Nach Brand in Nürnberger Kraftwerk: Stadt ruft Katastrophenfall aus

9.2.2021, 11:53 Uhr

Das Kraftwerk sei vorübergehend außer Betrieb genommen worden, teilte der Energieversorger N-Ergie am Dienstagmorgen in Nürnberg mit. Die Wärmezufuhr für einzelne Abnehmer müsse vorübergehend gedrosselt werden. Betroffen seien vor allem die Stadtteile Röthenbach und Gebersdorf.

In den Stadtteilen befinden sich 1.150 Anschlusspunkte für Fernwärme. Betroffen sind neben den Haushalten unter anderem auch große Betriebe, eine Klinik, Schulen, ein Einkaufszentrum sowie zwei Alten- und Pflegeeinrichtungen. In Summe sind rund 15.000 Menschen von den Einschränkungen betroffen. "Wir gehen momentan nicht davon aus, dass die Heizungen komplett ausfallen", sagte ein Sprecher von N-Ergie gegenüber der dpa. "Es wird aber spürbar kälter in den Häusern werden."

Die N-Ergie hat einen eigenen Krisenstab eingerichtet, der sich um die weitere Versorgung kümmert. "Das Problem ist, dass es jetzt gerade so extrem kalt ist", sagt Heiko Linder, Sprecher der N-Ergie. Normalerweise dient das Gebersdorfer Kraftwerk, das nicht der N-Ergie gehört, der reinen Stromerzeugung. Doch im Winter werden die Kunden bei Bedarf von dort zusätzlich mit Fernwärme versorgt, so Linder.

Diese Kapazitäten fehlen jetzt, deshalb muss ein Ausgleich her. Sogenannte mobile Wärmerzeugungsanlagen müssen dafür ins Netz integriert werden, erklärt der Sprecher. "Einige dieser Anlagen haben wir zwar bereits, wir müssen aber auch noch zusätzliche Geräte organisieren."

So lange diese nicht vorhanden sind, sollen Fernwärmekunden in den betroffenen Stadtteilen Gebersdorf und Röthenbach ihren Verbrauch möglichst reduzieren. "Die Kollegen versuchen zudem, es über eine intelligente Netzsteuerung auszugleichen." Das sei auf jeden Fall eine Herausforderung, die fehlende Wärme werde sich bemerkbar machen. "Aber wir tun alles dafür, die Auswirkungen zu begrenzen."

Katastrophenfall ausgerufen

Die Stadt hat wegen der kritischen Situation am Vormittag den Katastrophenfall ausgerufen. Die Stadt und die N-Ergie haben jeweils Krisenstäbe eingerichtet. Diese stehen miteinander im Kontakt. Das teilte die Stadt Nürnberg unter anderem über Twitter mit.

Der Katastrophenfall erleichtert die Kommunikation zwischen der Stadt und der Regierung von Mittelfranken und der Staatsregierung. Erleichtert wird dadurch auch der Zugriff auf Ressourcen der Hilfsorganisationen, der Bundeswehr und des THW. Das bedeutet natürlich nicht, dass diese auch unbedingt eingesetzt werden müssen.


Die Stadt hat seit Dienstagvormittag für alle Bürger eine Informationsseite im Internet eingerichtet. Zudem ist heute von 14 bis 23 Uhr und ab Mittwoch von 7 bis 23 Uhr ein Bürgertelefon eingerichtet unter der Rufnummer 0911/64 37 58 88.


Die Ursache des Brandes in dem Großkraftwerk des Betreibers Uniper am frühen Montagabend ist nach wie vor unklar, teilte die Feuerwehr mit. Die Größe des entstandenen Schadens könne noch nicht beziffert werden. Die Kripo Nürnberg hat die Ermittlungen zur Klärung der Brandursache übernommen. Die Beamten müssen jedoch noch warten, bis im Gebäude alles abgekühlt ist und der Brandort gefahrlos betreten werden kann. So werden die Ermittler laut Polizei frühestens am Mittwoch mit ihrer Arbeit im Kraftwerk beginnen können.

Verletzte gab es nach bisherigen Angaben nicht. Das Feuer war im Erdgeschoss des Kraftwerksblocks I ausgebrochen und hatte sich den Angaben nach bis auf eine Höhe von 80 Metern ausgebreitet. Nach knapp drei Stunden sei der Brand gegen 20 Uhr gelöscht gewesen.

Im Einsatz waren insgesamt rund 120 Feuerwehrleute. Das Kraftwerk wird den Angaben nach vor allem mit Gas und bei Bedarf auch mit Öl betrieben.

Der Artikel wurde zuletzt um 11.55 Uhr aktualisiert.