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Solarauto per Kran: Zukunft zieht ins Deutsche Museum ein

Studenten der Hochschule Bochum haben das Fahrzeug konstruiert - 30.09.2020 09:38 Uhr

Das sieht man auch nicht alle Tage: Großobjekte wie ein Solarauto sind per Kran durchs Fenster im zweiten Stockwerk des künftigen Zukunftmuseums gehievt worden.

29.09.2020 © Michael Matejka


"Wir zeigen Zukunftstechnologien", sagt Andreas Gundelwein, der beim Deutschen Museums zuständige Projektleiter. Präsentiert werden Prototypen aus der Forschung. Doch die Pandemie hat auch hier die Vorbereitungen durcheinander gebracht. "Wir liegen aktuell etwa zehn Wochen hinter dem Zeitplan", berichtet Gundelwein. Die Eröffnung müsse wohl auf Anfang 2021 geschoben werden. Wie der Auftakt samt Feierlichkeiten über die Bühne gehen soll, das steht wegen Corona allerdings noch in den Sternen.

Ein ganz besonderer Hingucker der neuen Einrichtung dürfte ohne Frage das Elektroauto, dessen Batterien auch über Solarzellen laden, sein: "blue.cruiser" heißt das 1,70 Meter breite und knapp fünf Meter lange Fahrzeug mit den zahlreichen Solarzellen auf den Oberflächen. Das mächtige Teil, das im Anhänger nach Nürnberg gebracht worden ist, ist zu groß für den Lastenaufzug. Zunächst wird der Wagen vorsichtig auf eine Plattform bugsiert und fixiert, dann schwebt der Viersitzer per Kran durchs offene Fenster ins Haus. Das ist wahre Zentimeterarbeit, doch das gute Stück nimmt keinen Schaden. "Ich bin wirklich froh, dass alles geklappt hat", sagt Marion Grether, die Leiterin des Zukunftsmuseums.

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Solarauto kam durchs Fenster des Deutschen Museums Nürnberg

Durch das Fenster wurde am Dienstag ein Elektroauto ins Deutsche Museum Nürnberg gehievt. Die Batterien laden sich auch über Solarzellen, nachhaltige Materialien wurden für den Innenraum verwendet und es sieht trotzdem gut aus. Doch nicht nur das Solarauto sondern auch weitere Exponate, die alle so etwas wie eine "Mischung aus Science-Fiction und aktueller Forschung" sind, wurden geliefert.


Allein schon von der Optik her beeindruckt das Auto, das wunderbar in den modernen Bau passt. Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen der Hochschule Bochum haben das Fahrzeug konstruiert und gebaut. Im Inneren wurden etwa für die Sitze ungewöhnliche Materialien wie Ananas-Fasern oder Leinen benutzt. Stefan Spychalski, an der Hochschule Bochum für die Öffentlichkeitsarbeit beim Projekt "SolarCar" zuständig, sagt: "Unsere Anforderungen waren: Wir wollen ein nachhaltiges Auto bauen, das aber auch emotional überzeugen muss."

"Das Auto sieht geil aus"

Kurz gesagt: "Das Auto sieht auch geil aus." Doch die dynamische und schnittige Form ist eben nicht der einzige Punkt, der überzeugt. Seit 20 Jahren baut die Hochschule Bochum schon von Solarenergie angetriebene Elektrofahrzeuge. Eines der Autos hat 2012 die Welt nur mit Hilfe von Sonnenergie umrundet und hält den Guinness-Rekord für die längste solarautark gefahrene Strecke mit 29.753 Kilometern. Übrigens: Das Fahrzeug, das demnächst in Nürnberg zu sehen ist, hat bei einem renommierten Solarautorennen in Australien in seiner Klasse den zweiten Platz geholt. Eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h schafft der Wagen, doch dann verbraucht das Auto mächtig viel Energie, wie Ingenieur Spychalski offen sagt.

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Von Lufttaxis bis Weltall: Nürnberg baut an einem Zukunftsmuseum

In Nürnberg wächst derzeit ein einmaliges Gebäude in die Höhe: Unter dem Untertitel "Zukunftsmuseum" will sich der Neubau des Deutschen Museums mit dem Leben und Arbeiten von Morgen beschäftigen. Unter anderem wird es sich die Themen Mobilität von morgen und digitale Zukunft stehen drehen. Rund 100 Handwerker sind mit den Arbeiten rund um das 5500 Quadratmeter große Areal in der Altstadt beschäftigt.


In dem Gebäude, in dem auch das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS 2021 einen neuen Standort eröffnen und unter anderem diverse Veranstaltungsformate bieten wird, sind am Dienstag weitere Großobjekte angekommen. Projektleiter Andreas Gundelwein übertreibt nicht, wenn er in dem Zusammenhang von einer "Mischung aus Science-Fiction und aktueller Forschung" spricht. So wird im Deutschen Museum ein riesiger Co2-Staubsauger gezeigt, der Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtert. Noch braucht das Verfahren nach Angaben des Museums viel Energie: Doch eines Tages könnten solche Anlagen mehr Kohlenstoffdioxid sammeln, als wir Menschen freisetzen.

Zwei weitere mächtige Exponate erinnern an das alte Prinzip Rohrpost. So gibt es die Idee, dass magnetisch angetrieben Züge Personen mit bis zu 1000 km/h in einer Vakuum-Röhre transportieren könnten: Ein Prototyp der TU München - beeindruckende vier Meter lang und 560 Kilo schwer - wird künftig in Nürnberg gezeigt. Und auch Waren oder Pakete könnten künftig durch unterirdische Röhren von A nach B geschickt werden. Für die Entwickler ist dies ein effizientes System, das die oberirdischen Lieferwagen in den Städten ersetzen kann.

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