Nürnbergs stille Örtchen: Vom "Pissort" zum Hightech-Erlebnis

23.1.2015, 10:03 Uhr
Nürnbergs Besucher konnten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auf das Klo für alle Fälle vertrauen. Damals hieß es halt noch Bedürfnisanstalt. Das Bild zeigt ein Klohäuschen am Vestnertor.
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Nürnbergs Besucher konnten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auf das Klo für alle Fälle vertrauen. Damals hieß es halt noch Bedürfnisanstalt. Das Bild zeigt ein Klohäuschen am Vestnertor. © Stadt Nürnberg

Auch am Henkersteg konnten sich die Menschen um 1900 erleichtern - in einer sandsteingemauerten Edel-Bedürfnisanstalt.
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Auch am Henkersteg konnten sich die Menschen um 1900 erleichtern - in einer sandsteingemauerten Edel-Bedürfnisanstalt. © Stadt Nürnberg

In den 1960-er Jahren achtete man in Nürnberg weniger auf Eleganz, sondern eher auf Zweckmäßigkeit. Betitelt wurde dieses Bild 1962 mit
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In den 1960-er Jahren achtete man in Nürnberg weniger auf Eleganz, sondern eher auf Zweckmäßigkeit. Betitelt wurde dieses Bild 1962 mit "der stilvoll schlichte Neubau am Luitpoldhain". Schon damals kostete ein Neubau solch einer WC-Anlage 60.000 DM. © Gerardi

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"Mehr für den romantisch-historischen Sinn der Nürnberger zeugt dieses Beispiel", schrieb die Zeitung 1962 über diese öffentliche Toilette am Marientunnel. Kaum zu glauben, mutet dieses Häuschen doch eher wie ein Knast an. © Gerardi

Der zweckmäßige Baustil der 1960-er Jahre löste gleichzeitig auch den Begriff
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Der zweckmäßige Baustil der 1960-er Jahre löste gleichzeitig auch den Begriff "Bedürfnisanstalt" ab. Über dem Eingang zu dieser öffentlichen Toilette an der Deutschherrenstraße steht kurz und prägnant "Pissort". © Gerardi

Was sich bis heute nicht geändert hat: Klofrauen sorgen dafür, dass die WC-Anlagen sauber und hygienisch bleiben. Allerdings stehen die Frauen und Männer heute nicht mehr vor öffentlichen WC-Anlagen, sondern vornehmlich in Kaufhäusern und Rastanlagen. Heute wäre eine extra angestellte Klofrau für die Stadt zu teuer.
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Was sich bis heute nicht geändert hat: Klofrauen sorgen dafür, dass die WC-Anlagen sauber und hygienisch bleiben. Allerdings stehen die Frauen und Männer heute nicht mehr vor öffentlichen WC-Anlagen, sondern vornehmlich in Kaufhäusern und Rastanlagen. Heute wäre eine extra angestellte Klofrau für die Stadt zu teuer. "Das modern eingerichtete 'Häusla' in der ehemaligen Fleischbank beim Hauptmarkt in der Winklerstraße", schrieb die Zeitung 1962 zu diesem Bild. © Gerardi

Das Symbol, um eine Toilette auszuzeichnen, wird es auch in Zukunft noch geben. International verständlich, eindeutig. Aber warum zwei Nullen? Da gehen die Meinungen auseinander: Von zwei symbolhaften Pobacken, über die Ähnlichkeit der Toilette mit der 00 bei hochgeklappter Brille über die Version, dass Hotels den Raum mit der Toilette 00 bezeichneten, um Verwechslungen mit Zimmernummern auszuschließen...Suchen Sie sich Ihre Lieblingsversion aus.
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Das Symbol, um eine Toilette auszuzeichnen, wird es auch in Zukunft noch geben. International verständlich, eindeutig. Aber warum zwei Nullen? Da gehen die Meinungen auseinander: Von zwei symbolhaften Pobacken, über die Ähnlichkeit der Toilette mit der 00 bei hochgeklappter Brille über die Version, dass Hotels den Raum mit der Toilette 00 bezeichneten, um Verwechslungen mit Zimmernummern auszuschließen...Suchen Sie sich Ihre Lieblingsversion aus. © Gerardi

Öffentliche Toiletten in Bahnhöfen sind ein Thema für sich. Oft schmuddelig und schmutzig, machen potenzielle Nutzer gerne einen Bogen um diese WCs. Die Unterschrift zu diesem Bild lautete schon in den 1960-er Jahren:
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Öffentliche Toiletten in Bahnhöfen sind ein Thema für sich. Oft schmuddelig und schmutzig, machen potenzielle Nutzer gerne einen Bogen um diese WCs. Die Unterschrift zu diesem Bild lautete schon in den 1960-er Jahren: "In die Tiefe geht's beim Plärrer hinab - nach links die Herren, nach rechts die Damen. An diesem Verkehrsknotenpunkt ein 'Oertla', wie die Nürnberger sagen, das sich aber über mangelnden Besuch zu beklagen hat." © Gerardi

