Rechtsstreit über Flüchtlingsunterkunft

Millionenschaden? FDP-Stadtrat Ümit Sormaz wehrt sich gegen Anschuldigungen

Das "Original": NN-Redakteur Alexander Brock.
Alexander Brock

Lokales

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4.10.2021, 13:10 Uhr
Vier Jahre lang war das Anwesen in der Buchheimer Straße 6 eine Flüchtlingsunterkunft. Zwischen dem Vermieter und dem ehemaligen Geschäftsführer der Mieter-GmbH, Ümit Sormaz, schwelt ein Rechtsstreit.

© Michael Matejka, NNZ Vier Jahre lang war das Anwesen in der Buchheimer Straße 6 eine Flüchtlingsunterkunft. Zwischen dem Vermieter und dem ehemaligen Geschäftsführer der Mieter-GmbH, Ümit Sormaz, schwelt ein Rechtsstreit.

Die Fronten zwischen dem ehemaligen Vermieter einer Flüchtlingsunterkunft in der Buchheimer Straße und dem Nürnberger FDP-Stadtratsmitglied Ümit Sormaz sind verhärtet. Der Vermieter, Johann Lederer, erklärt, dass es deutliche Mängel beim Rückbau der Unterkunft gegeben habe und sieht sich auf einem Schaden von 2,5 Millionen Euro sitzen. Derzeit läuft in dieser Sache ein Zivilverfahren. Zudem sagt Lederer, dass es während des Betriebs der Unterkunft und der Rückbauphase Unregelmäßigkeiten gegeben habe, die strafrechtlich relevant sein könnten.

Über seinen Anwalt hat der Vermieter und Inhaber einer Zeitarbeitsfirma deshalb Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gegen den Politiker gestellt. Sormaz war Geschäftsführer der Cura Life GmbH, die das Gebäude für die Unterkunft angemietet hatte. Am 24. Juni 2021 gab es an der Spitze der GmbH einen Wechsel, der neue Geschäftsführer meldete am 29. Juni 2021 Insolvenz an.

FDP-Stadtrat nimmt jetzt doch Stellung

Sormaz wollte für den ersten Bericht zu diesem Thema keine konkreten Aussagen zu den Anschuldigungen treffen. Aufgrund der Resonanz, die der Artikel in den Nürnberger Nachrichten, der Nürnberger Zeitung und auf nordbayern.de ausgelöst hat, hat er sich nun doch entschlossen, Stellung zu beziehen.

Sormaz legt dar, dass die Cura Life GmbH wie vertraglich vereinbart in der Mietzeit von vier Jahren rund 2,5 Millionen Euro zuzüglich aller Nebenkosten an den Vermieter überwiesen habe. "Zudem sind weitere 1,2 Millionen Euro bereits auf der Basis der Mietvereinbarung zu Beginn der Verhandlung auf ein sogenanntes 'Bürgschaftskonto' einbezahlt worden, weil der Vermieter mögliche Mietausfälle rechtlich geltend machen kann, solange ein Prozess läuft", nimmt Sormaz in einer Pressemeldung der Freien Demokraten Stellung.

"Der Vermieter hat die Übernahme verweigert"

Das Stadtratsmitglied vermutet hinter dem Schritt Lederers, an die Öffentlichkeit zu gehen, dass ihn der Vermieter öffentlich diskreditieren und diffamieren wolle. Warum der Eigentümer des Anwesens in der Buchheimer Straße das machen sollte, darauf geht Sormaz nicht weiter ein.

Ümit Sormaz während des Wahlkampfes im September 2018, als die Landtagswahlen anstanden.

Ümit Sormaz während des Wahlkampfes im September 2018, als die Landtagswahlen anstanden. © Roland Fengler, NNZ

Der FDP-Politiker geht in seiner Erklärung auf weitere Details ein, die Lederer ins Feld geführt hat: Der Vermieter schildert, dass Teile der Industrieküche fehlen, die feste Bestandteile des Gebäudes gewesen seien. Sormaz hält dagegen: Johann Lederer habe vor Zeugen die Aussage getätigt, "dass man diese (gemeint ist die Kücheneinrichtung) auch gerne wegschmeißen kann, da sie durch ist." Der Politiker wehrt sich auch gegen Lederers Behauptung, Kabel, die zum Anwesen gehört haben sollen, seien entfernt worden: "Gegenstände und Materialien, die zum Beispiel zur notwendigen Steigerung des Gebäudebrandschutzes angebracht wurden, wurden nach dem vorliegenden Mietvertrag wieder zurückgebaut." Zudem habe keine Schlüsselübergabe stattfinden können, weil Lederer die Übernahme verweigert habe.

FDP-Kreisverband verärgert über Sormaz

Die Redaktion hatte sich im Rahmen der Recherche vor Ort ein Bild gemacht. Der Vermieter zeigte in der Tiefgarage die vorgeschriebene Löschwasserleitung für die Feuerwehr. Er betonte, dass hier jemand "eine Leitung für das Trinkwasser angeschlossen hat". 3422 Kubikmeter Wasser seien hier abgezapft worden. Sormaz hält dagegen und gibt an, "dass ein weltweit tätiges Fachunternehmen die Arbeiten dort ausgeführt hat. Für Detailantworten zu den Vermietervorwürfen benötigt das Unternehmen allerdings einen Zugang vor Ort."

Eine endgültige Klärung des Falls wird es erst mit dem Ende des Zivilprozesses geben. Parallel dazu prüft die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth die gegen Sormaz eingegangene Strafanzeige durch Lederers Anwalt.

Sauer aufgestoßen ist dem Kreisverband der Nürnberger FDP, dass Ümit Sormaz mit der Presseinformation und dem Logo der FDP "fälschlicherweise den Eindruck erweckt, sie sei eine Pressemitteilung unseres Kreisverbandes. Der Inhalt ist einzig ein Statement der Person Ümit Sormaz", so Sebastian Bachmann, stellvertretender Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes. "Die FDP bedauert, dass sie in einen privatrechtlichen Streit hineingezogen wird, der mit der FDP überhaupt nichts zu tun hat."

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