Nürnbergs Surfer wollen die Wöhrder Welle

6.5.2011, 18:36 Uhr
Surfen in der Stadt: München hat kein Meer, aber den Eisbach. Nürnbergs Wellenreiter haben den Wöhrder See und eine Idee...

Surfen in der Stadt: München hat kein Meer, aber den Eisbach. Nürnbergs Wellenreiter haben den Wöhrder See und eine Idee... © dpa

„Der Vorschlag hat uns völlig überrascht, auf so etwas wären wir nicht gekommen“, sagt Ulrich Fitzthum, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Die meisten anderen anwesenden Bürger waren zwar nicht begeistert, es dominierten Anwohner und Erholungssuchende mit Angst vor Lärm und jugendlicher Ausgelassenheit. Doch im Internet kommt die Idee bestens an, auf Facebook hat die Initiative schon fast 500 Fans.

„Als ich in München zum ersten Mal den Eisbach sah, war ich begeistert“, schwärmt Michael Heitz. „Sowas müsste hier doch auch möglich sein! Jetzt steht eine Summe von zehn Millionen Euro für die See-Umgestaltung im Raum – selbst wenn die Baumaßnahmen zur Erzeugung der Welle 100000 Euro kosten sollte, wäre das gerade mal ein Prozent“, rechnet er vor.

Ein Disneyland ist nicht geplant

Ein Prozent für junge Sportler, für eine Attraktion – darüber kann man schon mal nachdenken. Dies tut zum Beispiel der CSU-Stadtrat Marcus König: „Wir haben den Vorschlag in unserer Projektgruppe aufgenommen. Das ist eine coole Idee, Nürnberg hätte in Franken ein Alleinstellungsmerkmal. Die Frage ist, ob es technisch machbar ist. Aber wir werden das auf jeden Fall prüfen. Etwas für junge Leute dort zu machen, das wäre schön.“

Die Bedenken von Anwohnern und Naturschützern kann König verstehen, aber er sieht keinen Grund zur Besorgnis: „Niemand will den Wöhrder See in ein Disneyland verwandeln! Es werden vorwiegend Naturschutz- und Erholungszonen eingerichtet. Zuviel Gaudi wird es nicht geben – nur vielleicht ein bisschen am Badestrand und an der Strandbar.“ Zu den Hauptproblemen bei der Umsetzung zählt die niedrige Fließgeschwindigkeit im See – doch die soll bei der Umgestaltung ohnehin erhöht werden. Um die Welle durch ein Gefälle zu erzeugen, würde sich der Wöhrder Talübergang anbieten. „Dort gibt es auch keine direkten Anwohner“, sagt Heitz.

Falls sich die Welle nicht realisieren lässt, haben die Surfer einen Plan B: Man könnte einen Wellengarten einrichten, was allerdings teurer sein dürfte. Plan C wäre eine Anlage für Wasserskifahrer, die an Seilen von Elektromotoren gezogen werden. SPD-Stadtrat Thorsten Brehm, der die Wellen-Idee persönlich sympathisch findet, hat noch einen weiteren Vorschlag: „In Schniegling habe ich am Fuchsloch gesehen, wie sich Surfer an einer Brücke festgebunden haben. Ich kann mir schon vorstellen, etwas für Surfer im Stadtgebiet zu machen, falls es am Wöhrder See nicht umsetzbar ist.“

Das Ergebnis der technischen und finanziellen Prüfung soll etwa im Juli feststehen. Bis dahin träumen Nürnbergs Surfer schon mal von der perfekten Wöhrder Welle.

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