Nach traumhaftem Wochenende: Westbad zieht erste Bilanz

15.6.2020, 06:00 Uhr

Heiß ist es an diesem ersten Bade-Samstag der Saison. Die Hitze wissen die Badegäste in St. Johannis gut zu nutzen. Im Schwimmerbecken ziehen Freizeitsportler ihre Runden, im Kinderbecken toben fröhliche Familien. Martina Harmanda meidet Nürnbergs meistbesuchtes Freibad für gewöhnlich. Heute genießt sie aber die entspannte Situation im Bad. Ihre zwei Töchter planschen mit viel Abstand zu anderen Kindern. "Es ist echt ein Traum, dass es so leer ist" sagt Martina Harmanda.

Maximal 360 Badegäste dürfen gleichzeitig ins Bad, erklärt Joachim Lächele. Er ist Werkleiter des städtischen Bäderbetriebs und sagt: "Im Westbad waren oftmals 6000 Leute gleichzeitig. Das geht jetzt wegen Corona natürlich nicht." Aktuell öffnen die städtischen Bäder Westbad, Stadionbad und Naturgartenbad in Intervallen. Pro Zeitabschnitt ist nur eine begrenzte Personenanzahl erlaubt – Tickets müssen vorab online gebucht werden. Zwischen den Zeiträumen wird geputzt und desinfiziert. Ein Slot ist eigentlich drei Stunden lang – im Stadionbad etwa kann von 9 bis 12 Uhr, dann von 13 bis 16 Uhr und von 17 bis 20 Uhr geschwommen werden.


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Dass das Westbad vergangene Woche von 9 bis 16 Uhr geöffnet war, war ein technischer Fehler, erklärt Bademeister Dominik Zinnbauer. Ab dieser Woche gebe es auch hier nur noch Drei-Stunden-Slots. "Schade", findet Martina Harmanda. Besonders mit Kindern seien drei Stunden zum Spielen eher knapp bemessen. Aber: "Wir sind froh, dass wir überhaupt ins Schwimmbad können", sagt sie.

"Wie in Apulien"

Auch Antonella Monis freut sich, dass ihr Lieblingsbad wieder offen hat. Die Italienerin kommt bei schönem Wetter jeden Tag nach der Arbeit zum Schwimmen. "Dass das bislang nicht ging, war eine große Katastrophe für mich", sagt Monis. Heute bei Sonne das erste Mal im Becken mache sie glücklich. "Fast so schön wie in Apulien am Strand", schwärmt sie und setzt zur nächsten Runde im Kreisverkehr-Schwimmen an.

Angst, dass ihr dabei andere Gäste zu nahe kommen, braucht sie nicht haben. Das Becken ist fast leer – und die abgesperrten Bahnen, auf denen die Schwimmer zirkulieren, sind fünf Meter breit. Auch Tempo-Unterschiede seien kein Problem, sagt Joachim Lächele: "Wenn jeder am Rand schwimmt, sind in der Mitte drei Meter Platz – da kann man prima überholen."

Die dünne Beckenbesetzung erfreut nicht nur zahlende Gäste: Eine Entenmutter nutzt die Gunst der leeren Becken und führt ihre Kükenschar an staunenden Kindern vorbei ins Nichtschwimmerbecken. Baderegeln wie "Nicht vom Beckenrand springen" scheinen der achtfachen Mutter dabei völlig fremd. Auch in Sachen Hygiene seien die Kinder nicht gerade vorbildlich erzogen, schildert Bademeister Robin Kaiser: "Wenn die Familie nachts da war, müssen wir ihr am nächsten Morgen hinterherputzen." Willkommen seien die drolligen Gäste aber trotzdem.

Für diejenigen, die es ebenfalls jeden Tag ins Wasser zieht – die allerdings nicht einfach über den Zaun flattern können –, gibt es Halbjahres-Tickets. Durch die Corona-Maßnahmen hat sich nun allerdings deren Handhabung verändert: Inhaber der Karten müssen der Einlassbegrenzung wegen ebenfalls Online-Tickets buchen. "Es gibt dafür ein Extra-Ticket, dass man aber nicht zahlen muss" erklärt Joachim Lächele.

Provisorische Regeln

Neue Halbjahrestickets werden aktuell nicht verkauft. Stammgäste mit alten Halbjahreskarten können aber aufatmen – ihre Karten lassen sich verlängern. "Das ist alles noch ein wenig provisorisch", gesteht Joachim Lächele. Schließlich habe es so eine Situation noch nie gegeben. Bislang ist der Bäderchef aber zufrieden. Alle hielten sich an die Regeln – und wo es noch Probleme gibt, könne man nachbessern, sagt Lächele. "Wenn es weiterhin super funktioniert, dann können wir auch die Einlasszahlen anheben."

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