage am laufenden Band. Den beiden gehört das "Märchen Knusperhaus", und das steht seit dem Osterwochenende wieder auf dem Nürnberger Frühlings-Volksfest.

Die Schausteller-Familie ist für ihr Eis, ihre gebrannten Nüsse und die Schokofrüchte bekannt. Und für ihre Zuckerwatte. Ihr Fahrgeschäft ist eines von dreizehn Zuckerwatte-Ständen am Dutzendteich.

Dass Lorenz Müller heute sein Geld auf Jahrmärkten verdient, ist vor allem seinem Urgroßvater zu verdanken. Vor über 100 Jahren hatte der nämlich eine geniale Idee: Einen Großteil seines Wochenlohns, den ihm die Nürnberger Bleistiftfabrik Staedtler ausbezahlte, steckte er immer in den Kauf von Bonbons. Und die wiederum verkaufte der Urgroßvater auf dem Wochenmarkt. "So hat er praktisch seinen Lohn verdoppelt", erzählt Müller.

Alle packen mit an

Irgendwann konnte sich sein Vorfahre die schwere Fabrikarbeit sparen und stieg ganz ein ins süße Geschäft. Das lief bald so gut, dass der Urgroßvater zusätzlich auch eigenes Eis produzierte und verkaufte. Und auch das lief recht erfolgreich: 1899 gründete er das Unternehmen "Eis-Müller".

Heute ist die gesamte Familie am Unternehmen beteiligt. "Ich mache das schon mein Leben lang und es gibt keinen aus der Familie, der nicht bei uns arbeitet", erklärt Lorenz Müller stolz. Auch seine Brüder und seine Cousine sind mit einem Stand auf dem Volksfest vertreten. Selbst Müllers Frau kommt aus einer Schaustellerfamilie. 

In Sachen Zuckerwatte bleiben die beiden übrigens traditionell. Was hier jeden Tag über den Verkaufstresen wandert, ist immer weiß und immer mit dem Stiel aus Holz. 

Die feinen Fäden, die aus dem so genannten Spinnkopf in der Mitte der Zuckerwatte-Maschine kommen, sind nichts anderes als flüssiger Zucker, der an der Luft wieder erkaltet. © Lena Paul


Für die perfekte Zuckerwatte braucht es Übung: Damit sich die feinen  Fäden, die nichts anderes sind als flüssiger Zucker, auch ordentlich um den Holzstab wicklen, muss der gleichmäßig um die eigene Achse gedreht werden, was auf Dauer anstrengend ist. Der Zucker, der aus dem sogenannten Spinnkopf rausschießt, ist außerdem heiß - die kleinen Kristalle fühlen sich auf der Haut an wie kleine Nadelstiche.

Der Trend, dem Zucker Farbstoffe oder verschiedene Geschmacksrichtungen zuzufügen, gefällt dem Unternehmer-Ehepaar nicht. "Bei uns kommt nur der natürliche, reine Zucker rein und keine Konservierungsstoffe", erklärt Müller und schüttelt den Kopf. "Für jede andere Farbe bräuchten wir eine neue Maschine, weil man das nicht mehr sauber kriegt." Da würde es aus Platzgründen schon eng werden.

Hätten Sie's gewusst?

Einhundert Gramm Zuckerwatte haben in etwa so viele Kalorien wie eine ganze Tafel dunkle Schokolade. Allerdings ist Zuckerwatte ja auch leicht: Auf eine große Portion kommt nur ungefähr ein Stück Würfelzucker. Die größte Zuckerwatte der Welt kommt übrigens aus dem niederbayerischen Feldkirchen. Mit 5,40 Metern Höhe, einem Durchmesser von 75 Zentimetern und 70 Kilo Zucker auf der Zutatenliste schaffte sie es ins Guinness-Buch der Rekorde. 

LENA PAUL

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