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Massive Grippewelle trifft Nürnberg besonders hart

Personalmangel in Kliniken: Medizinisches Personal ebenfalls erkrankt - 07.02.2017 05:55 Uhr

In Nürnberg ist die Grippewelle in diesem Jahr besonders heftig. Derzeit sind so viele Erkrankungen gemeldet, wie seit Jahren nicht. © Stefan Hippel


Nach Angaben des Nürnberger Gesundheitsamtes ist über das Wochenende die Zahl der gemeldeten Erkrankungen um 84 Fälle gestiegen. Im Vorjahreszeitraum vom 1. Januar bis 6. Februar lag die Zahl der Influenza-Fälle lediglich bei 33 - heuer sind es bereits 725. "Doch das sind nur die gemeldeten Fälle. Tatsächlich liegt die Zahl um ein Vielfaches höher", sagt Alice Schaffer, Leiterin des Infektionsschutzes am Gesundheitsamt, auf Anfrage.

Ob im Klinikum Nürnberg oder bei der Rettungswache des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in der Nunnenbeckstraße - selbst beim medizinischen Personal erkranken immer mehr. "Der Krankenstand ist jetzt so hoch, dass wir im Rettungsdienst einen gravierenden personellen Engpass haben", berichtet Klaus Trump, Leiter des BRK-Rettungsdienstes. Personalknappheit herrscht auch auf den Stationen im Klinikum Nürnberg. Mehr als ein Viertel der Belegschaft ist hier krankgeschrieben. "Die Mitarbeiter zeigen sich aber solidarisch und helfen stationsübergreifend aus", sagt Klinikums-Sprecher Bernd Siegler.

Lange Wartezeit in der Notaufnahme

Der Großteil der Patienten strömt direkt in die Notaufnahmen. Dort wird niemand abgewiesen, sind die Krankenhäuser auch noch so voll. "Die Wartezeiten sind allerdings jetzt viel länger", sagt Siegler. Alarm hat nun auch Dr. Klaus Fischer vom Klinikum geschlagen. Der leitende Oberarzt im Institut für Klinikhygiene spricht von "Lieferschwierigkeiten" beim schnellen Influenza-Testverfahren. Ob ein Patient tatsächlich den Grippevirus in sich trägt, lässt sich mit dieser Probe innerhalb von 20 Minuten herausfinden. Von dem Ergebnis hängen weitere Behandlungsschritte ab.

Doch warum schlägt die Grippe heuer so massiv zu? Eine Erklärung liefert der eingesetzte Impfstoff. Wie man in Finnland und Schweden mittlerweile herausgefunden hat, ist der Schutz durch das aktuelle Serum nicht so sicher, wie man es erwartet hatte, erklärt Alice Schaffer vom Gesundheitsamt. "Viele der Grippe-Patienten waren schon geimpft und trotzdem brach bei ihnen die Krankheit aus", sagt sie. Dennoch empfiehlt die Behörde Personen aus Risikogruppen, sich jetzt noch zu impfen, falls das bisher nicht geschehen ist. "Wir wissen ja nicht, wann die Grippewelle abebbt", sagt sie. Zu den Risikogruppen zählen Menschen über 60 Jahre, Schwangere und medizinisches Personal.

Lieber erst mal zum Hausarzt

Dass derzeit so viele Bürger direkt in die Notaufnahmen gehen, belastet die Kliniken oft unnötig. Von ihnen geht nach wie vor der Appell aus, beim Grippe-Verdacht, erst den Hausarzt oder die ärztlichen Bereitschaftsdienste wie den im adcom-center, Bahnhofstraße 11a (Telefonnummer: 0911/116117), aufzusuchen.

Mit großer Sorge beobachtet Michael Pflügner, dass die Influenza auch im Pflegezentrum Sebastianspital angekommen ist. Mehrere Bewohner und Mitarbeiter sind bereits erkrankt. Der zweite Werkleiter von NürnbergStift berichtet von Maßnahmen, die ergriffen wurden, um die Ansteckungsgefahr für die Senioren zu reduzieren: "Es werden im Moment keine Gruppenaktivitäten angeboten." Gemeinsame Spiele, Gymnastik und Co. sind gestrichen. Außerdem bleibt der Speisesaal zu den Essenszeiten leer - die Bewohner nehmen die Mahlzeiten auf ihren Zimmern ein. 

Alexander Brock

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