Donnerstag, 29.10.2020

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Neues Buch: Leben zwischen Not und Hoffnung

Schicksalsjahr 1945 in Mittelfranken und der Oberpfalz wird beleuchtet - 17.10.2020 07:59 Uhr

Amerikanische Soldaten halten an Hitlers Geburtstag, am 20. April 1945, ihre Siegesparade auf dem Nürnberger Hauptmarkt ab. Ein neues Zeitalter beginnt.

© Foto: US Army


Eine schreckliche Tragödie: Für den Studenten Robert Limpert kam die Befreiung durch die Amerikaner wenige Stunden zu spät. Ansbachs Kampfkommandant Ernst Meyer hatte den 19-Jährigen wegen "Verrats" am 18. April 1945 zum Tode verurteilt und ihn an einem Fleischerhaken am Tordurchgang zum Rathaus erhängt.

Der junge Mann hatte ein Kabel durchtrennt, das den Gefechtsstand des Kampfkommandanten mit Truppen verband, die vor der Stadt postiert waren. Was Limpert nicht wusste: Die Leitung war längst tot, die Soldaten vor den Toren geflohen.

In Todesangst schreiend

Doch für den "Sabotage-Akt" ließ er sein Leben: Er konnte sich zwar auf dem Weg zur Hinrichtung von seinen Bewachern losreißen und in Todesangst schreiend durch die Straßen laufen. Aber er wurde eingeholt und unerbittlich zum Henkerseil geschleppt. Beim ersten Mal riss der Strick, erst beim zweiten Versuch gelang, was Juristen heute als Mord werten. Oberst Meyer sah dies anders: Er habe nur seine Pflicht getan.

Das Buchcover zeigt den zaghaften Neuanfang inmitten von Trümmern und Zerstörung: Marktfrauen bieten an bescheidenen Ständen Gemüse und Obst an.

© Stadtarchiv Nürnberg


Das ist nur eine von vielen berührenden Geschichten, die das Buch "Aufbruch zwischen Trümmern" auf 196 Seiten erzählt. Wie es den Menschen in Nürnberg und der Region im Jahr 1945 erging, darüber berichtet das Werk sehr eindrücklich, sensibel und spannend. Es ist im handlichen Format 16,5 cm mal 16,5 cm gedruckt, so dass man es überall hin mitnehmen und lesen kann.

Weiße Fahnen am Rathaus

Der Leser findet Antworten auf die Frage, warum Nürnberg für die Nationalsozialisten besonders attraktiv war. Es schildert die Kapitulation in Fürth, als weiße Fahnen vom Rathausturm hingen. Und es berichtet die Vertreibung von Millionen Deutschen aus Ostgebieten und der Ankunft vieler Geflüchteter in Franken.

Wie wurden sie in Forchheim und Neumarkt aufgenommen? Warum waren Christbaumkugeln beim Wiederaufbau in Roth so wichtig? Und wie hausten Plünderer in Neumarkt ab? Welche Bedeutung hatte ein kleiner Koffer in einem Fürther Luftschutzkeller? Und wie feierten die Amerikaner an Hitler Geburtstag auf dem Nürnberger Hauptmarkt? Auf alle Fragen gibt das Buch Antwort.

Bilderstrecke zum Thema

Nürnberg im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs

Seit 1943 flog die Royal Air Force regelmäßig Großangriffe auf Nürnberg, den verheerendsten am 2. Januar 1945, als 521 Flugzeuge ihre tödliche Fracht über der Altstadt abluden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Nürnberg zu 90 Prozent zerstört.


Der Band ist sehr reich illustriert. Die Fotos, von denen manche zum ersten Mal veröffentlicht werden, unterstreichen den intensiven Eindruck der sachkundigen Texte. Sie machen Geschichte im wahrsten Wortsinn anschaulich. Bewegende Erzählungen stehen neben genauen Analysen und geschichtlichen Rückblicken. Doch auch der Blick nach vorne kommt nicht zu kurz: Die Nachkriegszeit, die Hamsterjahre und der Wiederaufbau sind ebenfalls Themen.

Kompetent und packend geschrieben

Für viele Menschen ist das Jahr 1945 ganz weit weg. Und doch leben noch viele, die dieses Schicksalsjahr erlitten und erlebt haben. Es ist unsere Zeitgeschichte, die bis in die Gegenwart hereinragt. Ein abwechslungsreiches, kompetent und packend geschriebenes Buch. Wer jetzt schon an Weihnachtsgeschenke denkt, hat hier eine gute Empfehlung.

Das Buch erscheint im Verlag Nürnberger Presse und ist nur in den Geschäftsstellen dieser Zeitung sowie der Heimatzeitungen und online im Zeitungsshop.nordbayern.de erhältlich. Man kann es auch telefonisch bestellen: Es kostet 12,90 Euro, Zac-Karten-Besitzer erhalten es für 10,90 Euro.

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