Neues ICE-Werk in Franken: Diese Flächen kommen in Frage

21.11.2020, 05:51 Uhr
Das ICE-Werk in Köln-Nippes ist Vorbild für das geplante, 400 Millionen Euro teure Werk in der Metropolregion Nürnberg.

Das ICE-Werk in Köln-Nippes ist Vorbild für das geplante, 400 Millionen Euro teure Werk in der Metropolregion Nürnberg. © Foto: Deutsche Bahn/Daniel Saarbourg

Die Deutsche Bahn favorisiert ein 45 Hektar großes Areal bei Altenfurt, zu den anderen Standorten wollte sie sich bisher nicht äußern. Daraufhin wurde in der Öffentlichkeit über verschiedene Flächen spekuliert.

Im Gespräch mit der Lokalredaktion verrät DB-Projektleiter Carsten Burmeister weitere möglichen Standorte: Es handelt sich um Grundstücke am Nürnberger Rangierbahnhof, bei Burgfarrnbach, Allersberg und Baiersdorf. Ob auch die Muna Feucht infrage kommt, ist noch unklar.

Die Bahn betont, dass sie alle Areale nach den gleichen Kriterien untersucht. Sie will aber keinesfalls den Eindruck erwecken, dass sie in irgendeiner Weise dem Raumordnungsverfahren vorgreift.

Folgen und Belastungen

Daher ist es schwierig, so Burmeister, Fragen zu Folgen und Belastungen detailliert jetzt schon zu beantworten. Vielmehr ist es Aufgabe des Genehmigungsverfahrens, Auswirkungen für Mensch und Natur ebenso zu gewichten wie die technischen Voraussetzungen, die für das ICE-Werk notwendig sind. Nach Abwägung aller Kriterien fällt die Entscheidung: Das kann, muss aber nicht der Standort bei Altenfurt sein.

Im Nürnberger Südosten formiert sich derweil Protest: Der Bürgerverein hat in einem Gespräch mit der Bahn deutlich gemacht, dass man das ICE-Werk nicht vor der Haustür der Fischbacher oder Altenfurter haben will. Nach ersten Überlegungen würde es nämlich am nähesten Punkt nur etwa 50 bis 60 Meter von der Wohnsiedlung entfernt entstehen. Der DB-Projektleiter betont, dass sich dort die 450 Meter lange Werkshalle befinden würde: "Sie ist absolut schalldicht, von ihr geht kein Lärm aus."


Protest gegen neues ICE-Werk: "Das ist Wahnsinn"


Allerdings kann man auf das vorgeschriebene, 100 Dezibel laute Hupen nicht verzichten. Das Warnsignal würde aber nicht in der Nähe der Wohnhäuser getestet, falls der Standort Altenfurt ausgewählt würde, sondern in etwa auf der Höhe des Gewerbegebiets. In der schalldichten Halle dürfe es zum Schutz der Beschäftigten nicht ausgelöst werden.

Das funktionierende Signal ist Voraussetzung dafür, dass ein ICE mit 300 Stundenkilometern Geschwindigkeit unterwegs sein darf. Fällt es aus, sind die Züge auf 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Die Hupe muss täglich einmal geprüft werden. Doch Auflagen für Lärm oder auch nächtliche Beleuchtung des Areals sind Gegenstand eines Planfeststellungsverfahrens, das sich an das Raumordnungsverfahren anschließt. Die Bahn bittet daher um Verständnis, dass viele Fragen zum jetzigen Zeitpunkt offen bleiben müssen.

Das Schienen-Unternehmen will im Frühjahr 2021 einen Bürgerdialog aufnehmen. Damit möchte es Befürchtungen entgegenwirken, dass wesentliche Fragen bereits entschieden sind. "Das stimmt nicht, wir stehen erst am Anfang und nehmen Anregungen aus der Bevölkerung auf", betont Burmeister.

Falls nach Abschluss der Raumordnung tatsächlich der Standort Altenfurt ausgewählt wird, geht es auch um die Dimension des Flächenverbrauchs. Die Bahn hatte bei der Vorstellung des Projekts 45 Hektar benannt, ein Großteil davon ist Reichswald. Dass das Schienen-Unternehmen, mit dem die ökologische Verkehrswende in Deutschland erreicht werden soll, dafür eine Menge Bäume rodet, stieß nicht nur bei Grünen und Bund Naturschutz auf Unverständnis und Widerstand.

Der DB-Projektleiter räumt ein, dass die ökologische Frage der Schwachpunkt bei der Altenfurter Flächenwahl ist. Mit 45 Hektar sei der maximale Flächenverbrauch angegeben, dieser könne sich aber noch verringern. Bei späteren Detailplanungen würde nämlich der geringstmögliche Flächenverbrauch errechnet.

Jeder Quadratmeter gerodeter Reichswald werde andernorts durch Neupflanzungen ersetzt. Auch bei der Länge des ICE-Werks mit allen Außenanlagen sei mit 5,5 Kilometern ein Maximalwert benannt. Durch eine andere Aufteilung könne dies weniger sein.

Einer Behauptung widerspricht die Bahn entschieden: Bei den 450 Arbeitsplätzen handle es sich nicht um eine Verschiebung von bereits bestehenden. Vielmehr seien es neue Arbeitsplätze, die in dem ICE-Werk in der Metropolregion geschaffen werden sollen.

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