Mosaikbilder erobern Schloss Almoshof

13.9.2012, 20:13 Uhr
Ein Pionier der Neuen Medien: Der Nürnberger Künstler Christian Oberlander ist mit der modernen Technik bestens vertraut, in seiner Ausstellung in Schloss Almoshof will er die Besucher mit Hilfe der QR-Codes zu mehr Interaktion auffordern.

Ein Pionier der Neuen Medien: Der Nürnberger Künstler Christian Oberlander ist mit der modernen Technik bestens vertraut, in seiner Ausstellung in Schloss Almoshof will er die Besucher mit Hilfe der QR-Codes zu mehr Interaktion auffordern. © Roland Fengler

Das moderne Smartphone dient dabei als Scanner, wie ein Lesegerät entschlüsselt es die Codes. Für die Nutzer verbirgt sich dahinter jedes Mal eine neue Überraschung.

„Schnelle Antwort“ist nicht immer hilfreich

QR steht für Quick Response und soll dem Verbraucher folglich eine „schnelle Antwort“ liefern. Der Mehrwert ist dabei mal größer, mal geringer: Von langweiligen Infoseiten über spannende Videos bis hin zu Fahrplänen in Echtzeit ist alles möglich. Jetzt bahnen sich QR-Codes ihren Weg in die Kunst. Christian Oberlander setzt in seiner „Ausstellung ohne Bilder – Bilder ohne Ausstellung“ im Schloss Almoshof am Sonntag auf den Werbetrend.

„Die Codes sind die beste Möglichkeit, um meine Kunst direkt auf die Geräte der Besucher zu bringen“, sagt der 56-Jährige. Anstatt seiner Bilder gibt es am Sonntag erstmal nur rund 50 Codes zu sehen. „Dahinter verbergen sich bearbeitete Fotografien und Tonschnipsel von mir“, verrät der Nürnberger und hat dabei die Qual der Wahl, denn im Juni 2002 hat er ein ehrgeiziges Projekt gestartet: Zehn Jahre lang wollte Oberlander auf seiner Homepage jeden Tag ein Foto veröffentlichen. Dank seines Durchhaltevermögens kann der Künstler jetzt aus mehr als 3500 Bildern wählen und wagt sich an ein neues Experiment. „Diese Ausstellung ist eine Spielerei, ich werde die Inhalte der Codes während der Ausstellung verändern“, sagt der Künstler. Technisch ist das kein Problem: In kürzester Zeit lassen sich die Dateien austauschen, die hinter den Codes stecken.

Andreas Radlmaier und Christel Paßmann präsentieren die QR-Codes auf Plakaten

Andreas Radlmaier und Christel Paßmann präsentieren die QR-Codes auf Plakaten © Michael Matejka

An den Litfaßsäulen sind QR-Codes nichts Ungewöhnliches mehr, in der Kunst schon. „Ich kenne niemanden, der das bisher gemacht hat“, sagt Oberlander, ich wil es einfach mal ausprobieren.“ Ein klares Ziel hat der Künstler dennoch: „Die Leute sollen sich nicht länger auseinanderleben, jeder lebt nur noch für sich und mit seinen Facebook-Freunden, die er kaum kennt.“

Mit Hilfe der neuen Technologie sollen die Besucher der Ausstellung wieder zueinanderfinden. „Sie können erleben, wie schön es klingt, wenn 15 oder 20 Handys gleichzeitig unterschiedliche Klänge abspielen“, erklärt Oberlander. Mit der Interaktion zu experimentieren ist dem Künstler in seiner Ausstellung besonders wichtig. „Die Neuen Medien entwickeln sich stetig weiter, die Frage ist nur, was wir daraus machen“, lautet sein Credo. Die Neuen Medien sind für Oberlander alte Bekannte. „Ich habe schon 1988 in einer Werbeagentur damit gearbeitet, da gab es den Begriff Multimedia noch gar nicht“, erinnert er sich, „ich war wirklich einer der Pioniere, was die Technik am PC angeht.“

Die Codes lassen sich im Internet ohne größeren finanziellen oder zeitlichen Aufwand generieren. Grund genug für die Unternehmen, auf ihren Plakaten und Flyern eines dieser Kästchen unterzubringen – und zwar da, wo noch Platz ist: zum Beispiel am unteren Rand des Banners, nur zehn Zentimeter über dem Gehsteig. Für den Nutzer wird das Scannen so schnell zu einer akrobatischen Meisterleistung. Auch Codes, die an Schnellstraßen platziert sind verfehlen bei den vorbeirauschenden Autofahrern ihr Ziel.

Die kleinen Quadrate können das Leben aber auch vereinfachen. Sie lassen sich als digitale Briefmarken nutzen oder als Ticketersatz für den Nah- und Fernverkehr aufs Handy laden. Auf Visitenkarten macht sich das Mosaikbild ebenfalls gut: Sobald das Handy den Code einliest, werden Telefonnummer und E-Mail-Adresse des neuen Bekannten als neuer Kontakt im Smartphone angelegt.

Beim Fahrradverleih der Nürnberger NorisBikes vereinfachen die Codes den Anmeldevorgang, der Handwerkerhof führt den Nutzer damit auf seine Facebook-Seite.

Und auch bei der Blauen Nacht setzten die Veranstalter bereits auf die Codes.

Um 20 Uhr beginnt heute im Kulturladen Schloss Almoshof die Vernissage der Ausstellung, am Sonntag sind die Pforten dann von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Um die Codes entschlüsseln zu können wird ein Smartphone oder ein Tablet-PC benötigt, einige Exemplaren können auch vor Ort ausgeliehen werden.

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