Mit allen juristischen Mitteln

Stadt Nürnberg wehrt sich gegen Tennet-Trassenpläne

21.7.2021, 19:15 Uhr
Tennet plant, die alte Bestandstrasse zu erneuern. 

Tennet plant, die alte Bestandstrasse zu erneuern.  © NNZ

Die Firma Tennet möchte ihre zwischen Raitersaich und dem niederbayerischen Altheim bestehende 220 kV-Leitung durch eine leistungsstärkere 380 kV-Leitung ersetzen. Weil die neue Trassenführung sich an der Bestandstrasse orientieren soll, laufen dagegen die betroffenen Bürger in Katzwang und Kornburg schon seit Monaten Sturm.

Rückendeckung durch Stadtrat

Jetzt bekommen sie Rückendeckung durch den Stadtrat. Die Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Marcus König (CSU) an der Spitze hat dem Gremium eine ablehnende Stellungnahme zur Abstimmung vorgelegt - der Rat gab bei zwei Gegenstimmen von AfD-Vertretern grünes Licht, so dass das von einer Münchner Fachkanzlei erarbeitete Papier an die Regierung von Mittelfranken gehen kann.

"Wir ziehen alle juristischen Register, um diese Trasse zu verhindern", sagt SPD-Stadtratsfraktionschef Thorsten Brehm. Der im Raumordnungsverfahren vorgeschlagene Trassenkorridor verläuft im Nürnberger Stadtgebiet als Erdkabelvariante durch Katzwang sowie als Freileitung entlang Kornburg und weiter gebündelt mit der Autobahn A6 entlang Moorenbrunn Richtung Osten.

Übermäßige Belastung

Wie die Stadtverwaltung in ihrer Entscheidungsvorlage für die Räte schreibt, würden in den Tennet-Plänen die im Bayerischen Landesentwicklungsprogramm empfohlenen Mindestabstände der Leitungen zum Wohnumfeld "in keinem der betroffenen Nürnberger Stadtteile" eingehalten: "Im Gegenteil werden durch die übermäßige Beanspruchung bereits vorbelasteter Bereiche wie Katzwang, Kornburg und Moorenbrunn der ansässigen Bevölkerung weitere Beeinträchtigungen der Wohnumfeldqualität zugemutet."

Zudem verlaufe die Trasse "in vielen Abschnitten durch ökologisch bedeutsame und teilweise geschützte Naturräume", kritisiert die Stadtverwaltung. Die Münchner Kanzlei bemängelt in der Zusammenfassung ihres 27-seitigen Stellungnahme an dem Raumordnungsverfahren für das Tennet-Vorhaben, dass keine "belastbare Alternativenprüfung" zur beabsichtigten Trassenführung erfolgt ist, "sondern lediglich eine 'modifizierte' Bestandstrasse zum Gegenstand des Verfahrens gemacht wird".


Nürnbergs OB deutlich: Tennet-Pläne sind "nicht akzeptabel"


Wie Versuchskaninchen

Die Kanzlei kritisiert auch, dass es auch an Aussagen fehle "für den Fall, dass die Erdverkabelung technisch nicht realisierbar ist" - bei der geplanten Erdverkabelung handelt es sich um ein Pilotprojekt, weshalb die Katzwanger klagten, als "Versuchskaninchen" herhalten zu müssen. CSU-Fraktionschef Andreas Krieglstein kann die Sorgen der Bürger verstehen. Die Stadt werde sich wehren: "Es wird ein langer Prozess."

2 Kommentare