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Schockanrufe: Falsche Polizisten ergaunern Geld von Senioren

Betrüger gaben sich am Telefon als Beamte aus und forderten Geld - 22.01.2019 19:25 Uhr

Gerade bei älteren Menschen geben sich Betrüger am Telefon häufig als Polizisten aus und fordern hohe Geldbeträge. © Julian Stratenschulte/dpa


Die miesen Tricks seiner Hintermänner, so erklärt Strafverteidiger Martin Gelbricht, widere seinen Mandanten heute selbst an, er schäme sich für sein Verhalten. Tatsächlich verschlägt es Zuhörern schier den Atmen über die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, doch der Angeklagte (35) ist wohl nur naiver Helfer einer hochkriminellen Bande. Er habe sich von einem Bekannten als Kurier anwerben lassen. "Du fährst da einfach hin, holst was ab. Ganz einfach!" habe der Kumpel behauptet. So einfach war es dann doch nicht: Am 13. April 2018 wurde der Angeklagte von der Polizei auf frischer Tat geschnappt. 12.500 Euro habe er für seine Kurierdienste bekommen, gibt der Angeklagte zu.


Betrügerische Anrufe verunsichern Bürger


Der federführende Ermittler berichtet vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth, dass die Hintermänner in der Türkei sitzen. Geschulte Call-Center-Mitarbeiter wählten Rufnummern von Menschen mit altmodisch klingenden Vornamen an und versetzten zwischen September 2017 und April 2018 Männer und Frauen in den Stadtteilen Almoshof, Worzeldorf, Neuselsbrunn und Eibach in Angst und Schrecken. Es ist dem Mut eines Geschädigten (82), der mitten in der Altstadt lebt, zu verdanken, dass zunächst der Kurier festgenommen wurde.

Am 12. April gab sich ein Anrufer als Polizist aus und forderte den 82-Jährigen auf, das Schließfach zu leeren und das Sparbuch aufzulösen. Bei den 25.000 Euro handle es sich um Falschgeld, er solle das Geld in einer Papiertonne vor seinem Haus verstecken. Der Senior wurde misstrauisch, alarmierte die echte Polizei und spielte das Spiel der falschen Polizisten mit, bis der Kurier kam.

Besonders übel traf es einen 87-Jährigen

Tage vorher hatten die Anrufer einer 87-Jährigen vorgegaukelt, dass in ihrer Gegend eine Einbrecherbande auf der Flucht sei, sie solle ihr Geld von der Bank holen. Als sie bei einem erneuten Anruf äußerte, ihren Sohn informiert zu haben, behauptete der Anrufer, dass die Einbrecher bereits ihren Sohn entführt hätten und erschießen würden. Sie ging zur Bank, verlangte 50.000 Euro und zog eine Mitarbeiterin der Bank ins Vertrauen, die Polizei wurde alarmiert.

Einer Frau (79) in Eibach wurde erzählt, dass auf ihrem Konto in der Bank Falschgeld liege. Sie hob fast 28.000 Euro ab und deponierte das Geld, wie gefordert, in einem Stromkasten gegenüber ihres Anwesens. Eine ähnliche Geschichte brachte eine weitere 79-Jährige dazu, 30.000 Euro in einem Kuvert auf eine Säule vor ihrer Wohnung zu legen.


Falsche Polizisten: So schützen Sie sich


Besonders übel wurde einer 78-Jährigen mitgespielt. Als sie einem Anrufer verriet, dass sie über 70.000 Euro Bargeld verfüge, behauptete er, dass Männer mit Maschinengewehren ihre Wohnung bereits umstellt hätten, ihr eigener Sohn und mehrere Polizisten angeschossen und verletzt wurden. Sie solle das Geld endlich vor die Tür bringen, sonst wäre sie wegen Mordes durch Unterlassen dran. Sie legte das Kuvert mit dem Geld auf die Fußmatte vor ihrer Wohnung.

Zumindest konnten durch die Aussagen des Kuriers zwei weitere mutmaßliche Bandenmitglieder gefasst werden, so der (echte) Polizist im Zeugenstand. Der Prozess geht weiter.


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Ulrike Löw

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