Dienstag, 26.01.2021

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Nürnberger Katastrophen direkt aufs Handy

Stadt nutzt als erste in Bayern den kostenlosen Warndienst "Katwarn" - 24.06.2013 12:45 Uhr

Hier eine Beispielmeldung über eine Bombendrohung in Hamburg.

24.06.2013 © Apple Store


Forscher des Berliner Instituts Fraunhofer Fokus haben das System entwickelt. In Nürnberg geht es auf eine Kooperation der Stadt, der Feuerwehr, der Versicherungskammer Bayern und des Fraunhofer Instituts Fokus zurück. Es soll aber nicht die Anweisungen von lokalen Behörden, Polizei oder Einsatzkräften ersetzen, sondern ergänzend dienen. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, einsatzstrategisch die Bevölkerung in Nürnberg zu warnen - kleinteilig und postleitzahlengenau, so dass wir genau diejenigen erreichen, die von einer Bombenwarnung oder einer Giftgaswolke betroffen sind“, erläuterte Feuerwehrchef Volker Skrok am Montag.

Wer die Warnungen erhalten möchte, kann sich kostenlos bei dem Online-System anmelden. Die Mitteilungen kommen per SMS oder als Email. Alternativ dazu können sich Interessierte eine Anwendung für ihr Smartphone herunterladen. Die  App gibt es sowohl für IPhones als auch für Android-Handys.

Laut der Homepage des Frauenhofer Instituts Fokus werden die Nutzer nicht nur informiert, dass es eine Gefahr gibt, sondern auch, wie gegebenenfalls zu handeln sei. Die Warnungen werden von den örtlichen Feuerwehr- und Rettungsleitstellen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Katastrophenschutzbehörden verfasst.

Der Anbieter betont jedoch, dass keine hundertprozentige Verlässlichkeit gegeben sei. Vor allem bei Störungen des Mobilfunknetzes, des Internets oder der Stromversorgung sei mit Ausfällen zu rechnen.

Deutschlandweit wenden schon 19 Städte "Katwarn" an - darunter Berlin, Hamburg und Oldenburg. In Bayern ist Nürnberg die erste Stadt, die das System einführt. 15.000 Euro musste die Kommune für die Installation zahlen.

An- und Abmeldung des Systems

Um sich bei dem Dienst anzumelden, sendet man eine SMS an die 0163-755 88 42

- Für Warnungen nur per SMS mit dem Inhalt: "KATWARN 12345“ (Statt 12345 die jeweilige Postleitzahl, zum Beispiel "KATWARN 90402")

- Für Warnungen per SMS und E-Mail hingegen: "KATWARN 12345 hans.mustermann@mail.de“ (Statt 12345 auch hier die jeweilige Postleitzahl und danach die eigene E-Mail-Adresse)

Um sich gegebenenfalls wieder abzumelden schickt man eine SMS mit "KATWARN AUS“ erneut an die Nummer 0163-755 88 42.

"Katwarn" steht als Smartphone-App für das iPhone (ab Version iOS 5) sowie seit Kurzem auch für Android-Smartphones (ab Version 2.3.3) zu Verfügung. Hier informieren Benachrichtigung (via Push) über Gefahrenmeldungen, wobei neben dem aktuellen Standort (dem "Schutzengel") über zwei selbstwählbare Orte informiert wird. Betritt der Nutzer eine aktuelle Gefahrenzone, sendet die Funktion "Katwarn-Schutzengel“ sofort eine Warnung.

Selbstversuch der Online-Redaktion

Die Kundenrezensionen über die iPhone-App sind durchwachsen. "Mark Itzero" nutzt den Dienst seit über fünf Monaten und ist begeistert. Wobei hingegen "PhilMUC", der anscheinend bei der Feuerwehr oder der Polizei arbeitet, die App als "Blödsinn" bezeichnet und schreibt: "Sinnlose App! Warum? Naja, es ist Kat-Alarm ausgelöst und die App meldet 'Es liegen keine Warnungen vor' ... Warum bin ich dann eigentlich im Einsatz?"

Einstellungen des "Katwarns" für Android-Nutzer.

24.06.2013 © chs


Die Online-Redaktion hat die neue Android-App für Sie getestet und einen ersten Blick auf "Katwarn" geworfen. Der "Schutzengel", der den aktuellen Ort darstellen soll, zeigt trotz GPS an, dass wir uns in Charlottenburg (Berlin) befinden würden. Da man aber selbst zusätzlich zwei Orte hinzufügen kann, konnten wir unseren richtigen Standort ergänzen. Leider kam es bei einer 10-minütigen Nutzung der App zu sechs Abstürzen.

Wie es letztendlich mit den Warnungen aussieht, wird sich erst mit der Zeit herausstellen. Doch ein Blick auf andere Städte, die das System bereits länger nutzen, zeigt, dass es sehr gut funktionieren kann.

Erfahrungen aus anderen Städten

In Berlin wurde "Katwarn" zum Beispiel erstmals am 17. Oktober 2012 bei einem Großbrand in Berlin-Reinickendorf eingesetzt, als es zu einer starken Rauchentwicklung kam und die Anwohner aufgefordert werden mussten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Im Winter informierte die Berliner Feuerwehr durch "Katwarn" die Bürger über Blitzeis und riet zur Vorsicht auf den Straßen.

Bereits 20.000 Nutzer haben sich seit Juni 2012 in Berlin registriert. Vier Mal informierte seit dem die Feuerwehr über das System über Großbrände und Unwetter. Das letzte Mal erst vergangenen Donnerstag, als der Deutsche Wetterdienst vor schweren Unwetter warnte. Die Berliner Feuerwehr meldet überwiegend positive Rückmeldungen über den Informationsdienst und ist bisher sehr zufrieden.

Dieser Artikel wurde am 24. Juni 2013 aktualisiert.

Christine Schaffner

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