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Schlaflos in Deutschland

Super Bowl-Party der Nürnberg Rams - 05.02.2008

Wenn sich massiv ausgerüstete Muskelberge um einen eiförmigen Ball streiten, dann kracht es schon einmal gewaltig. Besonders schmerzhaft erfuhr das in dieser Szene des Super Bowls Giants-Runningback Brandon Jacobs. © dpa


Über dem großen Teich ruft das Aufeinandertreffen zwischen den erfolgsverwöhnten New England Patriots und dem Underdog New York Giants weit weniger Enthusiasmus hervor. Das mag daran liegen, dass man sich in Deutschland sowieso nicht viel aus der Lieblingssportart der US-Amerikaner macht. Noch abschreckender dürfte aber die unchristliche Zeit sein, zu der das Spektakel in die deutschen Wohnzimmer übertragen wird.

Wer sich in Deutschland in der Nacht zum Montag die Mühe machte, zum Kick-Off kurz nach Mitternacht aufzustehen oder bis dorthin wach blieb, der musste bis fast 4.30 Uhr vor der Flimmerkiste durchhalten. Was weniger an den Spielern lag, die sich effektiv nur viermal 15 Minuten bekämpften, sondern vielmehr an der gigantischen Werbemaschinerie der amerikanischen TV-Sender, die an einem 30-sekündigen Spot bis zu 2,7 Millionen Dollar verdienten.

Im US-Restaurant «Ourplace» in Fürth haben sie einen solchen nächtlichen Marathon gerne in Kauf genommen. Einhundert Footballbegeisterte, die meisten in Giants-Trikots gekleidet, fanden sich dort zu einer großen Super Bowl-Party mit Hotdogs, Spareribs und überschäumender Begeisterung ein. «Die Stimmung war wirklich großartig. Dafür, dass wir diese Veranstaltung so kurzfristig aus der Taufe gehoben haben, waren wir mit der Resonanz sehr zufrieden», erzählt Peter Schuh, Vorsitzender des ausrichtenden Vereins Nürnberg Rams.

Die Giants enttäuschten ihre Fans denn auch nicht und lieferten dem in 18 Spielen unbesiegten Favoriten um Star-Quarterback Tom Brady ein leidenschaftliches Duell. Wie moderne Gladiatoren standen sich die fleischgewordenen Kleiderschränke beider Teams gegenüber, rangen um jeden Zentimeter und hechteten auch in aussichtslosen Situationen dem begehrten «Ei» hinterher. «Spielerisch», weiß Schuh, «gab es schon viel bessere Finals.» Aber kaum eines war so spannend wie dieses. Als Quarterback Eli Manning 35 Sekunden vor Ende den entscheidenden Touchdown-Pass zum 17:14 für die Giants warf, gab es auch im fernen Fürth kein Halten mehr. Die Müdigkeit war vergessen - für einen Moment. 

Siegmund Dunker

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