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Neues Ranking: Warum Nürnberg eine Staustadt ist

Nur an wenigen Orten stehen Autofahrer mehr als in der Frankenmetropole - 29.01.2020 20:22 Uhr

Gewohnter Anblick von der Jansenbrücke: Stau

29.01.2020 © Michael Matejka, NN


Durchschnittlich 119 Stunden stand jeder Autofahrer im Jahr 2019 in Nürnberg im Stau: Das geht aus einer Analyse der Firma TomTom hervor. Im weltweiten Ranking landet Nürnberg in dieser Liste der staureichsten Städte auf Platz 129, zwischen dem italienischen Genua und dem griechischen Thessaloniki. Betrachtet man dagegen nur die deutschen Städte, landet Nürnberg auf Platz fünf – hinter Spitzenreiter Hamburg, Berlin, Wiesbaden und München. Die Frankenmetropole liegt also im Stau-Ranking deutlich vor Städten wie Stuttgart, Köln oder Frankfurt am Main. Wie kommt das?

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Baureferent Daniel Ulrich kennt die Analyse und sieht für die Platzierung Nürnbergs mehrere Gründe: Allem voran spielten hier große Baustellen in der Umgebung eine entscheidende Rolle, erklärt Ulrich. Ein Beispiel sei die Großbaustelle auf der A3 am Kreuz Fürth/Erlangen. Auch auf der südlich von Nürnberg verlaufenden A6 wird gebaut, auf der A9 als Verbindung in Richtung München sieht es nicht anders aus. Fast überall werde gebaut, was an sich bereits zu Verkehrsverzögerungen führe. Wenn dann noch Unfälle hinzukommen und Fahrbahnen gesperrt werden müssen, "schlagen diese Sperrungen voll durch", sagt Ulrich.

Frauentorgraben wird täglich zur Staumeile

Soll heißen: Die Autofahrer weichen aus – und stehen dann eben im Stadtgebiet im Stau. "Da werden aus Straßen, die 20 000 Fahrzeuge verkraften, schnell solche, auf denen 40 000 fahren", erklärt der Baureferent. Das sei jedoch nur ein Teil der Erklärung: Auch Bauarbeiten in Nürnberg selbst tragen ihren Teil zu den Staus bei. Nachdem es dafür lange kein Geld gegeben habe, baue die Stadt endlich wieder, so Ulrich. Nur: "Die Tatsache, dass das Richtige gemacht wird", bringe eben trotzdem Unannehmlichkeiten mit sich. Denn Baustellen nehmen im öffentlichen Raum nun einmal Platz weg. Dabei geht es nicht nur um Straßen, auf denen Schlaglöcher ausgebessert werden, sondern auch um Baustellen, die mit dem Verkehr wenig zu tun haben.

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Das Riesenprojekt Tafelhof-Palais neben dem Hauptbahnhof beispielsweise ist keine Verkehrsbaumaßnahme, aber es prägt die Situation rund um den Hauptbahnhof natürlich trotzdem – und führt dazu, dass der Frauentorgraben täglich zur Staumeile für viele Autofahrer wird. "Die Baustelle ist ganz einfach im Weg", sagt Ulrich. Darin, dass sich die Zahl der in Nürnberg zugelassenen Kfz laut Verkehrszählung der 300000er-Marke nähert, sieht der Baureferent nur teilweise einen Grund für die Stau-Thematik. "Es sind zwar so viele Fahrzeuge wie nie zuvor, aber sie fahren auch so wenig wie nie zuvor", so Ulrich, nämlich durchschnittlich unter 3000 Kilometer im Jahr.

Mützen stricken im Stau

So tragen die im Stadtgebiet zugelassenen Fahrzeuge vielleicht nicht den größten Teil zu den täglichen Staus in Nürnberg bei, unproblematisch macht es sie jedoch aus Sicht des Baureferenten trotzdem nicht. Die Autos stehen im öffentlichen Raum und nehmen, vor allem in hochverdichteten Stadtteilen wie der Südstadt, den ohnehin schon knappen Platz weg. Wenn man all diese Faktoren berücksichtige, erkläre sich die wenig rühmliche Platzierung Nürnbergs, so der Referent. Und im Vergleich zu vielen anderen Städten ist die Situation in Nürnberg wohl doch recht entspannt. Denn der "Traffic Index" von TomTom bringt weltweit ganz andere Resultate hervor.

Zum neunten Mal hat der niederländische Hersteller von Navigationssystemen seine Analyse veröffentlicht, in der er nach eigenen Angaben die Daten von weltweit mehr als 600 Millionen Fahrern ausgewertet hat, die die Technologie des Unternehmens nutzen – sei es in Form von Navigationsgeräten oder auf dem Smartphone. So hätten Autofahrer in Nürnberg zwar laut "Traffic Index" in den 119 Stunden, die sie im Stau standen, ganze 30 Mützen stricken können. Gleich doppelt so viele wären es mit 61 aber in Bengaluru gewesen, der weltweit staureichsten Stadt im Jahr 2019. Und das, obwohl man warme Ohren in Franken sicher besser gebrauchen kann als in Südindien.

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