Samstag, 20.04.2019

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Missbrauch ist Thema: "Wir sind Kirche" tagt in Nürnberg

Bewegung will Reformen voranbringen, leidet aber unter Mitgliederschwund - 03.11.2018 14:30 Uhr

An diesem Wochenende trifft sich die Initiative "Wir sind Kirche" im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg. Der Hauptvortrag am Samstag kam von Kirchenjournalistin Christiane Florin (3. von links). © Stefan Hippel


Vom 2. bis zum 4. November lädt die Organisation, die sich als "Kirchenvolksbewegung" bezeichnet, auch die Öffentlichkeit zu ihrem 42. Bundestreffen im Caritas-Pirckheimer-Haus ein (Königstraße 64). Den Hauptvortrag am Samstag hielt die Kirchenjournalistin Christiane Florin zum Thema "Weiberaufstand". In ihrem gleichnamigen Buch tritt die Kölner Politologin vehement für die Priesterweihe von Frauen ein, aber auch für eine Abkehr vom Klerikalismus generell.

Auf der anschließenden Versammlung ging es unter anderem um die Folgen der im September veröffentlichten Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Ab 13 Uhr können sich Passanten vor der Klara-Kirche an einem Infostand informieren.

Viele engagierte Katholiken, darunter ein Großteil enttäuschter Frauen, haben in den vergangenen Jahrzehnten der Kirche den Rücken gekehrt. Meist mit der Begründung, dass notwendige Reformen ausgeblieben und die Kirchenleitungen zu Zugeständnissen nicht bereit seien. Schon nach der Würzburger Reformsyndode im Jahr 1975 habe man das damals angepeilte Ziel, Frauen zum Diakonenamt zuzulassen, nicht mehr verfolgt, betonte der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner.

Petition an Bundestag

Da Frauen kaum hoffen dürfen, dass sich aufseiten der Kurie in absehbarer Zeit ein Umdenken vollzieht, wollen sie es diesmal mit politischem Druck versuchen. Sie bauen dabei auf die Rechtsprechung. Hat doch erst jüngst der Europäische Gerichtshof die Kündigung eines wiederverheirateten Chefarztes durch ein katholisches Krankenhaus für unrechtmäßig erklärt.

Bei einer Pressekonferenz im Caritas-Pirckheimer-Haus legte die für die Frauenordination zuständige Angelika Fromm den Text für eine Petition an den Deutschen Bundestag vor, in der die Änderung des Grundgesetz-Artikels 140 angeregt wird. Danach unterliegt jede Religionsgemeinschaft dem für alle geltenden Gesetz. Da sowohl die Menschenrechtscharta wie auch das Deutsche Grundgesetz die Gleichberechtigung der Geschlechter voraussetzen, können Frauen nicht von einem Amt ausgeschlossen werden.

Neu-Mitglieder bleiben aus

Weisner räumte ein, dass auch die Initiative vom Rückgang der Kirchenmitglieder betroffen sei. "Leider ist es nicht so, dass die Menschen, die die Kirche verlassen, alle zu 'Wir sind Kirche' gehen."

"Wir sind Kirche" gründete sich 1995 in Österreich und will neben kirchenrechtlichen Reformen auch die Mitsprache der Laien vorantreiben, was bereits zahlreiche Konflikte mit der römisch-katholischen Kirchenleitung hervorrief. Lange Zeit blieben diözesane Bildungshäuser deshalb für die missliebige Basisbewegung verschlossen. Inzwischen hat sich bei manchen Bischöfen aber die Einsicht durchgesetzt, dass Kritik heilsam sein könnte für eine Institution, die an personaler Auszehrung leidet.  

isa/ki

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