S-Bahn-Übernahme: "Poker auf dem Rücken der Fahrgäste"

17.12.2015, 16:19 Uhr
Ein Blick ins Cockpit des Zuges, der eine Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde erreicht.

Ein Blick ins Cockpit des Zuges, der eine Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde erreicht. © Skoda

"Hier wird gepokert, und zwar auf dem Rücken der Fahrgäste, die dann die Zeche zahlen müssen", glaubt er. Er befürchtet, dass die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) letztendlich Steuergelder zuschießen müsste, wenn NX den Betrieb zu den anvisierten Preisen nicht leisten kann.

"Selbst wenn die Inbetriebnahme durch NX später erfolgen sollte, werden 2018 Züge bereit stehen. Dies können wir durch Vertragsverlängerung mit DB Regio ermöglichen, bis die neuen Züge von NX da sind", versichert Verkehrsstaatssekretär Gerhard Eck.

"Ohne eine Verlängerung wird es wohl nicht zu händeln sein", glaubt auch Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und fordert BEG und Deutsche Bahn dazu auf, schnell über einen Vertrag über 2018 hinaus zu verhandeln.

Angesichts des langwierigen Verfahrens gibt es nämlich große Zweifel, ob NX Ende 2018 die nötigen Fahrzeuge zur Verfügung stellen kann. "Das wird sehr, sehr eng - vor allem, wenn die Bahn das Verfahren weiter verlängert", meint auch Tobias Richter, NX-Deutschlandchef. Die Deutsche Bahn hat bis zum 4. Januar Zeit, Einspruch einzulegen - und wird dies wohl auch tun.

450 Beschäftigte betroffen

Betroffen von dem Wechsel sind 450 Beschäftigte. Immerhin genießen sie Kündigungsschutz, müssen aber damit rechnen, anderswo und mit neuen Aufgaben eingesetzt zu werden. Sobald das Ende feststeht, werden die meisten schnell selbst nach zukunftssicheren Stellen im Unternehmen suchen, ist Betriebsrat Leuthel überzeugt.

"Wir müssen aber trotzdem noch den vollen Betrieb bis Ende 2018 aufrechterhalten. Ich weiß nicht, wie wir das schultern sollen", sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Frank Hauenstein, Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft in Nürnberg, erwartet, dass NX den Lokführern bald ein Angebot macht. "Dort arbeiten sie dann aber unter schlechteren Bedingungen", meint er. "Das ist ganz klar ein Dumping-Tarifvertrag", fügt er hinzu. Er befürchtet auch, dass NX den Sicherheitsdienst an Subunternehmer vergibt.

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