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Rassistische Kommentare: Nürnberger Christkind beeindruckt vom "Love-Storm"

Unzählige Glückwünsche und unfassbar viel Zuspruch hätten ihr Mut gemacht - 03.11.2019 15:36 Uhr

Eröffnet 2019 den Christkindlesmarkt in Nürnberg: Benigna Munsi. © Eduard Weigert


Im Nürnberger Rathaus verwahrte sich Maly mit aller Deutlichkeit gegen die rassistischen Anfeindungen, die nach der Wahl der 17-Jährigen am Mittwoch laut geworden waren. Benigna Munsi selbst gab sich vor Pressevertretern aus ganz Deutschland entspannt. Sie sei jetzt "noch motivierter als zuvor", erklärte die Schülerin mit dem strahlenden Lächeln.

Derlei Feindseligkeiten habe sie als Tochter einer deutschen Mutter und eines aus Indien stammenden Vaters vorher nicht erlebt. Sie sei aber auch nicht überrascht über das Echo aus der rechtsradikalen Ecke. Benigna Munsi: "Mir tun Menschen mit solchen Ansichten leid." Beeindruckt habe sie dagegen der riesige "Love-Storm", der im Internet nach ihrer Wahl zum Christkind losgebrochen sei.

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Nach Anfeindungen: Nürnberger Christkind tritt vor die Presse

Es war ein besonderer Termin: Nach den Anfeindungen auch durch die AfD trat das neue Nürnberger Christkind Benigna Munsi gemeinsam mit Oberbürgermeister Ulrich Maly vor die Presse. Vor allem der "Love-Storm" hat bei der Betroffenen Eindruck hinterlassen.


Unzählige Glückwünsche und unfassbar viel Zuspruch hätten ihr Mut gemacht. Empörung hatte vor allem ein rassistischer Kommentar auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbandes München-Land ausgelöst. Der Beitrag wurde inzwischen gelöscht, die AfD hat sich dafür entschuldigt.

Bei der Überlegung, wie mit den Anwürfen umgegangen werden sollte, stecke man "in einem inneren Widerspruch", sagte der Oberbürgermeister. Einerseits wolle man den Rechtspopulisten nicht noch mehr Resonanz verschaffen, andererseit sei "die Zeit vielleicht vorbei, in der man so etwas ignorieren konnte", so Ulrich Maly. Außerdem habe es dermaßen viele Presseanfragen gegeben, dass man sich öffentlich erklären wollte.

Im Jahr 2002, in dem die 17-jährige Spanierin Marisa Sanchez aus Nürnberg zum Christkind gewählt wurde, habe es ähnliche Reaktionen gegeben, so Stadt-Pressesprecher Siegfried Zelnhefer. Allerdings spielte damals das Internet noch nicht diese Rolle, Hass-Kommentare hätten vor 17 Jahren noch nicht zum Alltag gehört.

Er selbst sei in Deutschland mit offenen Armen aufgenommen worden, betonte Benignas Vater Kausik Munsi bei der Pressekonferenz. Der Informatiker, der beim Bundesamt für Flüchtlinge arbeitet, kam mit 19 Jahren ins Land, studierte hier und hat mit seiner deutschen Ehefrau Teresia-Benedicta Munsi fünf Kinder. Benignas Mutter allerdings sprach offen von "unangenehmen Reaktionen", die es hin und wieder gegeben habe, wenn sie mit ihren Kindern unterwegs war.

Teresia-Benedicta Munsi: "Es gibt eben dumme Leute. Aber nicht die Hautfarbe, sondern das, was ein Mensch sagt und tut, zählt." Für das Christkind beginnt jetzt die ganz normale Vorbereitung auf den großen Auftritt am 29. November. Im Nürnberger Staatstheater wurden bereits ihre Maße genommen, am Donnerstag wird sie zum ersten Mal in ihr Kostüm schlüpfen und damit zu dem zurückkehren, was OB Ulrich Maly als das "Kerngeschäft" eines Christkinds bezeichnet: Weihnachten.

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