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Mehr und mehr Investoren in Nürnberg: Alles nur eine Blase?

Stadträte freuen sich über den Boom, äußern aber auch Bedenken - 23.03.2018 06:00 Uhr

Nicht nur der City Point wechselte seinen Besitzer. Mehr und mehr Immobilieninvestoren drängen momentan auf den Nürnberger Markt. © Thomas Correll


"Nürnberg ist im Fokus der großen Anleger", sagte der Immobilienexperte Wolfgang Küspert im Rechts- und Wirtschaftsausschuss des Stadtrats. Er präsentierte beeindruckende Zahlen. Im vergangenen Jahr seien nicht selbst genutzte Büro- und Einzelhandelsimmobilien, aber auch Wohngebäude sowie unbebaute Grundstücke für mehr als eine Milliarde Euro in Nürnberg verkauft worden, so Küspert. Die Käufer? Allein Fondsgesellschaften investierten über eine halbe Milliarde in Nürnberg. In geringerem Umfang schlugen Projektentwickler beziehungsweise Bauträger zu. Privatanleger bilden das Schlusslicht.

Innerhalb von drei Jahren habe sich diese Investitionssumme verdoppelt, erklärt Küspert. Das liegt an den steigenden Immobilienpreisen, aber auch daran, dass die großen Investoren sogenannte A-Städte wie München oder Berlin abgegrast haben und jetzt in B-Städte wie Nürnberg und sogar in C-Städte wie Regensburg drängen.

Besonders begehrt waren Bürogebäude oder Einzelhandelsimmobilien. So wurde zum Beispiel der Siemens-Komplex in der Von-der-Tann-Straße von Standard Life Investments an Investa Development verkauft. Das Bürogebäude Loftwerk in der Ulmenstraße wurde von einer privaten Besitzgesellschaft an Union Investment veräußert. Der Immobilienentwickler Helmut Schmelzer verkaufte das ehemalige Foto-Quelle-Gebäude in Langwasser ebenfalls an Union Investment. Die Karstadt-Immobilie ging an die RFR Holding. Das Einkaufszentrum Mercado wurde nach der Sanierung von Credit Suisse an Union Investment verkauft. Letzteres ist für Küspert ein klassischer Fall: "Die Braut ist hübsch gemacht worden, um sie teuer zu verkaufen."

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Beim City Point ist die Reihenfolge andersherum. Der Düsseldorfer Projektentwickler Development Partner hat das Einkaufszentrum in der Breiten Gasse von einem geschlossenen Immobilienfonds der Deutschen Bank erworben. Development Partner will nun 200 Millionen Euro investieren und aus dem Einkaufstempel einen Mix aus Handel, Gastronomie und Hotel machen. "Altstadt Karree" soll es einmal heißen.

Zudem wurden im vergangenen Jahr Wohnungen für rund 230 Millionen Euro an Anleger verkauft. Die Stadträte reagierten darauf und auf den Run auf Gewerbeobjekte mit gemischten Gefühlen. Nürnberg boome, das sei erfreulich, sagte Daniela Hüttinger für die SPD-Fraktion. Doch sie äußerte auch die Angst vor einer Blase. Thomas Pirner, wirtschaftspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, und Britta Walthelm, Vize-Fraktionschefin der Grünen, sahen es ähnlich. Und SPD-Stadtrat Thorsten Brehm trieb die Sorge um, dass Immobilien allein um des Geldverdienens willen gekauft und dann liegengelassen werden.  

Sabine Stoll E-Mail

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