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Streetspotr.com: Wenn die Arbeit auf der Straße liegt

Nürnberger Softwarefirma überzeugt mit ihrem Konzept Nutzer und Unternehmen - 14.08.2013 07:53 Uhr

Junge Firma, junges Team: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Streetspotr, Gewinnerin des 15. Businessplan-Wettbewerbs Nordbayern, posieren mit Firmenlogo und Siegerurkunde. © Christian Urban


Ein Termin fällt aus, der Bus ist weg, oder die Verabredung verspätet sich: Hin und wieder muss man einfach Zeit totschlagen, ob man nun will oder nicht. In Zeiten des Smartphones ist das meist kein Problem. Doch was wäre, wenn man diese Zeit nutzen könnte, um ein wenig Geld quasi im Vorbeigehen zu verdienen?

Genau das ist die Geschäftsidee, die hinter der 2011 gegründeten Nürnberger Softwarefirma Streetspotr.com steckt. Ihr Motto „laufend Geld verdienen“ ist durchaus wörtlich zu verstehen: Bei Streetspotr liegt die Arbeit förmlich auf der Straße – man muss sie sich nur holen.

Kleines Taschengeld

Jeder Besitzer eines iPhones oder Android-Smartphones kann einen Account erstellen und die kostenlose App herunterladen. Ab diesem Moment kann er sich Aufgaben in seiner Nähe anzeigen lassen, die ihm – korrekt ausgeführt – ein kleines Taschengeld bringen. Am Anfang sind das eher kleine und schnell erledigte Tätigkeiten wie beispielsweise die Überprüfung von Öffnungszeiten.

Um Schummeleien zu unterbinden, wird das Ganze durch einen Schnappschuss mit der Kamera dokumentiert, über die jedes Smartphone verfügt. Automatisch erfasst werden außerdem die Ortsdaten der Nutzer, allerdings nur in dem Moment, in dem er seine Aufgabe erfüllt. „Wir verfolgen nicht die Bewegungen unserer User, sondern wollen nur überprüfen, ob sie wirklich vor Ort sind“, erklärt Dorothea Utzt, Mitgründerin der Firma und als Mitgeschäftsführerin verantwortlich für das Marketing.

Erfüllt das Ergebnis die Qualitätsansprüche von Streetspotr, ist der User um ein paar Euro reicher. Stimmt die Qualität nicht, ist also beispielsweise ein geschossenes Foto unscharf, bekommt er eine Nachricht mit der Bitte um Nachbesserung.

Bewährt sich der Nutzer im Laufe der Zeit, werden die Jobs anspruchsvoller und lukrativer: Die Teilnahme an Umfragen oder eine Tätigkeit als Testkäufer bringen schon mal zweistellige Eurobeträge. Reich wird man davon aber nicht, aber das ist auch gar nicht der Sinn der Sache, wie Geschäftsführer Werner Hoier betont: „Es geht einfach darum, sich ohne allzu viel Aufwand ein kleines Taschengeld zu verdienen.“

Die Firmen kommen von alleine

Vergeben werden die Aufgaben von den unterschiedlichsten Auftraggebern wie Marktforschungsunternehmen und -abteilungen, Lieferdienstplattformen oder Branchenverzeichnissen. Kleine wie große Firmen treten immer wieder an Streetspotr heran, wenn es um kurze und schnell zu erledigende Aufgaben geht. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten – und auch für die Wirtschaft offenbar ein überzeugendes Konzept: „Bisher arbeiten wir ohne Vertrieb. Die Firmen kommen also auf uns zu, nicht wir auf sie“, so Dorothea Utzt.

Das gilt auch für die Nutzer. Zum Ende des Probebetriebs im April 2012 war Streetspotr noch auf 5000 Nutzer in Berlin, Hamburg, München und Nürnberg beschränkt. Inzwischen umfasst die Streetspotr-Community bereits 207.000 Menschen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz – ebenfalls alleine durch Mundpropaganda.

Ein Wachstum, mit dem keines der Gründungsmitglieder gerechnet hätte und das anfangs auch einige handfeste Probleme mit sich gebracht hat: „Nachdem im Sommer 2012 unter anderem das Pro7-Magazin Galileo über uns berichtet hat, sind erst einmal unsere Server zusammengebrochen“, räumt Hoier ein, dessen Wohnung lange Zeit die Heimat von Streetspotr war.

Solide wirtschaftliche Planung

Mittlerweile ist die Firma in ein Loft in der Klingenhofstraße umgezogen und erfüllt auch sonst so manches Startup-Klischee. Unter den zwölf Mitarbeitern sind viele Studenten, auf den Tischen stehen Energy-Drinks, es gibt einen großen Flatscreen mit angeschlossenem Nintendo Entertainment System aus den 80ern, und auch der obligatorische Kicker fehlt nicht.

Wer daraus aber schließt, dass der Firma vermutlich irgendwann das gleiche Schicksal blüht wie den unzähligen Startups, die im Jahr 2000 beim Platzen der Dotcom-Blase ihr Leben ließen, der dürfte irren. Das liegt nicht nur daran, dass Arbeitszeiten von zwölf bis 13 Stunden keine Seltenheit sind, sondern auch an der soliden wirtschaftlichen Planung. Die wurde Streetspotr mittlerweile sogar schwarz auf weiß bescheinigt: Beim von der Unternehmerinitiative netzwerk nordbayern veranstalteten 15. Businessplan-Wettbewerb landete die Firma auf dem ersten Platz und durfte ein Preisgeld von 10.000 Euro mit nach Hause nehmen.

Zeit, um sich auf diesen Lorbeeren ein wenig auszuruhen, ist allerdings nicht: Eine Expansion nach Großbritannien steht unmittelbar bevor, danach ist dann das weitere europäische Umland an der Reihe. Die Zeichen stehen also auf Wachstum – und das ist letztlich nur konsequent. Schließlich liegen auch in anderen Ländern noch jede Menge Jobs auf der Straße.

Link zur Homepage: streetspotr.com 

Christian Urban

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