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Obdachlose in Nürnberg: Stadt toleriert nicht jedes Lager

Das Nächtigen ohne festes Dach über dem Kopf ist nicht überall erlaubt - 05.07.2016 06:00 Uhr

Weil der Ort sauber gehalten werde und sich die Bewohner "anständig verhal­ten", toleriert die Stadt seit Jah­ren das Lager unter der südlichen Franz-Josef-Strauß-Brücke. © Eduard Weigert


Verboten ist das Übernachten in Grünanlagen, in der Fußgängerzo­ne und in der Königstorpassage. Grundsätzlich gilt in Nürnberg laut Bürgermeister und Sör-Werk­leiter Christian Vogel der Ansatz "Prävention vor Restriktion". Demnach haben auch Obdachlose "das Recht, ihren Aufenthalt und 'Wohnsitz' im öffentlichen Raum zu nehmen, so weit sie sich an die Spielregeln halten". Weil der Ort sauber gehalten werde und sich die Bewohner "anständig verhal­ten", toleriert die Stadt seit Jah­ren das Lager unter der südlichen Franz-Josef-Strauß-Brücke.

Blumen, Kerzen und eine Spendenbox be­grüßen die Passanten, die vom Cinecittà zur Wöhr­der Wiese gehen. Ein paar Meter abwärts leben hier seit Jahren Obdachlose, die es sich inzwischen rich­tig wohnlich eingerichtet haben. Neben Sitzgarni­tur und Doppelbett gibt es auch Grill, Abfalleimer und Lichterketten. Am Be­tonpfeiler hängt auch eine schwarz-rot-goldene Fah­ne, die zeigt, dass hier während der Fußball-EM die Daumen für Deutsch­land gedrückt werden.

Weil es immer wieder Ärger mit pöbelnden Punks gab, wurde der Platz unter der nördlichen Franz-Josef-Strauß-Brücke Ende 2015 geräumt. Er ist seitdem ein "ob­dachlosenfreier Zugang für ängst­liche Bürger", so Vogel. Toleriert werden saubere Lager etwa unter der Gustav-Heinemann-Brücke. Der Platz unter der Agnesbrücke wurde zuletzt gesperrt.

j.s.

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