Samstag, 08.05.2021

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Manager trainieren im Flugsimulator

Triebwerkschaden soll Führungskräfte lehren, in Extremsituationen einen kühlen Kopf zu bewahren - 11.05.2015 20:36 Uhr

Die Situation im Cockpit — hier Pilot Helmuth Lage mit Lehrgangsteilnehmerin Heike Frank — dient bei der Führungskräfte-Schulung als Blaupause für das Handeln in Unternehmen.

11.05.2015 © Foto: Roland Fengler


Das sonore Brummen des Triebwerks ist omnipräsent im dunklen Flugzeugcockpit. Beim Blick aus dem Fenster sieht der Pilot nur den blauen Himmel, unter ihm türmen sich Wolken auf. Plötzlich leuchtet eine Warnleuchte auf — Diagnose Triebwerkschaden. „Nun ist eine koordinierte Handlung ganz wichtig“, erläutert Helmuth Lage.

Der Pilot im Unruhestand und der Fluglehrer bleiben jedoch gelassen. Denn der Triebwerkschaden ist nicht echt, er spielt sich nur im Flugsimulator ab. Die Ausnahmesituation gehört zu einem Seminar für Führungskräfte, das er zusammen mit seinem Partner Jürgen Zirbik anbietet. Der war früher Deutsch- und Sportlehrer, bevor er als Journalist zum Radio ging und dort Nachwuchsreporter ausbildete. Seit 2000 ist er als Coach tätig. Zu Beginn des Seminars gibt es eine kurze technische Einführung in den Simulator mit seinen Hunderten Knöpfen und Reglern. „Nur Start und Landung sind anspruchsvoll, in der Luft ist alles ganz einfach“, meint Lage. Die Flugzeugtechnik steht beim Seminar auch nicht unbedingt im Vordergrund.

Chefs müssen zuhören




Piloten werden intensiv geschult, nach festgelegten Verfahrensmodellen zu handeln. Nur wenn beide Piloten denselben Kenntnisstand haben und effizient miteinander kommunizieren, lassen sich kritische Situationen meistern oder — besser noch — im Vorfeld verhindern. Auch das soll auf die Unternehmen übertragen werden. „Je präziser die Handlungsanweisungen einer Firma ausgearbeitet sind, desto sicherer können die Manager fundierte Entscheidungen treffen“, sagt Lage. Er setzt auf Checklisten für den Normal- und den Notfall, so wie es sie auch in Flugzeugen gibt.

Auch die eingangs beschriebene brenzlige Situation soll den Seminarteilnehmern helfen, immer einen kühlen Kopf zu bewahren. In Zweiergruppen müssen sie dann die richtige Entscheidung im Simulator treffen, im äußersten Notfall greift der Trainer ein. Das Vorgehen wird gefilmt und danach ausgewertet. Das Konzept ist nicht neu: Ähnliche Seminare im Simulator gibt es bereits in Frankfurt und Berlin. Zehn Stunden inklusive Mittagspause dauert der Fortbildungstag. „Einen Zehn-Stunden-Tag sollten Führungskräfte aushalten“, meint Zirbik.

Das Training hat seinen Preis: Vierstellige Beträge sind fällig, die Höhe hängt davon ab, ob man als Einzelperson oder als Gruppe daran teilnimmt. Für Mai hat sich das erste Unternehmen angekündigt. Am 24. April findet ein Training für Einzelpersonen statt.

Mehr Informationen finden Sie im Internet unter  www.trainer-regional.de

BENJAMIN HUCK

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