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"Die höchste 'Anlage' der Stadt" befand sich 1962 im Wehrgang am Burggarten. © Gerardi

Nürnberger waren schon immer kreativ, wenn es darum ging, optisch anmutigen Anlagen einen Spitznamen zu verpassen. Die 1974 gebaute WC-Anlage am Rathenauplatz tauften die Nürnberger
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Nürnberger waren schon immer kreativ, wenn es darum ging, optisch anmutigen Anlagen einen Spitznamen zu verpassen. Die 1974 gebaute WC-Anlage am Rathenauplatz tauften die Nürnberger "Brunsoper". Lang überlebt hat dieselbige übrigens nicht. Heute stehen hier Gebäude. © Archiv

Auch an vielen anderen öffentlichen WCs in Nürnberg nagte der Zahn der Zeit...
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Auch an vielen anderen öffentlichen WCs in Nürnberg nagte der Zahn der Zeit... © Rainer Thiele

Kurz vor der Stilllegung steht auch Nürnbergs wohl historischste WC-Anlage. Mitten in der Zeppelintribüne wurde ein öffentliches WC installiert. Auch im Sommer durch die dicken Mauern immer wohl temperiert und in historischer Kühle gehalten, kann man beim Toilettengang Nürnbergs düstere Geschichte quasi mit einatmen...
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Kurz vor der Stilllegung steht auch Nürnbergs wohl historischste WC-Anlage. Mitten in der Zeppelintribüne wurde ein öffentliches WC installiert. Auch im Sommer durch die dicken Mauern immer wohl temperiert und in historischer Kühle gehalten, kann man beim Toilettengang Nürnbergs düstere Geschichte quasi mit einatmen... © Michael Matejka

Wenn ein Klo in die Jahre kam, wurde es auch mal kurzerhand zu einer Kunstinstallation umfunktioniert, wie hier an der Hallerwiese.
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Wenn ein Klo in die Jahre kam, wurde es auch mal kurzerhand zu einer Kunstinstallation umfunktioniert, wie hier an der Hallerwiese. © privat

Die Moderne schlägt auch in Nürnberg unerbittlich zu. Anstatt Klofrauen, versperren uns heute am Hauptmarkt Schranken den eiligen Gang auf die Toilette. Wer etwas zahlen muss, der geht auch besser mit der Anlage um, ist das Credo.
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Die Moderne schlägt auch in Nürnberg unerbittlich zu. Anstatt Klofrauen, versperren uns heute am Hauptmarkt Schranken den eiligen Gang auf die Toilette. Wer etwas zahlen muss, der geht auch besser mit der Anlage um, ist das Credo. © Karlheinz Daut

Die ersten anmutigen Hightech-Toiletten bahnen sich zur Jahrhundertwende ihren Weg nach Nürnberg, so wie hier am Dutzendteich.
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Die ersten anmutigen Hightech-Toiletten bahnen sich zur Jahrhundertwende ihren Weg nach Nürnberg, so wie hier am Dutzendteich. © Julia Vogl

Das Luxus-Toilettenhaus am Vestnertorgraben wurde zum Spott der Bürger. Viel, viel Geld kostete diese Edelvariante aus dem Jahr 2012 - und kaum jemand nutzt es bisher. Bis diese Toilette Geld in die Kassen spült und nicht nur den Abfluss hinunter, dürften noch einige Jahre vergehen.
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Das Luxus-Toilettenhaus am Vestnertorgraben wurde zum Spott der Bürger. Viel, viel Geld kostete diese Edelvariante aus dem Jahr 2012 - und kaum jemand nutzt es bisher. Bis diese Toilette Geld in die Kassen spült und nicht nur den Abfluss hinunter, dürften noch einige Jahre vergehen. © Harald Sippel

2015 bahnte sich eine Revolution in Sachen öffentliche Toilette an. Litfaßsäulen werden in der Innenstadt zu stillen Örtchen umfunktioniert.
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2015 bahnte sich eine Revolution in Sachen öffentliche Toilette an. Litfaßsäulen werden in der Innenstadt zu stillen Örtchen umfunktioniert. © Stadt Stuttgart

Als Steigerung gäbe es da nur noch versenkbare Urinale, wie hier in den Niederlanden. Dann würde man auch dem höchstrichterlichen Urteil gerecht, dass man nun ganz offiziell im Stehen pinkeln darf - also zumindest die Männer.
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Als Steigerung gäbe es da nur noch versenkbare Urinale, wie hier in den Niederlanden. Dann würde man auch dem höchstrichterlichen Urteil gerecht, dass man nun ganz offiziell im Stehen pinkeln darf - also zumindest die Männer. © Urilift BV