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Schilder fordern: Radfahrer am Hauptmarkt absteigen!

Diskussion um die Testphase geht weiter - Disziplin soll abgenommen haben - 20.09.2016 07:36 Uhr

Ob dieser Appell wohl Wirkung zeigt? Unbekannte Plakatierer forderten Anfang der Woche die Radfahrer dazu auf, zu der Regelung vor der probeweisen Freigabe zurückzukehren. © Foto: Clemens Helldörfer


Aus seiner ablehnenden Haltung zur Fahrrad-Freigabe hat Wirtschaftsreferent Michael Fraas nie ein Hehl gemacht: "Damals in der Diskussion hatte ich mich gegen den Pilotversuch ausgesprochen und fühle mich in meiner Haltung bestätigt. Ich fahre selbst gern Fahrrad, aber auf dem Hauptmarkt sollte Fahrradfahren weiterhin nicht gestattet sein. Es ist zumutbar, auf diesen wenigen Metern abzusteigen – mit Rücksicht insbesondere auf die Marktbesucher, Marktbeschicker und Touristen."

Momentan liege das Problem hauptsächlich darin, dass viele Fahrradfahrer nach Auskunft des Marktamtes "den gesamten Hauptmarkt als freigegeben betrachten", was aber nur auf einen Korridor zwischen Waaggasse und Brautkehre zutreffe. Ihm sei auch zu Ohren gekommen, so der Wirtschaftsreferent, dass die Disziplin der Radfahrer insgesamt abgenommen hätte und dass vereinzelt schon Marktbeschicker beim Auf- und Abbau angepöbelt worden seien.

"Es gibt eben viele vernünftige Radfahrer – und nach wie vor die Kampfradler", so Abteilungsleiterin Gabriele Meier vom Marktamt, die in erster Linie an das "menschliche Miteinander" aller Beteiligten appelliert. Dass es natürlich einige unvernünftige Zeitgenossen unter den Pedalrittern gibt, weiß auch Jens Ott vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Nürnberg (ADFC).

Dieses Schild neben dem Schönen Brunnen fordert die Radfahrer am Hauptmarkt auf, langsam zu fahren und Rücksicht auf die Fußgänger zu nehmen. © Foto: Edgar Pfrogner


Nach seinen Informationen sei es aber nicht so, dass momentan beim Thema "Radfahren auf dem Hauptmarkt" grundsätzlich etwas schieflaufe. Die meisten Radler, die jetzt legal den Platz überquerten, hätten dies wohl vorher schon auch so getan. Die Entscheidung, sich für eine flexible Lösung mit einem freigegebenen Bereich statt mit einem markierten Radweg zu entscheiden, sei jedenfalls richtig gewesen. Dadurch könnten sich die Radfahrer an die jeweilige Situation auf dem Platz anpassen.

"Die bisherige Testphase läuft aus Sicht der Polizei problemlos", berichtet Elke Schönwald von der Pressestelle des Polizeipräsidiums. Bisher habe es lediglich einen Verkehrsunfall gegeben, bei dem ein deutlich alkoholisierter Fahrradfahrer mit einer Fußgängerin zusammenstieß. Dieser Verkehrsunfall hätte aber an jedem anderen Ort genauso passieren können. Robert Wunder, stellvertretender Leiter im Verkehrsplanungsamt, hat bislang noch keinen signifikanten Anstieg von Bürgerbeschwerden registriert: "Wir sind insgesamt zufrieden."

Es sei durchaus eine starke Steigerung des Fahrrad-Verkehrs über den Hauptmarkt zu verzeichnen. Natürlich gebe es ab und an Protest, aber die meisten Zweiradfahrer würden sich wohl an den auffälligen Schildern orientieren, auf denen die Stadt eine gegenseitige Rücksichtnahme anmahnt. Für Jürgen Endreß dagegen wurde ein "Beschluss über die Köpfe der Fußgänger hinweg" gefasst, der dazu führe, dass nun auch in den Bereichen und auf den Brücken rund um den Hauptmarkt immer mehr geradelt wird.

Die Ansicht "Mit der Zeit gewöhnen sich die Radfahrer und Fußgänger aneinander" sei die reine Scheinheiligkeit, bei der einfach das "Recht der Stärkeren" bevorzugt werde, schreibt er in einem offenen Brief an Stadtrat und Stadtspitze.

Clemens Helldörfer E-Mail

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