Protest zeigt deutliche Wirkung

7.4.2021, 19:16 Uhr
Bei einer kurzfristig angesetzten Demonstration erschienen rund 400 Teilnehmer auf dem Kapellenplatz.

Bei einer kurzfristig angesetzten Demonstration erschienen rund 400 Teilnehmer auf dem Kapellenplatz. © Foto: Eduard Weigert

Nachdem die Verkaufsabsichten für die Altenfurter Rundkapelle mit Kapellenplatz und Herrschaftsgebäude bekannt wurden, hat sich starker Widerstand formiert. Die Proteste zeigen Wirkung: Die Verkaufsgespräche sind fürs erste beendet. Ein "Runder Tisch" soll überlegen, wie es weitergehen könnte.

Vor kurzem berichtete die Lokalredaktion über Verkaufspläne der katholischen Kirchenstiftung St. Sebald. Viele Bürger wussten bis dahin nichts davon, sie waren total überrascht und entsetzt. Immerhin geht es um eines der ältesten Heiligtümer Nürnbergs, die Kapelle wird auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert und ist weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Außerdem finden neben den kirchlichen Angeboten auch öffentliche Veranstaltungen auf dem Platz statt, die von den Bürgern im Südosten Nürnbergs rege besucht werden.

Große Demonstration

Eine spontan gegründete Bürgerinitiative "Rettet den Rundkapellenplatz" veranstaltete eine Demonstration mit 400 Teilnehmern, außerdem wurden 1300 Unterschriften gesammelt und später an Bischof Gregor Maria Hanke in Eichstätt übergeben. Das Ziel: Der ganze Platz soll für die Öffentlichkeit und die Kirche erhalten bleiben.

Bei dem Treffen mit der Bürgerinitiative "Rettet den Kapellenplatz" hatten der Bischof sowie Generalvikar Michael Huber als Bistumsspitze bekundet, dass das Anliegen auch die Zustimmung der Diözese finde.

Johann Grander, Vorsitzender des Vereins "Freunde der Altenfurter Rundkapelle", war bei der Unterredung dabei: "Der Bischof hat gehört, wie wichtig das Ensemble Kapelle und Platz für uns ist, wie sehr es den Menschen ans Herz gewachsen ist. Und nicht nur einer kleinen Gruppe, sondern sehr, sehr vielen Frauen und Männern."

Zwar wisse man nicht, wie die ganze Angelegenheit ausgeht, so Grander, aber: "Jetzt hören uns die Entscheider in der Altenfurter Kirchenverwaltung. Das war bisher nicht der Fall."

In der Pfarrei brodelt es

Auch innerhalb der katholischen Pfarrgemeinde brodelte es heftig: Man fühlte sich von der Kirchenverwaltung, die unter anderem für die Finanzen zuständig ist, übergangen und schlecht informiert. Der zuständige Kirchenpfleger Helmut Gierse musste verbale Attacken aushalten.

"In der Vergangenheit gab es zu wenig Öffentlichkeitsarbeit", räumt der 68-jährige Katholik ein. "Kommunikation ist ein schwieriges Geschäft. Es ist sicher auf beiden Seiten einiges verkehrt gelaufen." Er bestätigt, dass "die Verkaufsgespräche, es waren keine Verhandlungen" mit einem privaten Investor "freundschaftlich" beendet wurden.

Gierse ist durch den öffentlichen Widerstand in die Defensive geraten, ihm ist nach eigenem Bekunden an Transparenz gelegen. Genau daran hat es nach Ansicht von Kritikern der Kirchenverwaltung bisher gefehlt.

Die Pfarrgemeinde soll nun in einem eigens gegründeten Sachausschuss entscheiden, welche pastorale Bedeutung das Areal für sie hat. Gierse sieht neben der Nutzung für religiöse Zwecke auch ein großes öffentliches Interesse. Letztlich gehe es darum, was die katholische Gemeinde behalten wolle und wovon man sich einvernehmlich trennen könne. Um zu sondieren, welche unterschiedlichen Wünsche bestehen, hat das Bürgeramt Ost Interessierte zu einem Ortstermin gebeten.

Neben Vertretern der Pfarrei, der Bürgerinitiative, des Vereins "Freunde der Rundkapelle", des TSV Altenfurt und des Bürgervereins Südost nahmen auch Stadträte teil. Die Rathaus-CSU hatte einen Kauf des Areals mit Rundkapelle durch die Stadt vorgeschlagen. Ob dies angesichts leerer kommunaler Kassen überhaupt realistisch ist, steht dahin.

Bei dem Treffen wurde unter anderem geäußert, dass in Altenfurt eine Begegnungsstätte fehlt. Diese könnte man in dem einstigen Herrschaftsgebäude unterbringen. Für dessen Sanierung sind allerdings Schätzungen in Höhe von 1,7 Millionen Euro im Gespräch.

Ein Runder Tisch mit den interessierten Gruppen soll sich unter der Moderation des früheren Ministerpräsidenten Günther Beckstein Gedanken über die Zukunft des Areals machen. Mit dabei ist auch Eichstätts katholischer Generalvikar Pater Michael Huber.

"Zeitdruck ist weg"

Ein Blick ins Innere der Rundkapelle: Im Zentrum steht eine Strahlenkranzmadonna mit dem Jesuskind am Arm, darüber hängt ein Kruzifix mit dem gekreuzigten Jesus.

Ein Blick ins Innere der Rundkapelle: Im Zentrum steht eine Strahlenkranzmadonna mit dem Jesuskind am Arm, darüber hängt ein Kruzifix mit dem gekreuzigten Jesus. © Foto: Eduard Weigert

"Der Generalvikar hat uns ausdrücklich zugesichert, dass es seitens des Bistums bisher keine Zustimmung zum Verkauf der Rundkapelle gegeben hat", berichtet Waltraud Anderl, katholische Kirchortsratsvorsitzende in Altenfurt, "das war für uns sehr wichtig." Anderl sieht die in Gang gekommene Entwicklung sehr positiv: "Die Verkaufsgespräche sind vom Tisch, der Zeitdruck ist weg, es besteht die Chance für neue Ideen. Ohne den öffentlichen Druck hätte sich jedoch nichts bewegt."

Claus Schmid von der Bürgerinitiative bewertet das genauso: Erst nach massivem Protest habe der Kirchenpfleger reagiert. Schmid will konstruktive Vorschläge für den Runden Tisch einbringen: Erstes Ziel sei, dass die katholische Gemeinde das ganze Areal behält. Schließlich habe die Altenfurter Pfarrei brachliegende Grundstücke, die sie veräußern könne, um die Sanierung zu stemmen.

Sollte dies nicht realisierbar sein, regt der Mediziner eine eigene Stiftung mit Crowdfunding an: Interessierte könnten jeweils einen Quadratmeter des Kapellenplatzes zum ortsüblichen Preis erwerben und das Mini-Grundstück anschließend der Stiftung schenken. Bei einer entsprechenden Beteiligung der Bürger könnte man das gesamte Areal erwerben.

Eine Alternative dazu wäre, eine Aktiengesellschaft zu gründen, deren Ziel ausschließlich der Erhalt des Geländes für die Öffentlichkeit sei. "Wir haben einen Blumenstrauß an realisierbaren Möglichkeiten", wirbt Schmid, "und wir sind sehr, sehr optimistisch, denn wir haben bereits jetzt schon viel erreicht."

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