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Neue Läden: Nürnberger Innenstadt wandelt sich rasant

Frischekur am Josephsplatz - Inhabergeführte Geschäfte sind Mangelware - 24.05.2019 05:58 Uhr

In diesem Abschnitt ist die Breite Gasse gut aufgestellt. An anderer Stelle locken vor allem günstige Geschäfte. Handelsexperten hoffen, dass die Straße mit dem Neubau auf dem Gelände des Schuhhauses Leiser eine Aufwertung erfährt. Möglicherweise hilft auch eine Überdachung. © Archivfoto: Günter Distler


Lange Jahre war der Fanshop des 1.FC Nürnberg an der Ludwigstraße zu Hause. Die Zeiten sind vorbei. Aber auch wenn der Verein sich gerade aus der Bundesliga verabschiedet hat, aus der Innenstadt verabschiedet er sich nicht. Ganz im Gegenteil. Der Fanshop wird an prominenterer Stelle wieder öffnen: In den Räumlichkeiten von Trachten Moser neben dem Modehaus Purrucker am Josephsplatz. Und noch etwas tut sich hier: Der Waffenhändler Frankonia ist bereits nach Boxdorf gezogen. In die Räume zieht der Outdoorspezialist Globetrotter ein.

Ein paar Meter weiter hat sich Marmot bereits aus der Kaiserstraße verabschiedet. Ein neuer Mieter für das Objekt ist bereits gefunden: Hier werden künftig Elektrofahrräder verkauft – und zwar mit Spezialservice. Müssen die Räder irgendwann einmal repariert werden, dann kommen die Kunden in den Genuss einer mobilen Werkstatt, müssen mit ihren Elektrorädern aber nicht extra in die Innenstadt fahren.

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"Die Zeit der Burger ist vorbei"

Uwe Fraaß ist nicht nur Immobilienmakler, er hat sich (wenn er nicht neuerdings auf den Balearen Villen verkauft) auf Gewerbeimmobilien spezialisiert. Er weiß genau, welche Geschäfte funktionieren, welche vielleicht schnell wieder schließen müssen. "Die Zeit der Burger ist eigentlich schon wieder vorbei", sagt er. Deshalb wird am Lorenzer Platz auch nicht der x-te Burgerladen eröffnen. Dort, wo der Juwelier Kristfeld als einer der letzten in der Stadt bis zum Ende vergangenen Jahres hochwertige Uhren repariert hat, wird ein Tagescafé entstehen. Gleich nebenan, so Fraaß, wird die Barcelona-Kette ihr drittes Lokal in der Stadt eröffnen. An der Königstraße baut Vapiano immer noch um, nebenan läuft der Abverkauf bei Brautmoden-Herzog – auch hier gibt es eine Frischekur. Dass es bei dem Schnellitaliener so lange bis zur Wiedereröffnung dauert, hat übrigens einen ganz bestimmten Grund. "Haben Sie einen Handwerker?", fragt Fraaß fast schon scherzhaft. Die sind derzeit schließlich Mangelware.

Ebenso Mangelware: inhabergeführte Geschäfte. Das sagt Jürgen Dörfler, der für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt und Ehrenpräsident der Akademie Handel ist. Stattdessen findet eine immer größere Filialisierung statt – die entsprechend langweilig ist. Und nicht nur das: "In der Karolinenstraße ist der Unmut groß", sagt Dörfler. Der Grund: Wo es einst bei Wieseler & Mahler feine Teller und Töpfe gab, wird künftig Rossmann Seife und Duschgel verkaufen. "Jetzt fehlt dort nur noch Aldi", sagt Dörfler und spricht von einem "Downgrading". Auch ein paar Meter weiter sieht es seiner Meinung nach nicht besser aus: "Die Breite Gasse ist tot", sagt er. "Die Frequenz ist da", sagt er, "auch vormittags." Aber: "Ein kaufkräftiges Publikum ist erst ab 11.30 Uhr in der Innenstadt, wenn die Leute in der Mittagspause bummeln." Und selbst dann seien zu wenig Menschen mit Einkaufstüten unterwegs. Was also tun? Dörfler findet: "Eine Idee kann auch einmal verrückt sein." Man könne immer noch prüfen, was realisierbar ist. Dörfler schlägt etwa eine Überdachung der Breiten Gasse vor – freilich nicht komplett über die ganze Straßenbreite, aber eben so, dass man in Ruhe und ohne Regenschirm bummeln kann.

Innenstadt im Wandel: Billighändler in der Breiten Gasse

Feste Marktstände auf dem Obstmarkt

Außerdem auf Dörflers Wunschliste für die City: Eine Neuordnung auf dem Hauptmarkt. "Wer sagt denn, dass der Grüne Markt unbedingt dort sein muss?" Sein Vorschlag: feste Stände für die Händler – und zwar auf dem Obstmarkt. Wie ein kleiner Viktualienmarkt sollte es dort dann aussehen. Oder wie in Fürth. Vom neuen Wochenmarkt in der Nachbarstadt ist Dörfler begeistert.

Auf dem Hauptmarkt selbst wäre so Platz für Neues. Und das braucht es laut Dörfler auch, schließlich wird – wenn das Deutsche Museum erst einmal fertig ist – neue Frequenz aus der Tuchgasse in Richtung Hauptmarkt kommen. Dörflers Vorschlag: Der Neptunbrunnen soll vom Stadtpark zurück auf den Hauptmarkt. Eine entsprechende Initiative war vor Jahren gescheitert.

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Julia Vogl

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