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"Mohren Apotheken": Kritik an Rassismus-Debatte in Nürnberg

Bürgermeister Vogel hält Kritik für überzogen - und bekommt Fürsprecher - 23.02.2018 05:53 Uhr

Apotheker Wilhelm Bouhon von der Mohren-Apotheke an der Lorenzkirche hält den Rassismus-Vorwurf für "absurd". "Ich sehe den Namen als Ehrerbietung an die Mauren, denen wir unsere heutige Form der Pharmazie zu verdanken haben", sagt er. © Horst Linke


Das Logo mit dem dunkelhäutigen Kopf und dem krausen Haar ist aus dem Logo an diesem Eckhaus in der Königstraße kaum wegzudenken. Die "Mohren Apotheke" gehört an dieser Stelle zum Innenstadtbild wie das nahe Wetterhäuschen. Dabei ist sie keinesfalls alleine mit ihrem Namen: Laut Deutscher Apotheker-Zeitung gibt es bundesweit noch 100 Apotheken, die den Begriff "Mohr" in ihrem Namen tragen. So auch in Fürth, Erlangen und eben auch drei alleine in Nürnberg. Davon abgesehen gibt es aber auch die Mohrengasse, das "Café Mohr" in der Nürnberger Innenstadt, und auch das Brauereiwappen der Tucher Bräu zeigt einen "Mohr".

Doch dieses Wort "Mohr" hat unlängst eine bundesweite Debatte ausgelöst. Hintergrund war eine Kampagne der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) in Frankfurt am Main, die in der Verwendung von "Mohr" im Namen zweier Apotheken einen rassistischen Hintergrund sieht und in einem Antrag die Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat aufgefordert hatte, sich dafür einzusetzen, dass diese Bezeichnungen und Logos aus dem Stadtbild verschwinden.

Übertriebene Diskussion?

In Nürnberg stößt dieser Vorstoß auf Unverständnis. "Für mich ist die Verwendung 'Mohrenkopf' grenzwertig und hat auch den Ansatz zur Beleidigung", sagt Bürgermeister Christian Vogel. Er halte es deshalb für richtig, wenn man heute etwa von "Schaumgebäck" und nicht mehr vom "Mohrenkopf" spricht. "Ich halte es aber für übertrieben, ja sogar falsch, Institutionen wie die 'Mohren Apotheke' oder die Mohrengasse in ein rassistisches Licht zu rücken." Und auch der Mohr im Brauereiwappen der Tucher Bräu hat eine lange Geschichte und ist dem Heiligen Mauritius geschuldet und als Ausdruck der Glaubenstreue des Geschlechts der Tucher zu werten. Achim Mletzko, Fraktionsvorsitzender der Grünen-Stadtratsfraktion, teilt die Einschätzung Vogels "Ich halte solche Forderungen an dieser Stelle für überzogen." Sicher müsse man sich um eine sensiblen Sprache bemühen, auch sei die Sensibilität mancher Menschen bei diesem Thema nachvollziehbar. "Aber man kann auch alles furchtbar überhöhen", so Mletzko.

Für den Inhaber der "Mohren Apotheke" selbst ist das Thema nicht neu, die Diskussion überrascht ihn damit nicht. "Ich habe noch nie irgendwelche Anfeindungen deshalb erlebt", sagt Wilhelm Bouhon, der die Apotheke an der Lorenzkirche in der dritten Generation führt. Allerdings gebe es durchaus immer wieder Gesprächsbedarf hinsichtlich des Namens. Auch deshalb sei auf seiner Homepage dem Namen "Mohr" ein ausführliches Kapitel gewidmet. Den Vorwurf des Rassismus hält er unterdessen für "absurd". "Ich sehe den Namen als Ehrerbietung an die Mauren, denen wir unsere heutige Form der Pharmazie zu verdanken haben", so Bouhon. Die aktuelle Diskussion erklärt er sich mit Unkenntnis. "Ich glaube, die Menschen, die hier eine Umbenennung fordern, haben sich nicht wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt."

Irini Paul

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