Rückenwind für Ringbahn

28.9.2014, 21:00 Uhr
In Nürnberg herrscht Einigkeit darüber, dass ein Teilstück der Nürnberger Ringbahn reaktiviert werden soll, um die Gräfenberg- mit der Rangaubahn zu verbinden.

In Nürnberg herrscht Einigkeit darüber, dass ein Teilstück der Nürnberger Ringbahn reaktiviert werden soll, um die Gräfenberg- mit der Rangaubahn zu verbinden. © Eduard Weigert

Grundlage für die Einstimmigkeit im Rathaus ist der Nahverkehrsentwicklungsplan Nürnberg 2025 (NVEP). Der öffentliche Nahverkehr würde mit der durchgehenden Strecke zwischen Gräfenberg und Cadolzburg insgesamt attraktiver werden, versprechen die Gutachter. Verbunden mit einem Ausbau wären drei neue Haltepunkte im Stadtgebiet: Wetzendorf, Thon und Nürnberg-Nord. Zudem soll ein neuer Haltepunkt „Buchenbühl“ zwischen Nürnberg-Nordostbahnhof und Heroldsberg gebaut werden.

Die Sachverständigen gehen von Kosten, inklusive Lärmschutz entlang des Ringbahn-Abschnitts, in Höhe von 33,4 Millionen Euro aus. Der berechnete Kosten-Nutzen-Faktor liegt in ihrer Expertise deutlich über 1,0. Damit wäre das Ringbahn-Projekt zuschussfähig.

Klar ist aber auch, dass nicht die Stadt, sondern die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) Auftraggeber des Projekts wäre. Doch die BEG, ein Unternehmen des Freistaates, hat ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Und das kommt zu einem ganz anderen Kosten-Nutzen-Faktor. Der liegt deutlich unter 1,0; damit wäre der Betrieb der Strecke von Gräfenberg bis Cadolzburg unrentabel und somit auch nicht zuschussfähig.

Im Ausschuss erwarteten die Stadträte nun eine Erklärung, wie es zu diesen sehr unterschiedlichen Bewertungen kommen konnte. Aufschluss sollte ihnen Kord Simons geben, Leiter der Abteilung Infrastruktur bei der BEG. Doch die Erwartungen waren zu hoch gesteckt, über wichtige Fakten berichtete er nicht. „Wir werden auf die Gutachter zugehen müssen“, sagte Simons. Mit Blick auf die Gründe, wie es zum Dissens kommen konnte, wolle er den Gutachtern nicht vorgreifen.

Aus Sicht von Baureferent Daniel Ulrich gibt es seit vergangenem Dienstag allerdings ein weiteres Argument, das für die Realisierung des Ringbahn-Projekts spricht: die Pläne für das ehemalige AEG-Gelände. Drei bayerische Minister haben verkündet, dass der Wissenschafts- und Forschungsstandort an der Fürther Straße für die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ausgebaut werden soll. Der Freistaat will bis Ende 2015 das 15 Hektar große Firmengelände dafür kaufen (wir berichteten). „Die Entwicklung auf AEG kommt in den Berechnungen für die Verbindung gar nicht vor“, sagt er. Die Ringbahn-Strecke führt aber direkt am AEG-Gelände vorbei. Ulrich: „Da werden wir uns sehr bald mit den Gutachtern zusammensetzen müssen.“

Aktuell hat sich nun auch der Stadtrat in Gräfenberg einstimmig für den Lückenschluss auf der Ringbahntrasse ausgesprochen.

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