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Mallorca-Rückkehrer landen in Nürnberg: "Sicherer als in Deutschland gefühlt"

Am Nürnberger Flughafen kamen die ersten Ferien-Rückkehrer an - 08.04.2021 09:07 Uhr

Derzeit gibt es durchschnittlich sieben Flüge pro Woche ab Nürnberg Richtung Mallorca. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es durchschnittlich 18.

07.04.2021 © Michael Matejka, NNZ


Sie sind Stammgäste auf der Sonneninsel. Ihr Sohn lebt dort, zwei Enkelkinder und eine Wohnung haben die Köhlers auf Mallorca. Es ist mehr als nur eine Ferieninsel für sie - dort wartet Familie, ein zweites Zuhause. Im Dezember war das Ehepaar aus Hof das letzte Mal dort gewesen. Da war schnell klar, dass sie sofort die Möglichkeit ergreifen würden, sobald es wieder möglich wäre.

Mitte März hatte das Auswärtige Amt die Reisewarnung für die Urlaubsinsel aufgehoben. Viele Reisende nutzten die Gelegenheit, um in die Wärme zu fliehen. "Wir hatten traumhaftes Wetter", sagt denn auch Uli Köhler, nachdem er mit seiner Frau Ulrike und Enkeltochter Lara am Nürnberger Flughafen gelandet ist. Sechs Tage verbrachten sie in einem Vorort von Palma. Vor allem für die 12-jährige Lara war dies eine Erholung von vielen Monaten im Homeschooling.

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Es geht wieder los: Am 19. März startete der erste Direktflug vom Airport Nürnberg nach Mallorca. Die Gründe, warum die Menschen gerade auf die beliebte Insel fliegen, sind höchst unterschiedlich. Wir haben uns umgehört:


Lediglich sieben Passagierflüge heben derzeit durchschnittlich pro Woche von Nürnberg Richtung Mallorca ab. 2019 waren es noch 18 Abflüge pro Woche. Im ersten Jahr der Pandemie hatte es im März und April überhaupt keine Flüge nach Mallorca gegeben. Gerade zu Ferienzeiten sind die Auswirkungen der Pandemie massiv zu spüren - unabhängig vom Ziel. Zählte der Nürnberger Flughafen im Jahr 2019 noch insgesamt 182.913 Passagiere während der Osterferien, so werden es heuer am Ende gerade einmal 9195 sein, wie der Airport auf Anfrage mitteilt.

7-Tages-Inzidenz: 456,1

"Wir haben uns dort sicherer als in Deutschland gefühlt", betont Uli Köhler. Kein Wunder. Hof ist bundesweit der Corona-Hotspot schlechthin. Am Mittwoch betrug dort die 7-Tages-Inzidenz 456,1. Auf Mallorca lag diese bei 24,0. "Wo soll ich mich da also wohler fühlen?", wie der Rentner beinahe trotzig fragt.

Rückkehr aus der Sonne und Wärme. Am Nürnberger Flughafen sind seit 19. März wieder Flüge nach Mallorca möglich. 

07.04.2021 © Michael Matejka, NNZ


Roswita Zippel-Bojar geht es ähnlich - auch sie war an diesem Morgen an Bord des Fluges EW 4419 aus Palma. Sie ist seit zweieinhalb Jahren auf der Insel zuhause und nur für ein paar Tage gekommen, um ihre Familie in Deutschland zu besuchen. "Ich fühle mich auf Mallorca sicherer", sagt die 59-Jährige. Alle würden Maske tragen, keine Partys, die Gastronomie dürfe draußen immerhin bis 17 Uhr geöffnet haben. Vom niedrigen Inzidenz-Wert ganz zu schweigen.


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"Obwohl wieder Touristen kommen, ist nach wie vor sehr wenig los", sagt sie, die in dem Touristenort Cala Ratjada im Osten der Insel lebt und arbeitet. Das Leben auf der Insel bleibt schwierig. Wie Roswita Zippel-Bojar geht es vielen Einheimischen und Einwanderern: Als Bedienung hängt auch ihr Job am arg schwächelnden Tourismus.

Wenig los

Auch der 24-jährige Enric spricht davon, dass die Menschen dort kämpfen. Er studiert in Nürnberg Maschinenbau und war nach sechs Monaten endlich wieder für ein paar Tage bei seiner Familie in Palma. "Es sind einfach zu wenig Touristen", wie er sagt. "Mein Vater ist Weinhändler, aber im Moment geht wenig."

Eine Einreise nach Mallorca ist unkompliziert, denn eine Quarantäne ist bei Ankunft auf der Baleareninsel nicht notwendig. Das gilt selbst bei derart hohen Inzidenz-Werten wie stellenweise in Deutschland. Seit 30. März 2021 müssen grundsätzlich alle Menschen, die auf dem Luftweg nach Deutschland einreisen, vor Reiseantritt ein negatives Covid-19-Testergebnis vorweisen können - ob sie nun in einem Risikogebiet waren oder eben nicht.


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Uli Köhler schüttelt darüber verständnislos den Kopf. Mallorca sei sicher, dennoch müsse man sich "testen, testen, testen lassen". Er und seine Frau haben das in der Klinik in Palma erledigt, wie auch Roswita Zippel-Bojar dafür in ein Krankenhaus gegangen ist. Aber auch niedergelassene Ärzte vor Ort können testen. Kontrolliert wird dies direkt bei der Einreise in Nürnberg durch die Bayerische Grenzpolizei, hier die Grenzpolizeiinspektion Nürnberg-Flughafen.

Aber nicht nur dort. "Der Testnachweis, der bei der Einreise nicht älter als 48 Stunden sein darf, wird bereits vor Abflug durch den Beförderer und mit Ankunft in Nürnberg kontrolliert", so Stefan Bauer, Pressesprecher im Polizeipräsidium Mittelfranken.

Positive Bilanz

Dabei fällt eine erste Bilanz erfreulich aus. Nahezu alle Passagiere kamen den besagten Verpflichtungen nach und konnten den geforderten Nachweis bei der Einreise vorlegen. Lediglich in vereinzelten Fällen war dem nicht so. "In diesen Fällen wurden bereits Verfahren gegen die Beförderer eingeleitet. Bei Einreisen aus Hochinzidenz- und Virusvariantengebieten auch gegen den Passagier", so Bauer.

Die junge Mallorquinerin, die an diesem Morgen ebenfalls in Nürnberg gelandet ist, ist froh, dass die Touristen wieder kommen dürfen. Verhalten bleibt sie dennoch. "Das ist gut. Aber nur so lange sie sich an die Regeln halten und keine Party machen", sagt sie, die ihren Namen nicht nennen mag. "Sonst geht alles wieder von vorne los." Das könne ihre Insel nicht gebrauchen.

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